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Ostholstein Ostholstein-Museum zeigt Kostbarkeiten aus 43 Jahren Playmobil
Lokales Ostholstein Ostholstein-Museum zeigt Kostbarkeiten aus 43 Jahren Playmobil
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23:49 21.06.2017
Oliver Schaffer und Museumsleiterin Julia Hümme mit einer lebensgroßen Playmobilfigur. Quelle: Beke Zill

Noch schlummern viele Figuren in den mehr als 70 großen Kisten, die Sammler Oliver Schaffer aus seinem Lager in Hamburg ins Ostholstein-Museum nach Eutin gebracht hat. Manche Clowns, Cowboys und Ritter stehen jedoch schon in der Dinolandschaft, bei berühmten Persönlichkeiten, im Küstenareal, am Eispalast, im Wilden Westen oder zwischen den Piratenschiffen. Wenn am Sonntag die Sonderausstellung „Playmobil Spielgeschichte(n)“ eröffnet, dann präsentiert der 38-Jährige auf 56 Quadratmetern etwa 5000 Figuren. Damit zeigt er allerdings nur einen Bruchteil seines Schatzes. Denn mit etwa 20 000 sogenannten Clickis und circa 100 000 Einzelteilen im Wert von mehr als 200000 Euro besitzt der gebürtige Kieler die größte Playmobil-Schausammlung der Welt.

„Das ist ein absolutes Highlight dieses Jahr“, sagt Museumsleiterin Julia Hümme und freut sich auf viele kleine und große Gäste, die auf Entdeckungsreise gehen können. „Wir wollen Familien und Kinder ins Museum locken und zeigen, dass Museum nicht verstaubt ist, sondern Spaß macht“, erklärt Hümme, die im Fernsehen auf Schaffer aufmerksam wurde und ihn in die Rosenstadt holte. „Das ist die erste Ausstellung in der Nähe meiner Heimat, ich bin Feuer und Flamme“, sagt Schaffer.

Der Ausstellungsmacher, der 2009 im Pariser Musée des Arts décoratifs im Louvre seine Figuren präsentierte, baut auf sieben Wandpodesten und zwei Freipodesten Spielzeuggeschichten der vergangenen 43 Jahre auf – erstmals entsteht eine Dino- und eine Küstenlandschaft. Dabei wird auch auf die Geschichte der 1974 gegründeten Nürnberger Firma Geobra Brandstätter eingegangen, die jetzt eine Stiftung ist. Die Entwicklung der Feuerwehrautos und ein Radarphon (ein Walkie-Talkie) aus den 1950er-Jahren werden unter anderem in einer Vitrine präsentiert. Die Charaktere stehen bei der Ausstellung jedoch im Vordergrund, betont Schaffer. Die Fantasie werde durch die Figuren beflügelt.

Deshalb kombiniert der ausgebildete Musical-Darsteller und Casting Supervisor für Aida-Cruises auch verschiedene Sets miteinander und schafft sich seine eigene Spielzeugwelt. So wurden die Western-Kirche als Stall für das Zauberpferd umfunktioniert, die Terrorhunde aus Ghostbusters ins Eisparadies gesetzt, neue und alte Figuren miteinander kombiniert. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Nichts sei geklebt, alles baue er live auf. „Ich gehe an den Aufbau wie ein Künstler an eine Leinwand. Die Fläche ist meine Leinwand und das Playmobil ist die Farbe“, sagt Schaffer. Deshalb schaffte er auch mehr Kartons nach Eutin, als er eigentlich benötigte. Wie ein Maler weiß er vorher nicht, wie viele Figuren er brauche. Übrigens weiß er aus dem Kopf genau, welche Teile er im Maßstab 1:23 besitzt. Zum Beispiel nennt er Besonderheiten wie einen Musikclown von 1978 für 150 Euro, weiße Pferde mit schwarzen Mähnen, die nie in den Verkauf gingen, rote Riesen aus Spanien und einen Bobby aus England, der nur in London zu haben ist, sein Eigen. „Es werden Sets ausgestellt, die es so noch nie in Deutschland zu kaufen gab.“ Wie viele Cowboys, Bäume oder Pferde genau sich in den Kartons in seinem 100 Quadratmeter großen Lager befinden, kann er allerdings nicht sagen. Es seien aber 40 Großfiguren und etwa 400 Kartons. „Ich habe alle Themen“, sagt er.

Mit einem Raubtierwagen, den sein Vater ihm im Alter von drei Jahren schenkte, begann seine Leidenschaft für Playmobil. Der Zirkus-Fan begann einstündige Shows für seinen „Zirkus Oliver“ einzustudieren, schrieb Programmhefte und erstellte 70 Zirkusnummern, die er in Schuhkartons aufbewahrte. „Ich war eher Baumeister als Spielkind“, sagt Schaffer rückblickend. Nachdem er mit 14 Jahren eine Playmobil-Pause einlegte, wurde er 2004 ein zweites Mal „infiziert“, als er beim 30-jährigen Firmen-Jubiläum seine für ihn bis dahin nicht bewusste größte Zirkussammlung Deutschlands, die noch auf dem Dachboden der Eltern in Kiel aufbewahrt wurde, ausstellen durfte. 2008 veranstaltete Schaffer seine erste eigene Playmobil-Schau. „Das war der Start als Ausstellungsmacher“, sagt er.

Inzwischen zeigt Schaffer seine Kostbarkeiten vier Mal im Jahr. Eutin ist bisher seine größte Ausstellung. Er freut sich auf die Besucher, die nicht nur viel entdecken können, sondern auch genau hinschauen müssen. „Wir haben Fehler eingebaut, die nicht in die Epoche passen.“

Ein bedeutendes Stück deutscher Spielgeschichte

Die Ausstellung, die von Sonntag bis zum 24. September zu sehen ist und von der Sparkassen-Kulturstiftung Ostholstein unterstützt wird, widmet sich einem bedeutenden Stück deutscher Spielgeschichte. Oliver Schaffer präsentiert neun verschiedene Themenwelten, Gäste können selbst spielen und an einem Gewinnspiel teilnehmen.

Die Eröffnung ist am Sonntag um 11.30 Uhr. Allgemeine Museums-Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 11 bis 17 Uhr, sonnabends und sonntags 10 bis 17.30 Uhr. Während der Ausstellung werden Führungen auch speziell für Kindergärten und Schulen sowie Begutachtungen eigener Playmobil-Schätze angeboten.

 Beke Zill

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