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Ostholstein Ostholstein — Schön, aber ökonomisch schwach
Lokales Ostholstein Ostholstein — Schön, aber ökonomisch schwach
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10:34 24.03.2016
Wenn es um Pflegeheimplätze und Ärzte-Dichte geht, schneidet Ostholstein im Vergleich zu anderen Kreisen im Lande gut ab. Quelle: Mitchell/Fotolia
Eutin

Der Kreis Ostholstein wirbt damit, mit der Ostseeküste und den vielen Seen im hügeligen Binnenland eine der attraktivsten Landschaften Schleswig-Holsteins zu sein. Dem würde wohl niemand widersprechen. Doch es gibt auch einen weniger schmeichelhaften Superlativ. Der Kreis ist der wirtschaftlich schwächste im Land und Schlusslicht bei Arbeitsplätzen in wissensintensiven Dienstleistungsbereichen.

Neue Studie zeigt: Der Kreis hat die geringste Wirtschaftskraft in Schleswig-Holstein — Es fehlen innovative Dienstleistungen — Wenig Kinder, zahlreiche Senioren.

Das zeigt eine neue Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung mit dem Titel „Ungleiches Deutschland“. Die Autoren haben anhand von 20 Indikatoren wie Wirtschaftskraft, Einkommen oder Altersstruktur untersucht, wie sich die mehr als 400 Landkreise und kreisfreien Städte Deutschlands entwickeln. Der generelle Befund: Das Ost-West- und das Süd-Nord- Gefälle nehmen weiter zu. Die starken Regionen Süddeutschlands hängen nicht nur den Osten ab, sondern auch viele Kreise in West- und Norddeutschland.

Bei der Wirtschaftskraft, dem Bruttoinlandsprodukt je Erwerbsperson, sind die Unterschiede besonders krass. Während es im bayerischen Ingolstadt 117800 Euro sind, kommt Eisenach in Thüringen gerade mal auf 39600 Euro. In Ostholstein sind es weniger als 52700 Euro, der schwächste Wert in Schleswig-Holstein. Der Kreis liegt damit in einer Liga mit weiten Teilen Ostdeutschlands, mit Friesland oder Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen oder einzelnen Kreisen in Rheinland-Pfalz oder dem Saarland.

Landesweit hinten liegt Ostholstein ebenso bei Beschäftigten in wissensintensiven, innovationsorientierten Dienstleistungen. Die Forscher zählen dazu Informationstechnologie, Datenverarbeitung, Werbung, Forschung und Entwicklung oder Unternehmensberatung. Der Anteil in Ostholstein liegt zwischen fünf und gut sechs Prozent. Der größte Teil Schleswig-Holsteins kommt auf knapp acht bis zehn Prozent, die Landeshauptstadt Kiel als einzige Region sogar auf über zehn Prozent. Auch bei Beschäftigten mit hoher Qualifikation liegt Ostholstein hinten, allerdings nicht allein. Herzogtum Lauenburg, Plön, der Norden und die Westküste sind ähnlich dünn mit Hochqualifizierten besetzt. Überdurchschnittlich hoch im Landesvergleich fällt in Ostholstein auch die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss aus.

Mittelmaß ist Ostholstein etwa beim durchschnittlichen Haushaltseinkommen, den kommunalen Schulden pro Einwohner oder dem Krippenangebot für Kinder unter drei Jahren. Im oberen Drittel rangiert der Kreis bei der Versorgung mit Ärzten oder Pflegeheimplätzen. Hier macht sich bemerkbar, dass Ostholstein ein Gesundheitsstandort mit vielen Kliniken und Seniorenheimen ist. Als Folge davon hat der Kreis auch den landesweit höchsten Anteil von Einwohnern im Alter von über 75 Jahren (über elf Prozent). Gleichzeitig leben nirgendwo in Schleswig-Holstein gemessen an der Einwohnerzahl so wenig Kinder unter sechs Jahren wie hier (unter 4,5 Prozent). Die Daten, die der Studie zugrunde liegen, stammen in der Regel aus dem Jahr 2012.

pet

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