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Ostholstein Oldenburgs Unterwelt: Ein Besuch im Hilfskrankenhaus
Lokales Ostholstein Oldenburgs Unterwelt: Ein Besuch im Hilfskrankenhaus
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20:10 20.07.2018
Bauamtsleiter Stefan Gabriel öffnet die schwere Eingangstür zum Hilfskrankenhaus. Quelle: Fotos: Jennifer Binder
Oldenburg

Fast ist es wie ein Gang in den Keller – und doch ist es etwas völlig anderes. In den 70er Jahren hatten die Planungen begonnen, der Baustart verzögerte sich jedoch bis Anfang der 90er. Seit dem Ende der Bauarbeiten im Jahr 1997 wird das Hilfskrankenhaus ausschließlich als Lagerfläche genutzt. Hier lagen nie Verletzte, hier haben sich nie Menschen vor einer Gefahr in Sicherheit gebracht.

Für mehr als 200 Patienten wurde es gebaut und ging dann nie in Betrieb: das Oldenburger Hilfskrankenhaus. Unter der Sporthalle der Wagrienschule verbirgt sich die seit ihrer Fertigstellung praktisch ungenutzte Bunkeranlage. Die Stadt lagert dort lediglich verschiedene Sachen.

Der ABC-Bunker ist nie Zeuge eines Krieges geworden – aber er ist ein Zeugnis dessen.

Schleusen und Stahltüren

„Man bekommt hier einen Eindruck davon, was der Kalte Krieg hätte anrichten können“, beschreibt Oldenburgs Bauamtsleiter Stefan Gabriel das Gefühl beim Betreten der Anlage. Ein paar Mal habe er Schülergruppen den Bunker gezeigt und da „hat man schon gemerkt, dass es sie beeindruckt hat, hier durchzugehen“.

Durch eine schwere, rote Stahltür geht es in das unterirdische System aus langen Gängen, von denen die vielen einzelnen Räume abgehen. Etwa 45 mal 50 Meter groß ist die Anlage. Viereinhalb Meter tief liegt sie unter der Erde, ist geschützt durch dicke Stahlbetonwände und Dekontaminierungs-Schleusen.

Es gibt halbfertige Küchen mit Spülbecken an der Wand, einen Schiffsdieselmotor als Notstromaggregat (Gabriel: „Damit könnte man im Notfall vermutlich ein Viertel der Stadt mit Strom versorgen.“), Technikräume mit riesigen Luftfilteranlagen und nie als solche genutzte Behandlungsräume, in denen sich alte Krankenhauspritschen stapeln. Als Stefan Gabriel das Licht ausschaltet, sind in der schummrigen Notbeleuchtung gelbe Streifen an den Wänden der langen Flure zu erkennen, die den Weg zum Ausgang weisen.

„Es wäre schön, wenn wir einen Teil der Anlage als musealen Bereich einrichten können“, sagt Gabriel. Er würde sich wünschen, dass das Gebäude gerade Schulklassen für den Geschichtsunterricht offenstehen würde. Leider könne die Stadt ein solches Projekt jedoch ohne Unterstützung nicht realisieren, sagt der Bauamtsleiter bedauernd.

Stattdessen werden Teile des Hilfskrankenhauses nun als Lager genutzt. Die Weihnachtsbeleuchtung hat der Bauhof dort zum Beispiel verstaut, und während der Flüchtlingswelle wurden hier massenweise Spenden von hilfsbereiten Ostholsteinern zwischengelagert, bis sie an neue Besitzer übergingen.

Aufwendiger Brandschutz

Es habe durchaus Überlegungen für verschiedene andere Nutzungen gegeben, berichtet Bürgermeister Martin Voigt (parteilos). Leider seien alle potenziellen Mieter bisher jedoch stets wieder abgesprungen. Schwierig werde es ohnehin immer dann, wenn sich Menschen im Bunker aufhalten sollten: Dafür müsse das Brandschutzkonzept aufwendig überarbeitet und verschiedene Bereiche umgebaut werden.

Regelmäßig kontrolliert und gewartet werden das Hilfskrankenhaus und seine Technik trotzdem. Die Stadt hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, die Räume irgendwann vielleicht doch noch als mehr als Lagerflächen nutzen zu können. Und bis dahin bildet der Bunker immerhin das Fundament der darüberliegenden Sporthalle.

Notkrankenhäuser – eine Vorsichtsmaßnahme für den Kriegsfall

Hilfskrankenhäuser hat der Bund gebaut, um im Falle eines Krieges oder einer anderen Katastrophe sichere und zusätzliche Behandlungsstätten zu haben. Etwa, wenn die Kapazität der regulären Krankenhäuser für die vielen Verletzten nicht mehr ausgereicht hätte.

In Schleswig-Holstein gibt es vier Notkrankenhäuser. Neben Oldenburg stehen die Bunker in Plön, Wedel und St. Michaelisdonn. Bundesweit gab es etwa 160 solcher Einrichtungen. Seit 1990 wurden die Hilfskrankenhäuser nach und nach stillgelegt.

Das Oldenburger Hilfskrankenhaus ging nach dem Ende der Bauarbeiten 1997 nie in Betrieb. Mittlerweile hat der Bund den Bunker der Stadt vermacht. Bisher werden die Räume ausschließlich als Lager genutzt.

Jennifer Binder

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