Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Nordkirche stellt sich ihrer verdrängten Vergangenheit
Lokales Ostholstein Nordkirche stellt sich ihrer verdrängten Vergangenheit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:10 21.06.2017
Zu den Besuchern der Ausstellungseröffnung gehörten Bürgermeisterin Hatice Kara (SPD) aus Timmendorfer Strand und ihr Eutiner Kollege Carsten Behnk (parteilos).
Eutin

„Neue Anfänge nach 1945?“ – das Fragezeichen im Titel der Ausstellung ist so gewichtig, dass Propst Peter Barz es in seiner Begrüßung zur Eröffnung mitsprach. Es markiert eine Leerstelle in der Aufarbeitung der eigenen NS-Geschichte durch die Evangelische Kirche ebenso wie die Suche nach den Gründen für diese Lücke. Die Vergangenheit ins Licht zu stellen, das sei, was man sich vorgenommen habe, so Barz. Nicht hochnäsig, besserwisserisch oder verurteilend, aber wahrnehmend und mit Bewusstsein auch für Gegenwärtiges wolle man sich des Themas annehmen. Ein Thema, das auch für die Stadt wichtig sei, betonte der Propst, denn Kirchengeschichte und weltliche Geschichte seien verwoben.

Die Ausstellung berücksichtigt auch das Schicksal des Eutiner Pastors Hartwig Lohmann. Er war aus seinem Amt gemobbt worden.

Eine Auffassung, die die Bürgermeisterin von Timmendorfer Strand, Hatice Kara, und ihr Eutiner Amtskollegen Carsten Behnk teilten. Beide waren der Einladung des Propstes gern gefolgt. „Das Thema ist in diesen Tagen besonders wichtig und es zeugt von Größe, wenn sich eine Institution auf diese Weise mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt“, meinte Kara. Ein Aufarbeitungsprozess, dem auch Carsten Behnk einen hohen Stellenwert beimaß: „Gerade vor dem Hintergrund der speziellen Eutiner Geschichte ist das bedeutsam.“ Beide sahen eine Ausstellung, die Handeln und Nicht-Handeln der Kirche zwischen 1945 und 1985 aus einer Vielzahl von Perspektiven beleuchtet.

In einem einführenden Vortrag erläuterte der Historiker Dr. Stephan Linck von der Akademie der Nordkirche, dessen Forschung das Quellenfundament der Schau geliefert hat, die zentrale Problematik der Verdrängung nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes. „Man hat das nicht wahrhaben wollen“, so beschrieb er die Haltung der Kirche. Zum Vergleich zog er die westdeutsche Justiz heran, in deren Personal er auch nach 1945 eine Kontinuität erkannte. „Ein Wechsel war erst möglich, nachdem die tatbeteiligte Generation in Ruhestand gegangen war“, sagte Linck. Kirche funktioniere wie Gesellschaft. So seien NS-Verbrechen bagatellisiert und negiert worden. Zum Zeitpunkt der Auseinandersetzung sagte er: „Es ist immer zu spät. Aber es findet statt.“ Und es fänden sich Menschen, die die Frage stellten: „Was ist bei uns gewesen?“

Eine Eutiner Antwort darauf gibt der lokale Schwerpunkt, der das Schicksal des Pastors Hartwig Lohmann in den Fokus stellt. Lohmann hatte als Pastor in der Jugendarbeit unbequeme Fragen gestellt und war daraufhin von seinem NS-vorbelasteten Kollegen Hugo Rönck regelrecht weggemobbt worden. Gemeinsam mit Inge Buck haben die Pastorin Maren Löffelmacher und der Pastor em. Lutz Tamchina dazu recherchiert und aussagekräftiges Material zusammengetragen. Was dieses „starke Stück regionaler Geschichte“ für Lohmann, der in der nächsten Woche an einer Podiumsdiskussion teilnehmen wird, bedeuten kann, formulierte Linck so: „Es ist eine Form der Wiedergutmachung.“

Diskussion und Führungen

Die Ausstellung ist bis zum 18. Juli montags bis sonnabends von 10 bis 16 Uhr und sonntags von 15 bis 17 Uhr in der Eutiner Michaeliskirche zu sehen. Veranstaltungen:

Freitag, 23. Juni, 16 Uhr Öffentliche Führung mit Pastor Tamchina;

Mittwoch, 28. Juni, 19 Uhr Podiumsdiskussion mit Propst Peter Barz;

Sonntag, 9. Juli, ca. 11.45 Uhr Öffentliche Führung;

Donnerstag, 13. Juli, 19 Uhr Luther und die Juden, Vortrag;

Sonntag, 16. Juli, 10.30 Uhr Gottesdienst mit Dialogpredigt.

Astrid Jabs

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Zwei Chopper, eine Art Riesen-Dreirad und die unmotorisierte Variante einer Lambretta: Was die Schüler der Oberstufe Technik der Beruflichen Schule Eutin gebaut haben, kann sich sehen lassen.

21.06.2017

Die Polizei reagiert auf Veränderungen in der Drogenszene und auf eine steigende Zahl von Massenschlägereien.

21.06.2017

Innenministerium hat einen Fall aus Timmendorf bereits beanstandet.

21.06.2017