Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Kreispräsident zieht 100-Tage-Bilanz
Lokales Ostholstein Kreispräsident zieht 100-Tage-Bilanz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:07 06.10.2018
Harald Werner (64) aus Stockelsdorf ist seit Juni 2018 Ostholsteins Kreispräsident. Quelle: Louis Gäbler
Eutin

Harald Werner, der „Mann mit der Fliege“, ist gerade 64 Jahre alt geworden. Er lebt in Stockelsdorf, wo er 20 Jahre Bürgervorsteher war, ist verheiratet und hat einen 28-jährigen Sohn. Bis kurz vor seinem 61. Lebensjahr war er bei der Bundespolizei in Ratzeburg als Leitender Sachbearbeiter im polizeiärztlichen Dienst, denn examinierter Krankenpfleger ist Werner auch. Mit dieser Erfahrung organisierte er vor drei Jahren in Stockelsdorf die „Praxis ohne Grenzen“ – sie hilft Menschen, die keine Krankenversicherung haben.

LN: In der Öffentlichkeit zeigen Sie sich immer klassisch gekleidet – mit Fliege und Einstecktuch. Warum mögen Sie dieses ausgefallene Kleidungsstück? Harald Werner: Ich weiß, das ist ein bisschen verrückt. Aber es ist ein sehr persönliches Hobby von mir. Ich trage Fliegen und passende Einstecktücher seit 30 Jahren. Krawatten habe ich überhaupt nicht, dafür aber über 150 verschiedene Fliegen, die ich mir heute auch übers Internet in Schweden bestelle. Die passende Fliege mit Tuch zum Tagesanzug – das ist mir wichtig.

100 Tage im Amt: Kreispräsident Harald Werner im LN-Gespräch

LN: Gibt es noch andere Hobbys? Werner: Kultur und Kunst stehen bei mir ganz oben auf der Liste. Ich war lange 2. Vorsitzender der Lübecker Sommeroperette, habe das Volkstheater Geißler beraten und bin jetzt Vorsitzender des Kuratoriums der Kulturstiftungen des Kreises Ostholstein. Kunst und Kultur, davon verstehe ich was!

LN: Mitte Juni wurde Sie ohne Gegenstimme vom neuen Kreistag zum Kreispräsidenten gewählt. Erfüllte sich da ein Traum für Sie? Werner: Das macht mich schon stolz. Ich versuche, dieses Amt mit Respekt und Toleranz auszufüllen. 20 Jahre lang war ich Bürgervorsteher von Stockelsdorf. Doch der Unterschied zwischen Gemeinde- und Kreisarbeit ist enorm. Wir Abgeordnete tragen eine große Verantwortung für all die Bürger und ihren Alltag – von Kitas, über Schulen, ÖPNV, Straßen-, Radwege- und Wohnungsbau.

LN: Wie kam es zu dem Wechsel an der Kreisspitze, wollten Sie unbedingt erster Repräsentant Ostholsteins werden? Werner: Im November 2017 hatte Ulrich Rüder erklärt, dass er nicht mehr kandidiere. Daraufhin wurde ich gefragt. Ich stimmte zu, meinte aber, dass wir erst die Kommunalwahl hinter uns bringen sollten. Denn ich wollte ja nicht als Papst ins Konklave gehen, ... da kommt man immer nur als Kardinal wieder raus.

LN: Jetzt sind Sie gute 100 Tage im Amt, welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Werner: Der Kreis ist ein riesiges Gebilde mit 200 000 Menschen, mit Städten, Gemeinden, Dörfern, ehren- und hauptamtlichen Bürgermeistern, Amtsvorstehern – ich traf auf ein völlig anderes Geflecht als in meiner Arbeit zuvor. Auf Kreisebene sind das ganz andere Nöte, die beraten werden müssen. Aber genau dieser Unterschied ist ein spannendes Feld.

LN: Gibt es denn aus Ihrer Sicht noch Unterschiede zwischen dem Norden und dem Süden Ostholsteins? Werner: Bisher war ich ja hauptsächlich in meiner Heimatgemeinde, jetzt bin wirklich viel im ganzen Kreis unterwegs. Ein kleines Beispiel: Der Schützenverein Stockelsdorf lebt doch eher gemütlich vor sich hin. Ganz anders, als ich nach Oldenburg zu den „Tagen der Rosen“ kam. Die Gilde dort hat 1000 Mitglieder, während der Festtage feiert die ganze Stadt. Ich dachte in einer ganz anderen Welt zu sein. Enorm, wie im Kreisnorden die Traditionen gepflegt werden, das kennen wir im Kreissüden kaum.

LN: Haben diese Erfahrungen auch Einfluss auf Ihr Wirken als Kreistagsabgeordneter? Werner: Ich bekomme viel Hintergrundwissen, lasse mir Dinge erklären, höre immer gut zu. Denn irgendwann gibt es die eine oder andere Entscheidung, wo man sich dann zurückbesinnt. Insofern ja, die Besuche haben auch Einfluss auf die Entscheidungen.

LN: Der demografische Wandel, ist er eine Chance oder ein Risiko für Ostholstein? Werner: Eine Chance! Die Menschen, die entweder schon immer hier leben und jetzt älter werden oder die im Alter hierher gezogen sind, sie alle bringen einen großen Schatz mit: Lebenserfahrung. Und da müssen wir auch lernen, diesen Schatz zu heben und auch anzunehmen. Senioren sind heute oft organisiert in Beiräten und Clubs, die machen wirklich viel. Alte Leute meckern nicht nur, die haben auch häufig pfiffige Ideen. Da muss die Politik dann auch mal zuhören.

LN: Die Wahlbeteiligung wird immer geringer, Präsentationsabende werden kaum noch besucht. Machen Sie sich Sorgen um die Zukunft der Demokratie? Werner: Ja, das macht mir schon Sorge. Mich ärgert auch, dass die wertvolle Arbeit der ehrenamtlichen Kommunalpolitiker – vom Dorfparlament bis zum Kreistag – nicht genug anerkannt wird. Oft fehlt die Wertschätzung. Wir machen das alles in unserer Freizeit und leisten etwas für unsere Gesellschaft.

Louis Gäbler

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Kreis Ostholstein sucht das „Familienfreundliche Unternehmen 2018“. Mit der Auszeichnung sollen Arbeitgeber für familienbewusste Personalpolitik gewürdigt werden. Bewerbung noch bis 15. Oktober.

06.10.2018

Der Kreis Ostholstein will den Bungsberg und das gesamte Vorland als Landschaftsschutzgebiet ausweisen. Der Kreisbauernverband hat Bedenken. Die Entwicklung der Höfe sei gefährdet.

06.10.2018

Unfall, Höhenrettung und Feuer: Die Freiwillige Feuerwehr Liensfeld-Kiekbusch hatte am Sonnabend einen harten Tag. Dabei ging es nicht um Leben und Tod, sondern um eine Urkunde.

06.10.2018