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Ostholstein Ostholstein: Sorge vor Erzieher-Mangel
Lokales Ostholstein Ostholstein: Sorge vor Erzieher-Mangel
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18:26 21.12.2018
Die Zahl der Kita-Plätze steigt kontinuierlich an, doch schon bald könnte es an ausreichend Erziehern mangeln. Quelle: Agentur 54°
Ostholstein

Fast 1000 Fachkräfte arbeiten in den 129 Kindertageseinrichtungen im Kreis Ostholstein (Stand 31. Dezember 2017). Die Zahl der Gruppen wird in den kommenden Jahren deutlich steigen. Mehrere Gemeinden und Städte haben Neubauten angekündigt. In anderen Orten werden Standorte erweitert. Die LN haben bei den Kommunen von Stockelsdorf bis Fehmarn sowie beim Kitawerk der Kirche und dem Kinderschutzbund Ostholstein (beide sind Träger zahlreicher Kitas) nachgefragt, wie viele Erzieher über 60 Jahre alt sind und bald in den Ruhestand gehen werden.

Das Ergebnis: Mindestens 67 Fachkräfte aus 73 Einrichtungen. Wie es in den anderen 56 Einrichtungen aussieht, ist unklar. Sie werden von zahlreichen unterschiedlichen Trägern betrieben. Verstärkt wird die Suche nach Personal durch viele geplante neue Gruppen. In zehn Städten und Gemeinden soll 2019 in neue Räume investiert werden. Wie hoch der Personalbedarf ist, konnten nur vier der Ansprechpartner beziffern. Aber: Allein dies sind 28 Fachkräfte (enthalten ist ein Neubau in Bad Schwartau, der wohl 2020 fertig wird).

Träger erwarten weiteren Bewerberrückgang

Die Zweifel steigen, dass sämtliche Stellen in den kommenden Jahren mit Personal besetzt werden können. Dies bestätigt auch die Umfrage unter Ostholsteiner Kommunen und Trägern. Erst vor wenigen Tagen teilte Kirchenkreissprecher Marco Heinen mit, dass Kita-Werk-Leiterin Beate Brand davon ausgehe, dass angesichts des Mangels an ausgebildeten Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt mittelfristig ein Engpass drohe. Das Kita-Werk betreibt immerhin 21 Einrichtungen. Ähnlich äußert sich Kinderschutzbund-Geschäftsführer Martin Liegmann, dessen Verein 17 Kitas hat. „Im nächsten Jahr wird es wohl noch möglich sein, frei werdende Stellen mit qualifizierten Erzieher/-innen besetzen zu können, aber nicht mehr für die kommende Jahre.“ Nach Aussagen von Jürgen Wilcken von der Brummkreisel gemeinnützigen GmbH in Ahrensbök würden die Bewerberzahlen deutlich abnehmen.

Welche Konsequenzen dies haben kann, zeigte sich zuletzt in anderen Regionen Deutschlands, wo Kitas und Krippen aufgrund von Personalmangel schließen mussten. In Ostholstein ist dies laut Annika Sommerfeld vom Kreis noch anders. „Bisher musste keine Einrichtung/Gruppe auf Dauer schließen beziehungsweise durfte keine Einrichtung/Gruppe den Betrieb nicht aufnehmen, weil entsprechende Stellenschlüssel nach der Kindertagesstättenverordnung nicht eingehalten wurden“, betont sie.

Angespannte Lage

Das Land indes bemüht sich darum, Ängste zu nehmen, und verweist auf verschiedene Bemühungen, für ausreichend Fachkräfte zu sorgen. „Das Bildungsministerium hat in den vergangenen zehn Jahren die Anzahl an Ausbildungsplätzen für Erzieherinnen und Erzieher nahezu verdoppelt“, sagt Sprecher Thomas Schunck. „Auch im Schuljahr 2018/19 wurden weitere Klassen an Fachschulen eingerichtet. Zusätzlich wurden praxisintegrierte Modelle der Ausbildung eingerichtet, in denen durch vergütete Ausbildungsverhältnisse bei Einrichtungsträgern die Attraktivität der Ausbildung gesteigert wurde.“ Zudem sei die Menge der Bewerber weiterhin hoch und eine Aufstockung an Klassen vorgesehen.

Frank Strutz-Pindor, Sprecher des Sozialministeriums, spricht dennoch von einer angespannten Situation und verweist auf die anstehende Neuordnung der Kita-Finanzierung – eines der Schwerpunktprojekte der Landesregierung. „Davon sollen Eltern, Kommunen und Kitas profitieren“, sagt er. „Damit wird auch ein Beitrag zur Steigerung der Attraktivität der Arbeitsplätze in den Kitas geleistet.“

Berufliche Schule könnte mehr weiterbilden

In Ostholstein indes werden an der Fachschule mit Fachrichtung Sozialpädagogik in Lensahn neue staatlich anerkannte Erzieher ausgebildet. Laut Michael Gülck, Leiter der Beruflichen Schule des Kreises, sind dies momentan 190 Personen, die in Vollzeit- und Abendform teilnehmen. 53 von ihnen sollen bis Sommer 2019 fertig sein und könnten dann in Kitas arbeiten. Jedoch dürfen sie auch in der Jugendsozialarbeit, der Jugendhilfe, in Einrichtungen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen, der Schulsozialarbeit sowie in Kinder- und Jugendpsychiatrien tätig werden. Der Schulleiter betont: „Wir könnten – bei Bedarf – die Kapazitäten ausbauen“.

Stimmen aus dem Kreis

Burkhard Busch, Leitender Verwaltungsbeamter vom Amt Ostholstein-Mitte: „Insgesamt ist durch verschiedene Stellenbesetzungsverfahren im letzten Jahr ersichtlich geworden, dass auch im pädagogischen Bereich ein deutlich erkennbarer Personalmangel herrscht, sodass eine adäquate Stellennachbesetzung recht schwierig umsetzbar ist.“

Gudrun Banaski, Fachdienst Bildung, Sport und Familienangelegenheiten Timmendorfer Strand: „Die Gemeinde Timmendorfer Strand betreibt selbst keine eigenen Kindertagesstätten. Auf Nachfrage haben die Träger mitgeteilt, dass es bislang trotz Fachkräftemangel immer noch gelungen sei, frei werdende oder neue Stellen zu besetzen. Es müsse aber schon um die Bewerber mit attraktiven Angeboten geworben werden.“

Anja Penderak, zuständig für Kindertagesstätten-Angelegenheiten der Stadt Bad Schwartau: „Wir hoffen es. Bislang konnten frei werdende/neue Stellen relativ schnell besetzt werden, aber durch den kreisweiten Ausbau von Plätzen und die geplante Erhöhung des Personalschlüssels wird es sicherlich zukünftig zu Schwierigkeiten kommen.“

Binia Teuber, Leiterin Fachdienst Bildung und Familie der Gemeinde Ratekau:„In der Vergangenheit konnten wir erfolgreich frei werdende Stellen besetzen und hoffen, dass dies auch in den kommenden Jahren möglich ist.“

Michael Robien, Amtsvorsteher Amt Oldenburg-Land: „Ja, grundsätzlich denke ich schon, dass wir die freien Stellen nachbesetzen können. Die Gemeinden erhalten immer mal wieder Initiativbewerbungen, so dass offensichtlich Interesse besteht. Nur bei der Besetzung von Stellen mit wenigen Wochenstunden (unter 25 bis 30 Std.) sind die Chancen geringer.“

Theresa Kurth vom Amt Lensahn: „Dafür sind die jeweiligen Träger selber zuständig. Bisher war es kein Problem. Nach Auskunft einiger Träger ist es aber in der letzten Zeit schwieriger geworden passendes Personal zu finden.“

Sebastian Rosenkötter

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