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„Ostholstein braucht die Linken dringender denn je“

Ostholstein „Ostholstein braucht die Linken dringender denn je“

Die Direktkandidaten für den Bundestag im Interview: Heute spricht Karin Kohlmorgen (Die Linke) über den Mindestlohn und kostenfreie Kitaplätze.

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Kämpft auch gegen den Belttunnel: Karin Kohlmorgen.

Quelle: Foto: Holger Marohn

Ostholstein. Lübecker Nachrichten: Frau Kohlmorgen, die letzten eineinhalb Jahre waren nicht die erfolgreichsten für die Linken. Ihre Partei ist aus dem Landtag geflogen, im Kreistag ist Die Linke nur noch durch eine Einzelabgeordnete vertreten. Braucht Ostholstein keine Linkspartei?

Karin Kohlmorgen: Doch, sogar dringender denn je. Ostholstein gehört zu den Regionen mit den niedrigsten Löhnen. Da wäre der Mindestlohn, den wir flächendeckend fordern, eine Hilfe.

LN: Könnten aber nicht gerade Mindestlöhne dafür sorgen, dass zusätzlich Jobs wegfalllen?

Kohlmorgen: Das ist immer das alte Argument dagegen. Da können wir gut gegenargumentieren. Aber es glaubt uns keiner. Wenn man europaweit schaut, gibt es kaum noch einen Staat ohne Mindestlohn und da geht nichts in den Keller. Mindestlöhne sind kein Grund für Entlassungen.

LN: Dann kommen wir mal zurück nach Ostholstein. Stellen wir uns einfach mal den Fall vor, die Linken hätten die absolute Mehrheit im Kreistag. Was würden sie als erstes beschließen?

Kohlmorgen: Zunächst einmal wären Krippen und Kindergärten dann kostenfrei. Das kann jede Kommune für sich entscheiden, da muss man nicht auf ein Bundesgesetz warten. Außerdem müssten Schülerbeförderung und Schulessen kostenfrei sein. Bei den Schülern muss man mal schauen, wie es mit den Anforderungen und den Leistungen ist. Es kann nicht sein, dass inzwischen bis zu 50 Prozent Nachhilfeunterricht bekommen. Da muss man im Schulsystem sehen, was da falsch läuft. Bildung darf nicht vom Elternhaus abhängen. Daher wäre dort meine erste Entscheidung, für Hartz-IV-Empfänger Nachhilfe kostenfrei zu machen. Ein weiteres wichtiges Thema ist für mich die Frauenpolitik. Frauen müssen arbeiten können. Es kann nicht sein, dass Schulen oder Kindergärten um 14 Uhr dichtmachen und die Mutter bis 20 Uhr arbeiten muss.

LN: Und wie würden Sie das alles finanzieren?

Kohlmorgen: Wir haben viele Forderungen und Wünsche und es ist klar, dass das nicht alles auf einmal geht. Man muss erst einmal mit ein, zwei oder drei Dingen anfangen. Dass, was in 30 Jahren an die Wand gefahren worden ist, kann man nicht in drei Jahren zurückdrehen.

LN: Was sind denn bundespolitisch aus Ihrer Sicht die wichtigsten Themen für Ostholstein?

Kohlmorgen: Ich fordere das bedingungslose Grundeinkommen für jeden Bürger. Es hat immer Missbrauch bei den Sozialleistungen gegeben. Das war bei der Sozialhilfe so und ist sicherlich auch bei Hartz IV so.

Aber ich glaube, das betrifft nur ein oder zwei Prozent der Fälle. Missbrauch gibt es immer, auch bei den Reichen, wenn ich die Steuerhinterziehung sehe. Da kann es nicht sein, dass alle Hartz-IV-Empfänger zu Freiwild gemacht werden. Es ist eine Schande, dass eine soziale Schicht gegen die andere ausgespielt wird.

LN: Um so etwas umzusetzen, wären die Linken aber auf Koalitionen angewiesen. Nur bislang hat keine Partei signalisiert, mit den Linken zusammenarbeiten zu wollen. Was passiert also nach dem Wahlsonntag?

Kohlmorgen: Die anderen werden auf uns angewiesen sein. Wir haben bewusst keine Aussage gemacht, mit welchem Partner wir in eine Regierungskoalition gehen wollen. Wir werden aber immer wieder darauf angesprochen. Es gibt teilweise unheimliche Schnittmengen. Wenn ich mit Bettina Hagedorn auf dem Podium sitze, sind wir bei 80 Prozent der Dinge einer Meinung. Wir stehen leider immer noch als Schmuddelkinder da und werden als SED-Nachfolgeorganisation dargestellt. Auch ich bin vor acht Jahren in die PDS eingetreten. Da gab es Die Linke noch nicht. Ich bin gebürtige Eutinerin, sozialisiert in Kasseedorf, zu Schule gegangen in Schönwalde und ich habe auf der Dorothea-Schlötzer-Schule in Lübeck gelernt. Ich habe mit SED und Ex-DDR gar nichts am Hut, weil ich dort nicht geboren und aufgewachsen bin.

LN: Fühlen Sie sich im Wahlkampf nicht richtig wahrgenommen, eventuell sogar benachteiligt?

Kohlmorgen: Absolut. Es gibt zahlreiche Veranstaltungen, da sind wir gar nicht erst mit eingeladen worden. Wenn wir nachgehakt haben, haben wir glatte Lügen als Antwort bekommen.

LN: Das große Thema im Wahlkampf ist hier die Beltquerung. Warum gibt es auf Plakaten dazu keine Aussage der Linken?

Kohlmorgen: Wir sind dagegen, weil es der ökonomische und ökologische Wahnsinn ist. Die feste Beltquerung ist jetzt schon doppelt so teuer wie Stuttgart 21 und damit nicht finanzierbar.

LN: Für den Belttunnel sind die Dänen zuständig. Die finanzieren das auch. Warum sieht und hört man von den Gegnern dort so wenig?

Kohlmorgen: Die Dänen haben nicht so viele Einwohner wie Deutschland. Aber vor allem fühlen sich die Dänen, so wie ich gehört habe, den Schweden verpflichtet. Und dann darf man nicht vergessen, wozu die Strecke überhaupt gebaut wird. Das ist eine Atommüllstrecke. Die Schweden planen zwölf neue Kernkraftwerke, haben aber selbst keine Wiederaufbereitungsanlage. Und außerdem soll in Finnland ein Atommüll-Endlager geplant sein. Das ist einfach nur eine Transportstrecke. Durch die Hinterlandanbindung werden nicht doppelt so viele Menschen auf Fehmarn aussteigen.

LN: Nun gehen wir mal davon aus, dass der Belttunnel dennoch kommen sollte. Ab wann würden die Linken die Beltschiene mitgestalten?

Kohlmorgen: Niemals. Einmal Nein ist immer Nein.

LN: Das heißt Sie würden auch zulassen, dass ein Belttunnel ohne Hinterlandanbindung gebaut wird und die Züge durch die Orte rattern?

Kohlmorgen: Wir sind immer dagegen. Auch wenn der Bau schon begonnen hat, kann ich immer noch dagegen sein. Ich falle nicht um. Dann haben wir uns eben mit unserer Meinung nicht durchsetzen können. Man kann auch bei einem Nein bleiben.

Interview: Holger Marohn

Die Altentherapeutin Karin Kohlmorgen wurde 1961 in Eutin geboren und kandidiert im Wahlkreis 9 (Ostholstein — Stormarn-Nord). Sie wuchs in Nordrhein-Westfalen auf und lebt heute bei ihrem Vater in Kasseedorf. Dort engagiert sie sich auch in der Kirchengemeinde Schönwalde. Zudem kümmert sie sich zusammen mit anderen Ehrenamtlern um einen Treffpunkt für Menschen mit Demenzerkrankungen. Karin Kohlmorgen bildet auch Betreuer aus, die sich dann um die Besucher des Treffpunktes kümmern.
Aufgewachsen in NRW, engagiert in Schönwalde


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LN

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