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18:21 05.08.2017
Karl-Wilhelm Klahn präsentiert aus seiner Sammlung eine der vielen Glasplatten und den dazugehörigen Abzug. Diese Fototechnik wurde nach und nach immer seltener, als das Zelluloid erfunden wurde – denn dieses war als Filmträger einfacher zu handhaben als Glasplatten. Quelle: Fotos: Billhardt

Auf einer Müllkippe rettet Karl-Wilhelm Klahn vor fast 22 Jahren das, was zuvor auf Fehmarn niemanden so recht interessierte: Eine Sammlung von rund 1000 Glasplattenfotos und Bildern der Burger Familie Lafrentz. An diese Tage im Herbst 1985 kann sich der ehemalige Stadtarchivar gut erinnern.

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Auf einer Müllkippe rettet Karl-Wilhelm Klahn vor fast 22 Jahren das, was zuvor auf Fehmarn niemanden so recht interessierte: Eine Sammlung von rund 1000 Glasplattenfotos ...

Karl-Wilhelm Klahn beginnt, die ganze Geschichte zu erzählen: „Im Jahre 1878 baute der Fotograf und Goldschmied Ewold Georg Lafrentz, geboren 1849, gestorben 1900, ein ansehnliches Backsteingebäude im Stil der ausgehenden Gründerjahre inmitten von Burg für 18800 Goldmark.“ Nach dem Tod des Enkels Johann Heinrich im Oktober 1984 habe das Haus ein Jahr unbewohnt dagestanden und der Garten sei ein Brennnessel-Paradies geworden. Dann wurde das Gebäude zum Verkauf angeboten und ausgeräumt.

„Der Stadtbeamte Peter Lüthje stand vor der Tür und jeder Interessierte konnte gegen Barzahlung mit amtlicher Quittung Jugendstillampen, Kommoden und Nähmaschinen der Jahrhundertwende, Mahagonischränke wie Stühle der Biedermeierzeit, Silberschalen oder einen gusseisernen Kronenofen kaufen. Letzteren reservierte Peter Lüthje für mich“, berichtet der ehemalige Burger Stadtarchivar.

Auch Kisten und Kartons mit Fotografien und Massen an Glasbildplatten, für die niemand Interesse zeigte, waren unter der Auflösungsmasse. Dies geschah alles an einem Freitag. Da Karl-Wilhelm Klahn nicht schnell genug war, recherchierte er, wohin der Container mit den Überbleibseln gefahren wurde. „Auf die Neuratjensdorfer Müllkippe.“

Am nächsten Tag holte sich Klahn Hilfe. Der jüngste seiner vier Söhne, der damals 13-jährige Torsten, hatte schulfrei. Um 13 Uhr nach Dienstschluss ging es ab nach Neuratjensdorf: „Wir haben ein bisschen gesucht, dann aber ein ziemlich großes Abfall-Areal und eine tiefe Müllkippe entdeckt – und da waren sie auch, des Goldschmieds alte Möbel und dazwischen Berge von Glasbildplatten!“ Vor der Erfindung des Zelluloids war Glas das erste verfügbare Trägermaterial in der Fotografie.

Alles sei mucksmäuschenstill gewesen, da die Müllmänner Wochenende hatten und der Verdichter stillstand. „Wir stiegen in die Tiefe, Torsten voran. Es war wirklich ein Abenteuer.“ Sie hätten sich

schnell zwei Schubladen von den Lafrentzschen Chippendale- Möbeln geschnappt und in einer die Glasplatten gesammelt, in der anderen Hunderte Fotos aus längst vergangenen Zeiten. Am Ende schleppte Karl-Wilhelm Klahn sogar vier vollbepackte Schubladen zum Auto. „Und mein Sohn sammelte fleißig weiter.“

Dann aber sei der Müllkuhlenbesitzer Hennig Höppner gekommen. Klahn: „Er fragte: Wat mak jie in mien Kuhl? Ich erklärte dem freundlichen Landwirt die Situation und er antwortete: Denn sammelt man düchdi Heimatbiller.“ Dabei entdeckte Karl-Wilhelm Klahn plötzlich auch noch unter den Schuttbergen eine Ledertasche und fand darin eine alte Zeiss-Plattenfaltkamera von 1927 samt Zubehör.

Zurück von der Müllkippe deponierte Klahn einen Teil der Sammlung im Burger Stadtarchiv, eine Vielzahl der Glasplatten brachte er in mehreren Etappen zum Drogerie- und Fotogeschäft Michael Lippert, der die Foto-Bildplatten zu einem Speziallabor sandte.

„So kam ich an hervorragende, hochpunktierte Schwarz-Weiß-Fotos für meine vier Heimatbücher und für Zeitungsartikel“, schließt Klahn seine Geschichte. So wie beispielsweise kürzlich über den Kommodore Hans Ruser in den LN.

Die Glasplattenfotos zeigen überwiegend Aufnahmen von 1882 bis zum Ersten Weltkrieg. Festgehalten wurden von den Fotografen der Familie Lafrentz beispielsweise die erste Fähre 1903, die „Fehmarnsund“, aber auch der Burger Marktplatz und Häuser, die lange nicht mehr stehen, wie das 1901 abgerissene Rathaus. Das Burger Armenhaus, Staberdorf mit seinem Thing-Platz,

stadtbekannte Bürger und viele Familienfotos sind in der Sammlung enthalten. „Letztendlich werde ich das alles dem Museum vermachen“, sagt der 87-Jährige. „Ich glaube, dort ist es am besten aufgehoben.“

Markus Billhardt

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