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Lokales Ostholstein Ostholstein – Faszinosum für Sprachforscher
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20:32 31.05.2016

Für Sprachwissenschaftler ist das mittelalterliche Ostholstein ein Faszinosum. Einige Jahrhunderte lang war hier eine slawische Sprache beheimatet: Polabisch, von ihr sind vorwiegend Orts-, Gewässer- und Landschaftsnamen geblieben. Das reicht immerhin, um interessante Rückschlüsse auf die Geschichte und Siedlungsbewegung der Region zu ziehen. Unter dem Buchtitel „Mehrsprachige Sprachlandschaften? Problem slavisch-deutscher Mischtoponyme“ legten Namensforscher jetzt neue Ergebnisse vor.

Die Veröffentlichung geht aus einer mehrtägigen sprachwissenschaftlichen Zusammenkunft an der Kieler Universität hervor. Sie widmete sich dem Phänomen deutsch-slawischer Mischformen bei der Benennung von Orten und Siedlungen und tagte dabei auch in Oldenburg.

„Wir sind stolz, dass einige der renommiertesten Ortsnamen-Forscher Deutschlands und Österreichs den Weg nach Kiel und Oldenburg gefunden haben“, erinnert sich Prof. Norbert Nübler vom Kieler Institut für Slavistik, der die „Sprachlandschaften“ zusammen mit Kathrin Marterior von der Kieler Graduiertenschule herausgegeben hat. Nübler: „Tatsächlich konnten wir so fast den ganzen geografischen Bereich der mittelalterlichen germanisch-slawischen Grenzregion – von der Ostsee fast bis zur Adria – abdecken.“ Die elf ausgewählten Beiträge des Bandes fördern verblüffende Gemeinsamkeiten Wagriens mit – zum Beispiel – Ostbayern und Osttirol zu Tage, wo deutsch-slawische Sprachkontakte sich ebenfalls in der Namenbildung niederschlugen. Kostprobe: Die Bezeichnung „die Wagrier“ geht aus „Waga-warijoz“ (Anwohner der See) hervor; die Bezeichnung „die Bayern“ aus „Baja-warijoz“ (Bewohner des Landes der Bojer).

Namenforschung ein Thema zum Eindösen? – Die Eutiner werden möglicherweise hellhörig, wenn sie erfahren, dass Prof. Nübler für den Namen ihrer Stadt eine neue Deutung in Betracht zieht. Eutin könnte demnach auf „utina“ (Befestigung) oder „u tyna“ (bei der Befestigung) zurückgehen. Bisher galt: Eutin bedeutet „Ort des Uta“ (auch: des Uto oder Ota).

Kathrin Marterior, Norbert Nübler und auch die Kieler Vor- und Frühgeschichtler Ulrich Müller und Donat Wehner kommen in ihren Beiträgen zu dem Ergebnis, dass Polabisch vermutlich noch im Jahr 1400 in Wagrien vereinzelt gesprochen wurde, also gute 250 Jahre nach der Niederwerfung der Slawen durch den „Wendenkreuzzug“.

Kathrin Marterior, Norbert Nübler (Hg.): „Mehrsprachige Sprachlandschaften? Problem der slavisch-deutschen Mischtoponyme“, Leipziger Universitätsverlag, 2016. 49,00 Euro

LN

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