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Niedrige Abiturquote an den Eutiner Gymnasien

Eutin Niedrige Abiturquote an den Eutiner Gymnasien

Nach Angaben der Projektgruppe „Biregio“ durchlaufen in Eutin weit weniger Schüler die beiden Gymnasien von der fünften Klasse bis zum Abitur als im Landesdurchschnitt.

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„Manchmal ordnen sich in der Oberstufe die Lebenswege neu.“ Frithjof Löding, Leiter Voß-Gymnasium

Eutin. — Vor Kurzem hat Wolf Kraemer-Mandeau für die Bonner Projektgruppe „Bildung und Region“ (Biregio) erste Ergebnisse eines vom Eutiner Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz (CDU) in Auftrag gegebenen Schulentwicklungsplans auf der Sitzung des Schulausschusses vorgestellt. Dabei ging es nicht nur um die Zukunft der Schulen, sondern auch um deren aktuelle Situation.

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„Manchmal ordnen sich in der Oberstufe die Lebenswege neu.“ Frithjof Löding, Leiter Voß-Gymnasium

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Im Blickpunkt stehen auch die beiden Gymnasien, die Weber- und die Voß-Schule. Auffallend ist nach den Zahlen von „Biregio“, dass an beiden Schulen die Quote der jungen Menschen, die dort auch das Abitur machen, vergleichsweise gering ist. Nur 55 Prozent (Weber-Schule) beziehungsweise 60 Prozent (Voß-Schule) der Schülerinnen und Schüler, die in der fünften Klasse ihre Schullaufbahn an den Eutiner Gymnasien beginnen, verließen diese auch mit dem höchstmöglichen Abschluss. Hinter den Zahlen steht nach Einschätzung Kraemer-Mandeaus jeweils „persönliches Scheitern“. Allerdings ließ er offen, woher die Daten für seine Studie stammen.

Er regt an, das Thema konstruktiv zu bearbeiten und stellte die Formel „Nicht nur fordern, auch fördern“ in den Raum. Tun die beiden Eutiner Gymnasien also zu wenig dafür, auch schwächere Schüler bis zum Abitur zu begleiten? Iris Portius, Schulleiterin am Weber-Gymnasium, weist die Vorwürfe Kraemer-Mandeaus entschieden zurück. „Das erweckt den Eindruck des Gymnasiums von vor 20 Jahren. Dagegen verwahre ich mich“, sagt sie. Iris Portius und Dr. Frithjof Löding, Leiter der Voß-Schule, sehen das Thema Förderung als einen längst in die Praxis integrierten Schwerpunkt ihrer pädagogischen Arbeit. „Wir haben ein eng geknüpftes Netz an Beratung, wenn Probleme auftreten. Das läuft unter anderem über die Stufenleitung, die, wenn es nötig wird, auch externe Hilfe mit einbezieht“, sagt Iris Portius. Über individuelle Lernpläne und die sogenannten Extra-Schichten würden die Schülerinnen und Schüler gezielt unterstützt. „Den Satz ,Der oder die gehört hier nicht her‘ will ich an meiner Schule nicht hören“, so Portius. Es gebe aber natürlich auch Kinder, die einen anderen Weg brauchten. Das müsse man dann gemeinsam herausfinden.

Einen Grund für die auf den ersten Blick negativen Zahlen sieht sie in der Neustrukturierung der Oberstufe über Profilfächer. Das sei eine der Ursachen für Schulwechsel und Abgänge. An der Weber-Schule gebe es beispielsweise das Profilfach Spanisch. Wer aber Französisch den Vorzug gebe, finde in der Region entsprechende Alternativen: „Wer etwas anderes will, wird dann gehen.“ Frithjof Löding hat an seiner Schule ähnliche Erfahrungen gemacht: „Manchmal ordnen sich in der Oberstufe Lebenswege neu.“ Zudem bedeute ein Abschied vom Gymnasium nicht, dass man ohne Abschluss dastehe, sagt Löding mit Hinweis auf Mittlere Reife und Fachhochschulreife. Gleichwohl betont auch er: „Wir kämpfen hier um jeden Schüler.“ Auch die Voß-Schule arbeitet mit individuellen Förderkonzepten und Schülercoaching.

Beim Bildungsministerium des Landes liegen keine Zahlen vor, anhand derer das Ergebnis der „Biregio“-Studie überprüfbar wären: „Für uns ist das völlig neu. Die Studie arbeitet mit einem Wert, von dem wir nicht wissen, woher er kommt, was aber nicht bedeutet, dass wir ihn anzweifeln“, sagt Thomas Schunck, Sprecher des Ministeriums. Eine kurzfristig erstellte, auf Stichproben basierende Hochrechnung ergab als ungefähren Richtwert im Landesdurchschnitt eine Abiturientenquote von 75 Prozent, dazu sieben bis zehn Prozent Schüler, die die Fachhochschulreife erreichten und drei bis sechs Prozent mit einem Mittleren Schulabschluss. Auch wenn die Zahlen nicht auf belastbaren statistischen Erhebungen beruhen, zeigt sich eine Tendenz: „Damit würden die Eutiner Zahlen signifikant vom Durchschnitt abweichen.“ Das zuständige Referat werde dem nachgehen, so Schunck. Vielleicht, sagt Iris Portius, könne man die Zahlen ja auch so verstehen, dass man in Eutin besonders gut hingucke und die Schüler besonders gut berate und eben nicht um jeden Preis mitziehe.

Astrid Jabs

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