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Ostholstein Ostholsteins erste „Katzenklappe“
Lokales Ostholstein Ostholsteins erste „Katzenklappe“
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21:05 13.05.2016
„Sammy“ hat bei Perchta Krause (l.) ein Zuhause gefunden. Carola und Hans-Detlef Stölken unterstützen ihr Projekt „Katzenklappe“. Quelle: Fotos: Binder

Halb verhungerte Katzen in durchnässten Pappkartons – der Anblick hat Perchta Krause nicht nur einmal empfangen, wenn sie bei ihrem Stall am Oldenburger Bruch ankam. Unzählige Male schon haben Unbekannte das abgelegene Gelände am Lerchensegen genutzt, um sich des Nachts ihrer Tiere zu entledigen. Perchta Krause hat ihre Rolle als inoffizielle Abgabestelle akzeptiert: Sie kümmert sich um die ausgesetzten Katzen und hat viele von ihnen in ein neues Zuhause vermittelt. Jetzt hat die Tierfreundin sogar einen alten Kaninchenstall zu einer richtigen „Katzenklappe“ umfunktioniert – der ersten in Ostholstein.

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Oldenburgerin hat eine anonyme Abgabestelle für Katzen geschaffen, nachdem immer wieder Tiere an ihrem Hof ausgesetzt worden waren – „Tiere in Not“ will Projekt eventuell ausweiten – Tierhilfe warnt vor Kehrseite.

„Jede Spende hilft“

Wer den Verein „Tiere in Not Heiligenhafen – Fehmarn“ oder speziell das Projekt „Katzenklappe“ unterstützen möchte, findet alle Infos im Internet unter www.tierhilfe-heiligenhafen.de. „Jede Geld- oder Futterspende hilft“, betont Vorsitzender Hans-Detlef Stölken. Auch Betriebe, die Spendendosen aufstellen, werden gesucht.

„So überstehen die Tiere wenigstens unbeschadet die Zeit, bis wir sie finden“, sagt die Oldenburgerin, die zurzeit 17 „ausrangierte“ Katzen auf ihrem Hof beherbergt. Zusammen mit ihrem Mann engagiert sie sich schon seit Langem für den Tierschutz: Auf seinem Hof versorgt das Ehepaar alte oder kranke Pferde, in der Voliere zu Hause im Garten tummeln sich mittlerweile zahlreiche Ziervögel, die ohne ihre verstorbenen Partnervögel im bisherigen Heim vereinsamt wären. „Das hat sich so ergeben“, sagt die Mutter eines 17-jährigen Sohnes, die eigentlich als Kranken- und Altenpflegerin arbeitet. Ihren „Auffangstationen“ widmen sie und ihr Mann sich in ihrer Freizeit.

Die Idee für die „Katzenklappe“ sei ihr gekommen, weil die ausgesetzten Tiere zum Teil in einem erbärmlichen Zustand gewesen seien, erzählt Perchta Krause, einige habe sie „halb tot“ vorgefunden. Im ehemaligen Kaninchenstall hätten die Katzen es nun wenigstens trocken; außerdem stehen Näpfe mit Wasser und Futter bereit.

Hans-Detlef Stölken vom Verein „Tiere in Not Heiligenhafen – Fehmarn“, welcher die Aktion unterstützt, wertet das Ganze als „Pilotprojekt“. Noch sei die „Katzenklappe“ einzigartig im Kreis – er könne sich aber durchaus vorstellen, dass in Zukunft weitere anonyme Abgabestellen installiert würden.

Anna Gomberg von der Tierhilfe Ostholstein ist skeptischer. „Wenn das Projekt gut läuft, unterstütze ich es sofort“, sagt sie, warnt aber gleichzeitig: „Der Schuss könnte auch nach hinten losgehen.“

Ihre Befürchtung: Eine anonyme Anlaufstelle könnten viele Menschen dem Tierheim vorziehen, wo sie eine Abgabegebühr zahlen müssten. „Die Frage ist, ob das Ganze dann auf Dauer noch zu finanzieren ist“, so Gomberg.

Hans-Detlef Stölken geht derweil nicht davon aus, dass am Lerchensegen künftig viel mehr Katzen abgegeben werden als bisher. Auch würden die Vorteile des Angebots aus seiner Sicht überwiegen: Wer sein Tier loswerden wolle, der finde einen Weg – da sei der Gang zur „Katzenklappe“ oft immer noch die bessere Alternative.

Alle abgegebenen Katzen würden zunächst tierärztlich untersucht und gegebenenfalls kastriert, berichtet Perchta Krause. Anschließend würden die Tiere einige Tage beobachtet, um herauszufinden, ob sie zahm und das Zusammenleben mit Menschen gewöhnt seien. Diverse Stubentiger hat sie schon an neue Besitzer vermittelt, andere selbst aufgenommen. Scheue Wildkatzen dürfen im Stall leben, wo sie zwar regelmäßig gefüttert, ansonsten aber in Ruhe gelassen werden.

Die Kosten seien allerdings tatsächlich ein Problem, sagt Hans- Detlef Stölken. 140 Katzen versorge der Verein an Futterstellen, bis Ende April seien zudem mehr als 50 Kastrationen finanziert worden. Hier liege ohnehin das Grundproblem, betont Stölken, der sich eine Kastrationspflicht wünscht. Nur so könne ungewollter Nachwuchs verhindert werden – der dann im Zweifel in einem Pappkarton auf der Straße landet.

 Jennifer Binder

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