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Ostholstein Fachkräftemangel belastet die Kommunen
Lokales Ostholstein Fachkräftemangel belastet die Kommunen
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16:20 30.09.2018
Die Suche nach Fachkräften: Es gibt jede Menge Stellenanzeigen von der Kreisverwaltung Ostholstein, der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein und dem Zweckverband Ostholstein. Quelle: Louis Gäbler
Ostholstein

 Ganz gleich ob Handwerksbetrieb, öffentliches Unternehmen oder internationaler Konzern: Der Fachkräftemangel ist für alle eine enorme Herausforderung. Ursächlich ist der demografische Wandel. Er stellt besonders öffentliche Unternehmen und Kommunen vor große Herausforderungen. Denn es gilt, erfahrene Fachkräfte und qualifizierte Azubis zu finden, dauerhaft für sich zu gewinnen und fachlich wie körperlich fit zu halten.

Beispiel Kreisverwaltung Ostholstein: Hier sind 570 Mitarbeiter beschäftigt. Um die Kollegen bei Laune zu halten, hat Simone Tackenberg (39), Leiterin des Fachdienstes Personal und Organisation, mit ihnen sage und schreibe 430 Arbeitszeitmodelle vertraglich fixiert: das sind ganz unterschiedliche Teilzeit-Modelle, Tele-Arbeit oder Ausbildung in Teilzeit. Hinzu kommen Goodies, die den beruflichen Alltag angenehm machen sollen: Nordic Walking, Aktive Pause oder Massagen. Simone Tackenberg: „Die Kreisverwaltung ist ein moderner und qualifizierter Arbeitgeber.“ Die Herausforderungen der Zukunft seien aber auch hier noch zu meistern.

Fachkräftemangel in Ostholstein

Gemeint ist der Fachkräftemangel, der auch im Kreishaus zu spüren sei. Acht Stellen sind derzeit unbesetzt – Verwaltungsfachangestellte, Techniker und Ärzte – Tendenz steigend, in den Vorjahren waren es immer nur zwei bis vier Stellen. Um geeignete Bewerber zu finden, bucht die Kreisverwaltung Anzeigen in Tageszeitungen, geht auf Ausbildungsmessen, schaltet Radio-Spots, druckt Flyer und ist im Internet bei Jobbörsen präsent. Tackenberg: „Resonanz ist zwar da, manchmal scheitert die Besetzung an der Qualifikation.“ Aber auch dafür hat sie ein passendes Modell: So bietet die Kreisverwaltung solchen Bewerbern die Möglichkeit, zunächst zwei Jahre auf Probe zu arbeiten. Wer sich bewährt, bekommt Qualifizierungs-Lehrgänge und Aufstiegschancen. Tackenberg: „Die Konkurrenz durch die freie Wirtschaft, die nicht wie wir an Tarife gebunden ist, ist einfach übermächtig.“

Führungskräfte werden überregional gesucht

Bei der ZVO-Unternehmensgruppe sieht es ähnlich aus, hier sind derzeit fünf Stellen unbesetzt. Die Zahl variiert übers Jahr und verteilt sich über kaufmännische Berufe, technische Fachkräfte oder Führungs- und Nachwuchskräfte. ZVO-Sprecherin Nicole Buschermöhle: „Im kaufmännischen Bereich gibt’s wenig Probleme, Stellen zu besetzen. Im technischen Bereich oder bei Führungskräften schalten wir Stellenanzeigen auch in überregionalen Medien, um geeignete Bewerber anzusprechen.“ Für manche ist dann neben der Aufgabenstellung auch die Ostsee-Lage entscheidend. Der demografische Wandel sei aber auch für die ZVO-Gruppe ein Zukunftsthema, so Buschermöhle, „dem wir auf vielfältige Weise begegnen. So profitieren alle Mitarbeiter von Zusatzleistungen: flexible Arbeitszeitmodelle mit Gleitzeit, Teilzeit oder Homeoffice.“

Der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein (Egoh) geht es vergleichsweise gut, aber auch hier werden die Bewerberzahlen geringer. „Auf eine unbefristete Stelle bekommen wir ungefähr 20 Bewerbungen“, sagt Beate Schindler aus der Personalabteilung. Vor 20 Jahren seien es noch gut doppelt so viele gewesen. Schindler: „Aktuell haben wir keine unbesetzten Stellen.“

Es fehlt an Bewerbern und Qualifikation

Die Stadtverwaltung in Bad Schwartau hat dagegen insbesondere im Bauamt personelle Schwierigkeiten. So ist die Stelle eines Bautechnikers seit einem halben Jahr unbesetzt. „Wir schreiben die Stelle gerade noch ein zweites Mal aus“, sagt Amtsrat Uwe Böttcher, der im Rathaus fürs Personalwesen verantwortlich zeichnet. Die Resonanz auf die erste Ausschreibung sei sehr bescheiden gewesen – wenig Bewerber und nicht ausreichend qualifiziert. Sehr schwierig und mühsam war auch die Suche nach einem Stadtplaner. Erst die vierte Ausschreibung war von Erfolg gekrönt. „Ingenieure werden auch in der freien Wirtschaft gesucht. Für die Verwaltungen ist es schwierig, da mitzuhalten. Wir sind tariflich gebunden und können bei der Entlohnung weniger tricksen“, erläutert Böttcher. Entsprechend seien Mitarbeiter auch schon abgewandert.

In der Eutiner Verwaltung gibt es derzeit sechs unbesetzte Stellen. Zwei Mitarbeiter fehlen im Fachbereich Zentrale Immobilien, hier werden ein Architekt und ein Techniker gesucht. Vier weitere Stellen seien derzeit noch ausgeschrieben, sagt Pressesprecherin Kerstin Stein-Schmidt. Gesucht werden Bewerber für das Standesamt, für ein Schulsekretariat und fürs Jugendamt (alle Teilzeit). Weiter benötigt die Stadt eine/n Sachbearbeiter/in in Vollzeit für den Fachbereich Bauen, Stadtentwicklung und Klimaschutz.

Keine gravierenden Probleme, Stellen in der Rathaus-Verwaltung oder den Eigenbetrieben neu zu besetzen, hat die Stadt Fehmarn. Mit einer Ausnahme: Wiederholt war in den vergangenen Jahren die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten vakant, nachdem zweimal die Stelleninhaberinnen gekündigt hatten.

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