Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Ohne Scheu und Scham: Tafeln auf dem Markt
Lokales Ostholstein Ohne Scheu und Scham: Tafeln auf dem Markt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:12 30.05.2016
Diese Helferschar versorgte gestern die Besucher auf dem Markt, die zum 20-jährigen Bestehen der Eutiner Tafel gekommen waren, mit Speisen, Getränken, Klönschnack und Informationen. Fotos (4): Christina Düvell-Veen

Monika Gertenbach erinnerte sich gestern oftmals an das Jahr 2001. „Damals hatten wir auch Tische und Bänke aufgebaut, aber niemand traute sich, Platz zu nehmen“, berichtete die Vorsitzende der Eutiner Tafel und blickte auf das Geschehen auf dem Eutiner Marktplatz, das so ganz anders war als vor 15 Jahren. Am 20. Geburtstag der Eutiner Tafel hatte niemand Scheu, sich an die mit Blumen geschmückten Tische, auf denen frische Erdbeeren standen, zu setzen. „Auch die Menschen, die Hilfe brauchen, kommen inzwischen gerne zu uns. Es gibt keine Schamgrenze mehr“, beobachtet die Vorsitzende immer wieder. Und stellvertretend für die inzwischen große Helferschar sagte sie: „Die Eutiner Tafel tut auch uns selber gut.“

Zur Galerie
Helfer, Kunden und Besucher trafen sich zum 20-jährigen Bestehen der Eutiner Tafel – In Malente wird morgen gefeiert.

„Ehrenamtler sind das Rückgrat und die Seele der Stadt.“Bürgermeister Schulz

Und trotzdem hat Monika Gertenbach einen ganz besonderen Geburtstagswunsch: „Uns allen wäre es lieber, wenn die Menschen weniger Hilfe dieser Art bräuchten.“

Zahlreiche Passanten nutzten gestern ihre Mittagspause zu einem kurzen Aufenthalt an der Tafel-Tafel, stärkten sich mit heißer Suppe, Würstchen, Brötchen und Getränken, plauderten angeregt mit ihren Sitznachbarn und gingen zurück nach Hause oder an ihre Arbeitsplätze. Zu ihnen zählten Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz, sein Vorgänger Gernot-Eicke Grimm und sein bereits gewählter Nachfolger Carsten Behnk.

Bürgermeister Schulz begleitet die Tafel-Arbeit seit 14 Jahren und kennt die Anfänge nur aus Erzählungen. „Hier in Eutin gibt es doch gar keine Armut. Was soll das Ganze?“ meldeten sich damals die Tafel-Kritiker zu Wort. Inzwischen habe sich gezeigt, wie wichtig und wertvoll diese ehrenamtliche Arbeit sei. „Sie ist nicht nur eine gesellschaftliche Pflicht, sondern auch eine Pflicht der Menschlichkeit“, so Schulz. Einerseits gebe es Hilfe für Menschen in Not, andererseits werden Lebensmittel sinnvoll verwendet und nicht einfach in den Müll geworfen. Wie alle anderen Ehrenamtler auch bildeten die Tafel-Helfer „das Rückgrat und die Seele der Stadt“, so Schulz.

Gegründet wurde die Eutiner Tafel als 15. Einrichtung ihrer Art im Bundesgebiet im Jahr 1996 von Christian Grantz und einigen Mitstreitern. Einmal in der Woche wurden Lebensmittel ausgegeben. Lange Zeit wurde die Einrichtung von Karin Hagemann geleitet. Seit vielen Jahren bestimmt Monika Gertenbach die Geschicke der Tafel, die ihr Domizil inzwischen im Hinterhaus der Königstraße 3 bezogen hat.

Seit drei Jahren engagiert sich die Eutiner Tafel auch in Malente. Dort kommen 250 Menschen regelmäßig zu den Ausgabestunden in die Turnhalle des Ernst-Rüdiger-Sportzentrums.

Insgesamt werden somit von der Eutiner Tafel etwa 1550 Kunden versorgt – unter ihnen 686 Flüchtlinge und 434 Kinder. Für sie alle benötigt die Eutiner Tafel nicht nur frische Lebensmittel, sondern auch haltbare Lebensmittel wie Mehl, Zucker, Salz, Reis, Öl, haltbare Milch oder Konserven. Und immer wieder sind es Lebensmittel, die von bedürftigen Einzelpersonen, aber auch von Familien gerne genommen werden. Abgegeben werden können sie werktags von 10 bis 16 Uhr sowie sonnabends von 9 bis 15 Uhr im Hinterhaus der Königstraße 3.

Zu den jüngsten Gratulanten gehörten gestern die Schüler der Klasse 3a der Eutiner Gustav-Peters-Schule. Sie habe schon viel von der Tafel gelesen, erzählte Hanna (9), und Diego (9) berichtete: „Bei uns wird nichts weggeworfen. Was übrig bleibt, kommt in Frischhaltefolie und dann in den Kühlschrank.“ Der neunjährige Sammy: „Wir müssen immer alles das aufessen, was auf unseren Tellern liegt“.

Die Malenter Tafelkunden und ihre Gäste können am Mittwoch, 1. Juni, feiern. Dann sind die Tische zwischen 14.30 und 16 Uhr im Sportzentrum gedeckt.

Christina Düvell-Veen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Planungen und Ehrungen bei der Ahrensböker Gill.

30.05.2016

Während der LGS bietet der Wanderverein Ostholstein Wanderungen durch das Herz der Holsteinischen Schweiz an.

30.05.2016

Projektleiter Alexander Herrmann: „Positive Reaktionen auf Hotelpläne“.

30.05.2016
Anzeige