Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Erste Kommunen in Ostholstein nutzen das Gender*sternchen
Lokales Ostholstein Erste Kommunen in Ostholstein nutzen das Gender*sternchen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:32 12.04.2019
Mann, Frau oder divers: Das Gendersternchen soll alle mitmeinen. Niemand soll sich nicht angesprochen fühlen. Quelle: M. Dörr & M. Frommherz/ stock.adobe.com
Ostholstein

Ahrensbök tut es. Oldenburg auch. In beiden Kommunen wird mitunter das Gendersternchen verwendet, jenes Zeichen, das alle mitmeinen soll: Männer, Frauen, Diverse, also auch Tanssexuelle oder Intersexuelle. Sehr verbreitet ist diese Art des Schreibens in Ostholstein aber noch nicht. Das könnte sich bald ändern.

Hannover hat es vorgemacht. In der dortigen Stadtverwaltung ist es jetzt Pflicht, geschlechtergerecht zu schreiben. Die Dezernent*innenkonferenz der Stadt Hannover hat zugestimmt, dass dort jetzt alle Kolleg*innen so schreiben müssen. Ein Modell für Ostholsteins Städte und Gemeinden?

In den Whatsapp-Nachrichten der Gemeinde Ahrensbök taucht ab und zu das Gendersternchen auf. Quelle: Screenshot

Einfach zu tippen

Die jüngste Mitteilung, die die Gemeinde Ahrensbök über ihren Whatsapp-Verteiler herausgab, spricht die Mitbürger*innen an. Verfasst hat sie Petra Klevenhaus aus dem Vorzimmer des Bürgermeisters. Das Gendersternchen zu verwenden, mache sie von sich aus, sagt sie. „Ich finde es von der Schreibweise her sehr praktisch.“ Es sei einfacher zu tippen als Bürgerinnen und Bürger oder BürgerInnen oder Bürger/innen. Eine eifrige Verfechterin des Gendersternchens ist Klevenhaus aber nicht. „Es wird viel zu viel Klimbim darum gemacht.“

Petra Klevenhaus sitzt im Vorzimmer des Ahrensböker Bürgermeisters und bespielt Whatsapp. Dabei verwendet sie schon mal das Gendersternchen. Quelle: Susanne Peyronnet

Ihr Chef, Bürgermeister Andreas Zimmermann (parteilos), sieht das ganz entspannt. „Ich überlasse es meinen Mitarbeitern, ich würde es nicht von oben anordnen.“ Tanja Rönck (parteilos), die Bürgermeisterin von Malente, und ihre Verwaltung halten es so wie die meisten Verwaltungen in Ostholstein: „Wir schreiben ,Bürgerinnen und Bürger’ oder auch ,EinwohnerInnen’ oder ,Einwohner/innen’.“ Gedanken zum Gendersternchen habe sie sich noch nicht gemacht. Aber: „Es ist eine gute Idee. Sollte es allgemeiner Standard sein, warum nicht?“

Kein Wunsch nach dem Sternchen

Auch auf Fehmarn ist das Sternchen noch kein Thema. „Zurzeit werden Personen direkt mit Namen oder mehrere Personen mit ,Sehr geehrte Damen und Herren’ angeschrieben“, teilt Günther Schröder, Fachbereichsleiter Allgemeine Verwaltung, mit. „Bei externem Schriftverkehr gab es noch keine Rückmeldung, dass einzelne Personen um die Verwendung des Gendersternchens gebeten haben.“

Ein Sternchen für alle jenseits von Frau und Mann

Das Gendersternchen soll nicht nur Männer und Frauen, sondern auch die mit ansprechen, die sich nicht ins sogenannte binäre Geschlechterverhältnis – männlich und weiblich – einordnen lassen. Es geht um Menschen, die sich nicht als Mann oder Frau fühlen. Dazu gehören Transsexuelle ebenso wie Androgyne oder sogenannte genderfluide Menschen, bei denen die Geschlechtsidentität wechselt.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat sich 2018 mit dem Gendersternchen befasst und beschlossen, es nicht in den Duden aufzunehmen. Damit ist seine Verwendung streng genommen ein Rechtschreibfehler.

Heiligenhafen setzte auf die weibliche und männliche Form und verbindet sie mit dem Schrägstrich: der/die Vorsitzende oder der/die Antragsteller/-in. Auf alle anderen Formen wird verzichtet. Dennoch ist die Stadtverwaltung offen für Neuerungen, teilt der Büroleitende Beamte Kai-Uwe Maurer mit: „Sollten sich gesetzliche Änderungen ergeben oder sich bestimmte Formen wie beispielsweise das Asterisk (das Gendersternchen, d. R.) tatsächlich durchsetzen, wird sich die Stadtverwaltung Heiligenhafen entsprechenden Neuerungen nicht verschließen.“ Dafür gebe es allerdings Voraussetzungen: Verständlichkeit, Rechtssicherheit, Eindeutigkeit und Lesbarkeit.

Eutin überlegt noch. „Eine eventuelle Einführung des Gendersternchens haben wir noch nicht abschließend diskutiert. Das steht im Verlauf des Jahres noch an“, sagt Stadtsprecherin Kerstin Stein-Schmidt. Oldenburgs Bürgermeister Martin Voigt (parteilos) teilt mit, dass Verwaltungsschreiben weitgehend unter Verwendung der weiblichen und der männlichen Form gefertigt werden. Er gibt aber auch zu bedenken: „Gerade bei etwas schwierigeren Formulierungen, wie zum Teil in Satzungen erforderlich, leidet dabei die Lesbarkeit.“

Gegner aus der Kommunalpolitik

Jens Junkersdorf ist ein Gegner des Gendersternchens. Quelle: LN-Archiv

Gegenwind bekommt die Oldenburger Verwaltung, die schon mal ein Gendersternchen in eine Vorlage schmuggelte, aus der Kommunalpolitik. Einer der striktesten Gegner ist der Fraktionsvorsitzende der CDU, Jens Junkersdorf. „Ich finde das wirklich fürchterlich, weil es nicht das ausdrückt, was man damit bezweckt. Es ist eine Ideologie vermeintlicher Gleichberechtigung.“ Er setze sich vielmehr für eine verständliche Behördensprache ein – ganz ohne Frauen auszublenden. „Man sollte beide Geschlechter ansprechen, auch wenn es dadurch länger wird.“

Mit Gendersternchen zu schreiben, sei gar nicht schwer, sagt Gaby Braune. Quelle: LN-Archiv

Eine Verfechterin des Gendersternchens ist Gaby Braune, Kreissprecherin der Grünen. Die Partei hat 2015 die Einführung des Gendersternchens für sich beschlossen. Transsexuelle, transgender und intersexuelle Personen würden sonst unsichtbar gemacht und diskriminiert, hieß es damals in dem Antrag zum Bundesparteitag. Dem soll das Sternchen abhelfen. „Wünschen würde ich mir das auch für die Verwaltung, das ist geschlechtergerechter. Aber wir zwingen niemanden dazu“, sagt Braune. Sie jedenfalls habe sich schnell daran gewöhnt. „Das ist gar nicht schwer.“

Susanne Peyronnet

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!