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Ostholstein Ostholsteins Kinos auf der Erfolgsspur
Lokales Ostholstein Ostholsteins Kinos auf der Erfolgsspur
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18:23 08.07.2017
Der Mann mit der Pudelmütze: Seit 2016 betreibt der Hamburger Hans- Peter Jansen das Burg-Filmtheater.
Fehmarn/Oldenburg/Neustadt

So erfolgreich war Ostholstein noch nie. Beim Kinopreis Schleswig-Holstein flossen jetzt 6000 Euro an Preisgeldern in die Region. „Die Kinos leisten kulturell wertvolle Arbeit an vielen Orten in unserem Lande“, betonte bei einem ihrer letzten Auftritte Ex-Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW). Unterschieden wurde bei der Preisvergabe für 2016 zwischen den gewerblichen Kinos (Fehmarn, Grömitz, Oldenburg) und den nicht gewerblichen Kommunalen Kinos (Neustadt und Bad Schwartau).

Beim Kinopreis Schleswig-Holstein gingen allein fünf der 22 Auszeichnungen in die Region - Geldpreise flossen nach Fehmarn, Oldenburg, Grömitz, Neustadt und Bad Schwartau.

„Solche Preise unterstützen uns darin, ein vielfältiges Programm zu zeigen.Lothar Irrgang Lichtblick Oldenburg

Das Preisgeld

2000 Euro flossen an das Lichtblick Filmtheater in Oldenburg, alle anderen Kinos aus Ostholstein haben jeweils 1000 Euro Preisgeld erhalten.

Landesweit wurden insgesamt 42 500 Euro vergeben.

Besonders stolz ist Hans-Peter Jansen vom Burg Filmtheater: „Erstmals überhaupt wurde Fehmarn ausgezeichnet.“ Dabei ist der eingefleischte Cineast Jansen, der noch sechs andere Kinos im Norden betreibt und sich soeben beim Filmfest in München neue Anregungen geholt hat, erst im Frühjahr in Burg eingestiegen.

Mit Jansen hat ein besonders engagiertes Kino die Insel erobert: mit Arthouse-Filmen, Künstler-Filmen (wie aktuell zum Kirchner-Jubiläum) sowie einem ambitionierten Kinder- und Senioren-Kinogramm.

„Natürlich gibt es auch Mainstream und richtiges Popcorn-Kino. Ich mache schon Kompromisse, aber ich spiele nicht alles“, so Jansen. Im Burger Verzehrkino mit den kleinen Lämpchen auf den Tischen wird im Zweifelsfall das gespielt, was auch ihm gefällt. Das Publikum dankt es ihm.

Schon den fünften Preis hat das Kommunale Kino in Neustadt bekommen. Ein eingetragener gemeinnütziger Verein, aktiv seit 2011 und derzeit 87 Mitglieder stark, möchte das bestehende gewerbliche Kino-Center Neustadt „um ein anspruchsvolles Programm erweitern und somit das Neustädter Kulturleben mit Kinokunst zu bereichern“, so Sylvia Blankenburg vom Vorstand.

Gewürdigt wurde jetzt das herausragende Jahresprogramm im „KoKi“, das zweimal im Monat besondere Spielfilme, Dokumentarfilme (nach Möglichkeit mit Referenten) oder Kurzfilme zeigt. Zweimal im Jahr gibt es zudem kostenlose Kinderfilme. Kommenden Freitag beteiligt sich das „KoKi“ auch an der Sommernacht der Kulturen in Neustadt. Früher gab es nebenan eine Musikkneipe, in der nach dem Kinofilm oft weiterdiskutiert wurde – bis sie dichtmachte. Blankenburg: „Sie will in diesem Jahr wieder aufmachen – ein Gewinn.“

Für die Filmbühne Grömitz setzt Monika Westphal auf einen Mix aus Familienunterhaltung und Filmkunst. Neben bekannten Machwerken versuche sie, Filme ins Programm zu nehmen, die sonst nirgendwo in der Region zu sehen seien. Auch das richtige Timing spiele eine Rolle: Weil im Touristenort natürlich viele Urlauber zu den Zuschauern zählten, orientiert sich die Kino-Chefin nicht zuletzt an den Ferienzeiten.

Generell sei sie etwas unabhängiger von allgemeinen Spielzeiten, erklärt Westphal. In einem kleinen Kino wie der Filmbühne, die im Jahr etwa 4000 Zuschauer habe, sei es nicht zwingend erforderlich, jeden Film prompt zum offiziellen Start auf die Leinwand zu bringen. Oft sei es sinnvoll, ein paar Wochen später nachzuziehen – etwa, wenn mehr Gäste im Ort seien. Die einheimischen Stammgäste störe die kurze Wartezeit in der Regel nicht. Dafür lasse sie einzelne Werke dann länger laufen: Die Tragikomödie „Honig im Kopf“ (2014, Regie: Til Schweiger) zum Beispiel habe auch nach einem Jahr noch viele Zuschauer angezogen.

Im Oldenburger Lichtblick Filmtheater liege der Schwerpunkt derweil ganz klar auf dem „Mainstream-Familienkino“, erklärt Leiter Lothar Irrgang. Derlei Filme lockten den Großteil der 45 000 Zuschauer pro Jahr an – und nur so könne sich das Kino wirtschaftlich über Wasser halten. Außerdem „machen wir das Programm ja fürs Publikum“, sagt Irrgang.

Dennoch sei es ihm wichtig, auch Filme abseits der Kassenschlager zu zeigen, betont der Theaterleiter. Dokumentationen etwa. Wie „Ich. Du. Inklusion“ (2017, Regie: Thomas Binn), das sich mit der Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit befasst. Derlei Filmkunst bringe ein höheres wirtschaftliches Risiko mit sich, erklärt Irrgang, „doch die Aussagen sind wichtig“. Deshalb sei er froh, dass das jetzige Preisgeld wieder dazu beitrage, dass auch solche Filme in Oldenburg gezeigt werden könne. „Im Prinzip“, sagt er, „machen solche Preise unser vielfältiges Programm erst möglich.“ Das Programm eben, für das der Preis überhaupt erst verliehen wurde.

Gerd-J. Schwennsen und Jennifer Binder

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