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Ostholstein Nische in der Rinderzucht: Japanische Kälber in Ostholstein
Lokales Ostholstein Nische in der Rinderzucht: Japanische Kälber in Ostholstein
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21:30 04.04.2016
Ostholsteins erste Wagyu-Kälber sind geboren: Vier Wochen alt ist der Nachwuchs auf dem Hof in Testorf. Quelle: Fotos: Binder

„Der Mann der Ideen“ — so nennt ihn seine Frau. Peter Burmeister ist eigentlich Bäckermeister. Doch jede freie Minute investiert er in seinen Hof in Testorf, wo er immer wieder Neues ausprobiert. Er hält Rinder und Geflügel, züchtet Holsteiner Pferde, befasst sich mit der Gewinnung von Wind- und Sonnenenergie. Sein jüngstes Projekt sind Wagyu-Rinder, auch als Kobe-Rinder bekannt. Als erster Landwirt in Ostholstein will der 48-Jährige mit der Zucht der Rasse aus Japan beginnen, deren Fleisch wegen seiner speziellen Marmorierung als besonders hochwertig gilt.

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Erster Landwirt im Kreis beginnt Wagyu-Zucht — Embryonen aus den USA importiert — Erste Kälber inzwischen geboren — Fleisch der Rasse gilt als besonders hochwertig.

Wolle man in der Landwirtschaft überleben, müsse man neue Wege gehen, ist Peter Burmeister überzeugt. Seit 14 Jahren betreibt er mit seiner Frau Kristina (44) den Hof „nebenbei“ — wobei das Ganze mehr einem zweiten Hauptberuf als einem Hobby gleicht. Jede freie Minute verbringt das Ehepaar im Stall; auch die vier Jahre alten Zwillinge Pit und Pia packen mittlerweile schon mit an. Die Familie träumt davon, mit dem Betrieb ihren Lebensunterhalt sichern zu können — doch gerade Milchviehhalter haben es momentan schwer; viele Betriebe kämpfen angesichts der drastisch sinkenden Preise ums Überleben (die LN berichteten). „Selbst die großen Betriebe können nicht mehr wirtschaftlich arbeiten“, sagt Burmeister. Mit seinen 120 Rindern könne er da „erst recht nichts werden“.

Mit der Wagyu-Zucht will er sich jetzt auf eine Nische konzentrieren. Bisher befasse sich gerade einmal eine Handvoll Betriebe in Schleswig-Holstein damit, sagt Claus Gülck von der PrismaGen GmbH. Die Firma bietet Tiere, Sperma und Embryonen für diverse Rassezuchten an.

In Testorf wurden die ersten vier Kälber inzwischen geboren: „Max“, „Moritz“, „Paul“ und „Hugo“ sind jetzt etwa vier Wochen alt. Sie wurden als Embryonen aus den USA importiert und von hiesigen Kühen aus Burmeisters eigenem Bestand ausgetragen. Elf weitere „Leihmütter“ sind noch schwanger. 70 bis 80 Prozent der verpflanzten Embryonen wüchsen auch tatsächlich an, erklärt Zuchtberater Gülck. Die Chance, dass die Kälber lebend zur Welt kämen, liege bei 50 Prozent.

Kobe-Fleisch gilt unter Feinschmeckern als Delikatesse. In Japan kostet ein Kilo bis zu 1000 Euro. Für Burmeisters ist an Einnahmen aus der Wagyu-Zucht vorerst allerdings noch nicht zu denken. In etwa zwei Jahren seien sie voraussichtlich so weit, dass die jetzigen Kälber eigenen Nachwuchs hervorbringen würden, sodass die Zucht richtig anlaufen könne. Auch dauere es bis zur Schlachtreife etwa dreimal so lange wie bei einheimischen Rind. Und in die Haltung müsse ebenfalls kräftig investiert werden. Zum Beispiel planen Burmeisters, den Stall auszubauen: Experten empfehlen acht bis zehn Quadratmeter Fläche pro Rind — bei „normalen“ Mastrindern ist der Richtwert drei Quadratmeter.

Das teuerste Fleisch der Welt

3000 Kobe-Rinder gibt es im Schnitt jedes Jahr. Sie sind benannt nach der entsprechenden Region in Japan. Nur dort aufgewachsene Tiere dürfen den Namen tragen. Ein Kilo Fleisch kostet bis zu 1000 Euro. Mittlerweile wurde die Zucht der Rasse auf andere Länder ausgeweitet — dort heißen die Rinder Wagyu („Rind aus Japan“).

Von Jennifer Binder

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