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Nussknacker nehmen Mund ziemlich voll

Kasseedorf Nussknacker nehmen Mund ziemlich voll

Helga Wilhelm sammelt und sammelt: Fast 500 Nussknacker zieren mittlerweile ihre Sammlung. Und ein Ende ist nicht abzusehen.

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In das harte Buchsbaumholz dieser Nussknacker hat der Hersteller filigrane Gesichter geschnitzt.

Kasseedorf. Treppenaufgänge, Vitrinen, Schränke, Tische, Fensterbänke — auf jeder freien Fläche drängen sich die kauzigen Figuren, die Helga Wilhelm aus aller Herren Länder zusammenträgt. Traditionell zum ersten Advent packt die Kasseedorferin ihre Schätze aus und verwandelt das Obergeschoss ihres Hauses in eine Nussknacker-Ausstellung.

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Auch Tiere hat Helga Wilhelm in ihrer Nußknacker-Sammlung. Hier macht sich ein Eichhörnchhen an seine Leibspeise.

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Begonnen hatte alles 1961 mit einem Nussknacker, den sie damals selbst gefertigt hat. Doch erst 1989, als sie einen weiteren Nussknacker erwarb, erinnerte sie sich daran, „dass da irgendwo zu Hause noch ein zweiter war“.

Vor allem im Erzgebirge geht die Sammlerin auf die „Jagd“. Könige, Soldaten, Polizisten und Förster — die Obrigkeit — sie sind klassische Motive. Aber auch Wichtel, Reiterlein, Bergleute, Schäfer, Feuerwehrleute, Schornsteinfeger oder Piraten zieren ihre Sammlung. Bei ihrer Sammlerleidenschaft fehlt es der rüstigen Seniorin nicht an Humor: „Die Piraten habe ich natürlich räumlich von den christlichen Seefahrern getrennt“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Jeder Nussknacker wurde fotografiert und mit einer Karteikarte versehen, auf der Kaufdatum, Ort und Preis vermerkt sind. Doch im Grunde hat Helga Wilhelm jeden ihrer Schützlinge im Kopf. Denn auf ihren Einkaufstouren hat sie ihren Karteikasten nicht dabei. Das verblüfft selbst ihren Mann immer wieder: „Dass Du Dir das alles merken kannst“, habe er schon einige Male gestaunt, wenn sich Nussknacker nur aufgrund ihrer Augenform oder winziger Details voneinander unterscheiden.

Erhöht hat sich die „Frauenquote“ in Helga Wilhelms Männerdomäne. Zur einzigen weiblichen Nussknacker-Hexe aus Schweden haben sich zwei Bauersfrauen und eine Nussknacker-Maid hinzugesellt. Die handwerklichen Fähigkeiten der Hersteller versetzen die Sammlerin immer wieder in Entzücken.

„Schauen Sie sich diese filigranen Gesichtszüge an“, staunt sie über ein Bauernpärchen, das aus hartem Buchsbaumholz geschnitzt wurde. So lebendig wirken die Gesichter, als würden sie gleich zu sprechen anfangen. Auch über den voll funktionsfähigen Miniaturnussknacker — gerade mal so groß wie ein Fingernagel — kann sie sich begeistern.

Zahlreiche Bücher, Anekdoten und Gedichte hat Helga Wilhelm über die urigen Gesellen zusammengetragen. „Man muss sich ja weiterbilden“, meint sie und schmunzelt. Während sie früher noch alleine Märkte und Ausstellungen nach Neuerungen durchforstete, geht Helga Wilhelm heute mit der Zeit. Sie ist „vernetzt“ und hat sich einem Sammlerkreis mit rund 100 Teilnehmern angeschlossen.

Probleme bereitet ihr nur die Raumnot. „Ein neues Haus kann ich dafür nicht bauen, da spielt mein Mann nicht mit.“ Ehemann Friedrich scheint das gehört zu haben und gesellt sich dazu. Liebevoll streicht Helga Wilhelm ihm über die Wange und sagt mit einem verschmitzten Lächeln: „Der Mann von der Zeitung hat gesagt, dass Du mir ein paar neue Regale bauen solltest.“

Die Geschichte des Nussknackers
Die Entstehung des für das Erzgebirge typischen Nussknackers beginnt Mitte des 19. Jahrhunderts. Der damals in Seiffen ansässige Holzkünstler Wilhelm Füchtner schnitzte die Figur erstmalig in ihrer noch heute typischen Form. Die klassischen Motive wie Könige, Polizisten, Soldaten und Förster versinnbildlichen die damalige Obrigkeit. Ihre Gesetze und Befehlsgewalt gaben dem einfachen Volk manches Mal eine harte Nuss zu knacken.
Doch schon viel früher, nämlich bereits in der Antike, finden Nussknacker Erwähnung. Dessen Erfindung wird keinem Geringeren als Aristoteles zugeschrieben. In Gräbern gefundene, kunstvoll hergestellte Nussknacker aus Bronze datieren bis auf etwa 300 Jahre vor Christus zurück.

Thomas Klatt

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