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Ostholstein Plattdeutsche Tradition beginnt am Ortsschild
Lokales Ostholstein Plattdeutsche Tradition beginnt am Ortsschild
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07:00 11.04.2019
Freuen sich über die neuen zweisprachigen Ortsschilder – Hochdeutsch und Plattdeutsch – in der Gemeinde Großenbrode: Bürgermeister Jens Reise (l.) und Volker Schildknecht, Sprecher der Plattdeutschrunde im Ort. Quelle: Billhardt
Großenbrode

Als erst zweite Kommune im Kreis Ostholstein hat die Gemeinde Großenbrode die gelben Schilder am Ortsanfang zusätzlich mit den plattdeutschen Ortsnamen – „Grotenbrood“ und „Lüttenbrood“ – versehen. Die Initiative dazu hatten die Großenbroder Plattschnacker gestartet.

Bei einem ihrer monatlichen Treffen kam die Idee nach zweisprachigen Ortstafeln auf. Der Sprecher der Plattdeutschrunde, Volker Schildknecht, wies darauf hin, dass bereits in Neustadt „Niestadt in Holsteen“ auf den Schildern prangt. Und so fragte er sich, warum das nicht auch in der Gemeinde am Sund möglich sein soll, um auf diese Weise die plattdeutsche Sprache zu fördern, und stellte die Idee Bürgermeister Jens Reise (CDU) vor. „Wir sind ein plattdeutsches Dorf und leben die Tradition. Daher hab ich den Vorschlag von Anfang an unterstützt und auch der Gemeinderat gab einstimmig sein Okay dazu“, sagt Reise.

Bauhof montierte sofort alle Schilder

Kürzlich wurden die insgesamt acht Schilder für Großenbrode und Lütjenbrode angeliefert. Die Bauhofmitarbeiter reagierten sofort und montierten alle auf einen Schlag. „Ich war selbst überrascht, dass es jetzt so schnell ging“, sagt der Bürgermeister. Denn ein Jahr ist mittlerweile vergangen, seitdem der Antrag bei der Kreisverkehrsbehörde gestellt und ihm dort stattgegeben wurde. Zwischenzeitlich musste die offizielle Schreibweise geklärt werden.

Der Ort spreche sich zwar im Niederdeutschen „Grotenbro“ aus, es müsse aber „Grotenbrood“ geschrieben stehen, erklärt Volker Schildknecht. Der Plattdeutschbeauftragte des Kreises Ostholstein, Heinrich Evers, liefert die Erklärung dazu: So werde nach einem Doppelvokal das „d“ am Ende beim Sprechen verschluckt. Evers bewertet die Aktion in Großenbrode ausgesprochen positiv. Er werde sie im Mai, wenn er eine Lesung in der Gemeinde abhält, ausdrücklich loben. Außerdem macht er deutlich: „Je mehr das Plattdeutsche im öffentlichen Raum zu sehen ist, desto besser. Es sollte jede Möglichkeit genutzt werden.“

Grömz und Lent: Weitere Kommunen könnten folgen

Heinrich Evers war es auch, der die zweisprachigen Ortsschilder in Neustadt initiiert hatte. Es würden sich nicht alle Kommunen eignen, berichtet der Plattdeutschbeauftragte und betont: „Eutin bleibt Eutin. Das macht also keinen Sinn.“ Anders sehe es in der Nachbarschaft bei Malente aus, der Ort würde im Plattdeutschen „Lent“ heißen. Evers wünscht sich Nachahmer, die Großenbrodes Beispiel folgen. Jeder Ort mit der Endung „-dorf“, sprich „-dörp“, käme infrage, beispielsweise Groß Meinsdorf als „Groot Meinsdörp“. Auch Grömitz („Grömz“) oder Klein und Groß Schlamin („Lütt Slamin“/„Groot Slamin“) in der Gemeinde Schashagen nennt der Plattdeutschexperte.

„Darüber haben wir bisher gar nicht nachgedacht“, sagt Schashagens Bürgermeister Rainer Holtz (CDU). Aber die Gemeinde wolle ein Dorfentwicklungskonzept für die 13 Ortsteile aufstellen und da könnte das Thema gut mit einfließen. In Sierksdorf nimmt Bürgermeister Bernhard Markmann (FWV) die Idee von zweisprachigen Ortstafeln gerne auf. Aufgrund von Verwitterung müssten die Schilder vom Ortsteil Roge wohl sowieso ausgetauscht werden und da könne er sich gut vorstellen, auch die plattdeutsche Bezeichnung „Roog“ aufzunehmen. Er werde dies mit dem zuständigen Ausschuss beraten, sagt Markmann.

Grube als gutes Beispiel

Dem Plattdeutschbeauftragten Ostholsteins fallen noch viele weitere Möglichkeiten ein. So denkt er in der Gemeinde Scharbeutz an die Ortschaft Klingberg am See mit „Klingbarg an’n See“. Aber besonders anbieten würde sich Grube – und dass nicht nur aufgrund der Schreibweise „Groov“. „Die Schule in der Gemeinde ist Modellschule für Plattdeutschunterricht, neben Landkirchen auf Fehmarn eine von zwei in Ostholstein und eine von mehr als 30 in ganz Schleswig-Holstein“, sagt Evers, dem es sehr am Herzen liegt, dass Kinder zweisprachig aufwachsen, damit das Niederdeutsche nicht verloren geht.

Plattdeutsche Ortsschilder im Kreis Ostholstein stehen in der Gemeinde Großenbrode und in Neustadt.

Dass jeder stets dazulernen kann, weiß Volker Schildknecht zu berichten. In den beiden Ortsnamen Grotenbrood und Lüttenbrood würde die wendische Bezeichnung „brody“ stecken, was so viel wie „Furt/Übergang“ bedeute und auf den Übergang zur Insel Fehmarn hindeuten könnte. Ganz vorneweg steht für den Plattschnacker aus Großenbrode aber, dass die Aktion mit den Ortsschildern das Plattdeutsche mehr in den Mittelpunkt rückt und zur Wahrung von Tradition und Identität beiträgt.

Markus Billhardt

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