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Ostholstein Orkan „Elon“ kommt - und pustet mit bis zu 120 Stundenkilometern
Lokales Ostholstein Orkan „Elon“ kommt - und pustet mit bis zu 120 Stundenkilometern
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12:12 09.01.2015
Auf der Fehmarnsundbrücke wird es heute kräftig pusten. Quelle: Schwennsen
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Ostholstein

Über dem Kreisnorden braut sich was zusammen. Das Ganze kommt aus Norwegen und hat auch einen Namen: Orkan „Elon“. Böen mit bis zu 120 Stundenkilometern streifen den Kreis Ostholstein nach Aussage von Meteorologe Meeno Schrader bereits heute ab 9 Uhr. Schrader: „Am Sonnabend geht es so weiter, eventuell leicht abgeschwächt. Stürmisch bleibt es aber auch am kommenden Sonntag und Montag.“ Also kein Badewannen-Effekt, wo nach dem zu erwartenden Niedrigwasser (bis zu 50 Zentimeter) die „Welle“ zurückschwappt. Im Gegenteil. „Am Dienstag könnte uns schon das nächste Tiefdruckgebiet mit starken Winden treffen“, erläutert Schrader.

Besonders betroffen seien Fehmarn, Heiligenhafen und die Hohwachter Bucht. Zwar werden Orkan-Spitzen wie vor einem Jahr bei „Xaver“ und „Christian“ (siehe Beistück) nicht erreicht, aber die Saison der Stürme beginnt ja gerade erst.

Egal wie es kommt, ob mit oder ohne Sturmflut, an der Küste sind Feuerwehren und Kommunen darauf vorbereitet. Der Kreisfeuerwehrverband hat eine Handlungsempfehlung, nach der die 135 Wehren im Kreis bei Sturm arbeiten. Für Hochwasser und Sturmfluten gibt es einen dicken Ordner, in dem kreisweit genau aufgelistet ist, was wo an welcher Stelle bei welchem Wasserstand passiert, wo welche Deichhöhe vorhanden ist und welche Pumpe welche Leistung erbringt.

Das ist das Ergebnis einer Mammutaufgabe, die der Heiligenhafener Feuerwehrmann Hubert Wied bewältigt hat. „Er hat das alles ehrenamtlich gemacht und eine tolle Arbeit geleistet“, lobt Kreisbrandmeister Ralf Thomsen. Er versteht sich als Berater des Landrates und verantwortlich für solcherlei Vorsorge, die mit Blick auf den Klimawandel stets angepasst wird.

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Jede Feuerwehr hat für ihren Abschnitt diese Aufstellung in ihren Einsatzleitfahrzeugen. Im Notfall werden immer mehrere Wehren zu insgesamt 20 zusammengefasst, die ihre Einsätze dann per Fax bekommen, je nach Dringlichkeit. „Das hat sich in den letzten Jahren bewährt“, sagt Thomsen. Je nach Größe der von Sturm oder Sturmflut ausgelösten Probleme reagiert auch der Kreis Ostholstein.

Zunächst, so Kreissprecherin Anja Sierks-Pfaff, sind die Gemeinden für die Gefahrenabwehr zuständig. „Der Kreis muss jederzeit über die jeweilige außergewöhnliche Gefahrenlage durch die Gemeinde informiert werden“, sagt Sierks-Pfaff weiter. Wird der Katastrophenfall ausgerufen, lenkt der Landrat die Gefahrenabwehr. Der Katastrophenschutzplan des Kreises beschreibt, wie vorgegangen werden muss.

Fehmarns Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt (parteilos) ist katastrophenerprobt und als Insulaner ein Experte in Sachen Stürme. Er sagt: „So richtig knackig wird es erst ab 140 Stundenkilometern. Aber es ist schon sehr gut, dass es ein funktionierendes Frühwarnsystem gibt.“ Er rechne mit Sperrungen der Fehmarnsundbrücke. „Wir sind vorgewarnt.“ Schmiedts Amtskollege Heiko Müller aus Heiligenhafen (parteilos) sagt: „Wir rechnen nicht mit großen Problemen, sind aber wachsam und vorgewarnt.“ Niedrigwasser im Binnensee und Hafenbecken seien keine Seltenheit. „Hauptsache, der Wind dreht nicht dramatisch.“ Stürme sind auch im Grömitzer Zoo „Arche Noah“ Routine. Eigentümer Ingo Wilhelm erklärt: „Vor allem die Jungtiere kommen rein. Unser Augenmerk gilt vor allem den Bäumen und der Sicherung der Wege für unsere Gäste.“ Hansa-Park-Chef Andreas Leicht begleitet dieser Tage die Bauarbeiten am Hypercoaster „Kärnan“. „Wir konnten schon heute kaum mit Großteilen am Kran in 100 Meter Höhe agieren“, so Leicht gestern. „Das ist zu gefährlich. Sturm bedeutet für uns verlorene Zeit“Schon jetzt sei klar, dass Kärnan noch nicht am 1. April bei Parkeröffnung fahren wird. Leicht: „Sicherheit geht vor. Wir arbeiten fieberhaft dran.“

Im Katastrophenfall richtet der Kreis ein Bürgertelefon ein: 04521/7887 55.

Orkane und Tornados und was sie anrichten
Orkan: Geschwindigkeiten von mindestens 64 kn (117,7 km/h = 32,7 m/s); auf der Beaufortskala mit der Stärke 12 klassifiziert.



Ostholstein: Die beiden letzten großen Stürme an der Ostseeküste waren „Christian“ (27./28. Oktober 2013, Spitzengeschwindigkeit: 171 km/h in St. Peter-Ording) sowie etwas schwächer am 5./6. Dezember 2013 „Xaver“.

Deutschland: Am wildesten pustete „Wiebke“ am 28. Februar/1. März 1990 mit einer Spitzengeschwindigkeit von 285 km/h.



Tornado: Großtrombe, Wind- oder Wasserhose, in den USA umgangssprachlich Twister genannt, treten in Deutschland weit seltener als Orkane auf. Wie am 27. März 2006. Ein Tornado zog über Hamburg hinweg; geschätzte Stärke F2, also 181 bis 253 km/h; dabei starben zwei Menschen durch den Umsturz von drei Baukränen und mehr als 300000 Menschen waren vorübergehend ohne Strom.

Weltrekord: Ein Tornado der Stärke F6 mit 513 bis 612 km/h soll in Oklahoma (3. bis 6. Mai 1999) gewütet haben.

Peter Mantik und Susanne Peyronnet

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