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Ostholstein Olympiaschütze Christian Klees: „So fühlt sich Gold an“
Lokales Ostholstein Olympiaschütze Christian Klees: „So fühlt sich Gold an“
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01:00 04.08.2012
Eutin

Im Fernsehen schmettern Goller/Ludwig im olympischen Sand gegen ihre deutschen Kontrahentinnen Holtwick/Semmler. Beachvolleyball ist in London ein Hingucker. Natürlich auch für die ARD, die live ihre Kameras draufhält. Zeitgleich hat um 10   Uhr der Vorkampf im Kleinkaliber-Schießen (50   m, liegend) begonnen. Livebilder der Randsportart wird es aus Greenwich Park aber erst geben, wenn ein Deutscher um Medaillen anlegt und zielt. Wie 1996, als der Ostholsteiner Christian Klees die ganze Nation aus der Atlanta-Medaillen-Schockstarre schoss und mit Welt- und Olympiarekord das erste Gold für Deutschland errang. 704,8   Ringe, das war bis gestern das Maß aller Dinge in diesem Sport.

Olympia heute, ein Hausbesuch in Eutin. Dort lebt der Olympiasieger gemeinsam mit seiner Freundin Peggy. Klees klickt in seinem Laptop auf den Liveticker der Schützen. Gleichzeitig wandert sein Blick immer wieder zum Flachbildschirm. „Bei uns läuft der Fernseher während der Spiele nonstop, den ganzen Tag“, sagt der 44-Jährige. Gestern und heute, Atlanta und London, es liegen 16   Jahre dazwischen. Die Goldmedaille liegt auf dem Wohnzimmertisch, um den die Hauskatze „Alica“ umherstreift.

Und, wie fühlt sich olympisches Gold an? „Es dauerte nach dem letzten Schuss kaum drei Sekunden, ehe die ersten Journalisten bei mir standen. Mixed-Zonen gab es damals ja noch nicht. Da brach alles über mich herein. Olympischer Rekord, Weltrekord, erstes Gold für Deutschland. Eben alles auf einmal“, erzählt der 44-Jährige. Von da an blieb dem damals 28-Jährigen kaum Zeit zum Durchatmen.

Stattdessen begann ein Terminmarathon: Umarmung mit Bundestrainer Claus-Dieter Roth, genannt CD, Journalisten-Talk, Sachen packen, Siegerehrung, Dopingprobe, Pressekonferenz, Transfer zum ARD- Olympia-Studio mit Gerhard Delling, anschließend ab ins Deutsche Haus, Gratulanten ohne Ende, Schulterklopfen, noch mehr Journalisten, Radio-Interviews, um 24 Uhr zurück im Athletendorf, ab ins Bett, Licht aus. „Ich bin aber um 2 Uhr vor lauter innerer Unruhe wieder aufgewacht, habe die Nachttischlampe angeknipst und mir erstmals in Ruhe meine Medaille angeschaut“, erzählt Klees.

15 Jahre Leistungssport und etwa eine Million Schüsse liegen hinter ihm. Geblieben sind die Medaille, Fotos, Urkunden, Zeitungsartikel, die seine Mutter für ihn archiviert, und Erinnerungen. Wie an seinen Auftritt bei „Wetten, dass..?“ mit Thomas Gottschalk. „Das war schon irre. Ich traf hinter der Bühne Gorbi (Gorbatschow, Anm. d. Red.) und Schwarzenegger, schüttelte Hände und wechselte ein paar Worte.“

Heute sagt er: „Ich bin an der Olympia-Qualifikation für Sydney 2000 gescheitert, weil mir die Motivation fehlte, jede Woche fünf Mal für fünf Stunden allein auf den Schießstand zu gehen.“ Die Monotonie der Abläufe ermüdet den Geist. Parallelen zu Filmfigur „Forrest Gump“, die einfach stur ein und dieselbe Bewegung immer wiederholt, seien nicht abzustreiten, gibt Klees zu. „Der Kopf machte nicht mehr mit, der war leer.“ Auch das Thema Comeback sei daher passé, obwohl der gestrige Olympiasieger Sergej Martinow wie er 44 sei. „Theoretisch würde es ja gehen, aber mich juckt es nicht im Ansatz“, betont Klees. Dabei sei es noch heute ein Leichtes für ihn, mit einem Kleinkaliber-Gewehr eine Erbse, die auf der Zielscheibe einer Zehn entspricht, aus 50 Metern zu treffen.

Scharf geschossen wird im Leben des Christian Klees zwar nach der Leistungssportkarriere nicht mehr. Allerdings ist der Beamte der Gemeindekasse Malente für Pfändungen verantwortlich. Und als moderner „Kopfgeldjäger“ ist er zur Selbstverteidigung mit einem Pfefferspray ausgerüstet.Neu entdeckt hat er als Altligakicker der SG Bosau/Bösdorf das Fußballspielen. In einer Woche steht er als Stürmer seinem Lieblingsverein Hamburger SV (Altliga) auf dem Rasen gegenüber. Auch da versucht er – wie sollte es anders sein – zu treffen.

Als gestern sein Weltrekord vom Weißrussen Sergej Martinow mit 705,5 Ringen überboten wird, schlendert Klees zeitgleich durch Lübeck. Er sagt: „Ich muss für meine Jungs Geburtstagsgeschenke kaufen. Der neue Rekord ändert für mich aber nichts.“ Man glaubt es ihm. Eine SMS schickte er dann aber doch noch ab – an Bundestrainer „CD“ nach London.

Mantik

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