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Ostholstein Ostholsteins Widerstand gegen den Belttunnel formiert sich neu
Lokales Ostholstein Ostholsteins Widerstand gegen den Belttunnel formiert sich neu
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22:17 08.06.2015
Erster Auftritt der „Beltretter“: Über 300 Tunnelgegner versammeln sich am Sonntagmittag auf dem Deich vor Puttgarden — und sagen deutlich „Nein“ zur geplanten festen Fehmarnbeltquerung. Quelle: Fotos: Schwennsen
Puttgarden a. F

 Symbolträchtig war ihr Foto- Shooting mit über 300 Teilnehmern auf fünf Minuten vor zwölf Uhr angesetzt .

Volksfeststimmung am Deich. Trotz der bedrückenden Sorgen, die die Protestler quälen. Mit Kind und Kegel sind aufmüpfige Ostholsteiner unterwegs, verschieben zu Hause den Sonntagsbraten. Sie setzen darauf, das Milliardenprojekt zwischen Puttgarden und Rødby noch stoppen zu können. Viele streifen sich ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Beltretter“ über, sogar einigen Vierbeinern passt es.

Strahlend blauer Himmel, Sonne pur über der Ostsee. Gleich nebenan legt die Fähre „Schleswig-Holstein“ ab. Und noch immer hält der Zustrom der Menschen an. Es wird eng für die parkenden Autos auf dem Weg zum Deich. Wer zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommt, ist eindeutig im Vorteil.

Dabei hat die Initiative „Bewahrt Fehmarn!“ gar nicht groß die Werbetrommel gerührt. Nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid gegen das temporäre Belttunnel-Sondergebiet bei Puttgarden/Marienleuchte ist es ihre erste gemeinsame Aktion mit den Initiativen, die teilweise schon seit Jahren gegen die feste Beltquerung kämpfen. Darunter ist auch das fehmarnsche Aktionsbündnis, das seit über 20 Jahren durchhält. Sie bauen jetzt auf neue Ideen durch die im Marketing erfahrene Initiative „Bewahrt Fehmarn!“ rund um Mirko Kaminski.

Eigentlich war dieses Fotoshooting als interner Aufgalopp geplant. Doch dank Mund-zu- Mund-Propaganda und Facebook-Aufrufe kommen weitaus mehr als erhofft. Darunter sind die Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn und der Landtagsabgeordnete Lars Winter (beide im T-Shirt) sowie — allerdings in Zivil und nicht in erster Reihe — Fehmarns Bürgermeister Jörg Weber (alle SPD). Damit trotzt er der Kritik im Hauptausschuss. Mittendrin stimmt ein Mann mit seiner Gitarrist ein eingängiges Lied an: „Finger weg vom Ostseestrand . . .“ Es ist Wolfram Eicke, Kinderbuchautor und Liedermacher aus Haffkrug. „Unsere Ostseeküste bietet so viele unschätzbare Möglichkeiten. Wenn wir diese aufgeben, sind wir alle im Hamsterrad drin und haben verloren“, betont er im Gespräch mit den LN, weshalb er die „Beltretter“ unterstützt.

Gemeinsames Ziel ist, „Europas womöglich größte Umwelt- und Bausünde“ zu verhindern. Ananda Julia Albert, eine der Sprecherinnen: „Dieser Mega-Tunnel bedroht das wertvolle, aber zugleich anfällige Ökosystem ,Ostsee‘. Und er bedroht zudem eine ganze, vom Tourismus abhängende Region.“ Die „Beltretter“ fühlen sich von der Bundesregierung im Stich gelassen und dem dänischen Prestigeobjekt geopfert. Dass Kopenhagen bereit ist, das Finanzierungsrisiko in Höhe von 7,4 Milliarden Euro zu übernehmen, wertet Karin Neumann als „vergiftetes Geschenk“.

Mit ihrer ersten Aktion machen die „Beltretter“ dem Widerstand Mut: „Der Tunnelbau stand noch nie auf so wackeligen Füßen wie jetzt.“ Andernfalls drohe bei Scandlines der Verlust von 580 Arbeitsplätzen, warnt Betriebsrat Bernd Friedrichs: „Das trifft dann 2000 Menschen in unserer Region.“

Das sind die 14 Initiativen aus der Region
Verein zum Schutz von Umwelt und Wohnqualität (Lübeck); BI „Pro Lensahn — Kontra Bahnlärm“; BI „Neukirchen gegen den Schwerverkehr der Bahn AG“; BI „Holstein ohne feste Beltquerung” (Sierksdorf);
Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbeltquerung (Fehmarn); Umweltschutzverein Sereetz; BI „Ratekau wehrt sich“; BI „Pönitzer Seenplatte“; BI „Für Lärmschutz in Lütjenbrode“; BI „Alternative Bahntrasse Großenbrode“; BI „Trave-Region Dänischburg“; BI „Kein Güter-Bahn-Verkehr durch die Badeorte der Lübecker- Bucht“ (Haffkrug); Initiative „Bewahrt Fehmarn!“ und der Nabu Deutschland.

Gerd-J. Schwennsen

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