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Ostholstein Ostseeküste bei Barrierefreiheit „noch ein weißer Fleck“
Lokales Ostholstein Ostseeküste bei Barrierefreiheit „noch ein weißer Fleck“
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20:16 29.01.2016
Tauschten Informationen aus (v.l.): Klaus Rienecker (Sportjugend), Dr. Ulrich Niermann (Volkshochschule Heiligenhafen) und Magdalena Häußler (Sozialverband). Quelle: bg

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klaffen oft große Lücken. Das ist auch bei der Inklusion und Barrierefreiheit im Freizeit-, Kultur- und Sportbereich sowie im Tourismus im Kreis Ostholstein so. Einen Überblick über die aktuelle Situation und die Ziele, diese zu verändern, gab ein Forum, zu dem der Kreis Ostholstein nach Heiligenhafen eingeladen hatte.

„Es gibt zwar eine gewisse Sensibilität für diese Themen“, erklärte Dr. Matthias Badenhop, Fachbereichsleiter Soziales, Jugend, Bildung und Sport beim Kreis Ostholstein, in seiner Begrüßung. „Aber dieser Bereich ist noch nicht mit Leben gefüllt.“ Um Ansprüche und Ziele zu formulieren, soll daher der Aktionsplan Inklusion unter dem Titel „Ostholstein, erlebbar für alle“ entwickelt werden. „Das ist ein Prozess, der vor genau einem Jahr begonnen hat“, erklärte Dr. Stefan Doose, der beim Kreis die entsprechende Koordinationsstelle leitet.

Im Tourismus seien Inklusion und Barrierefreiheit in vielen Orten noch entwicklungsfähig, erklärte Oliver Behncke, Tourismusdirektor auf Fehmarn. Das Ziel müsse es sein, eine „barrierefreie Servicekette von der Ankunft bis zur Abreise“ für die Urlaubsgäste zu schaffen. Wohnen und Schlafen, Aktivität und Sport sowie Ausflug und Shopping müssten auch für Menschen mit Handicap an der Ostsee möglich gemacht werden.

Wie schwierig das sein kann, erläuterte Gabriel Pfeiffer als einheimischer Rollstuhlfahrer. So ließen sich Türen an öffentlichen Gebäuden nicht automatisch öffnen. Ohne Hilfe könne ein Rollstuhlfahrer weder hinein noch hinaus kommen. Auch Schwimmbäder und Restaurants seien für Rollstuhlfahrer meistens nicht zu nutzen, weil die baulichen Voraussetzungen oder die Inneneinrichtungen nicht dafür geeignet seien.

„Beim ,Urlaub ohne Barrieren‘ ist die Ostseeküste noch ein weißer Fleck“, zog Doose eine Zwischenbilanz. „Wir stehen immer noch am Anfang“, bestätigte später Katja Lauritzen, Geschäftsführerin des Ostsee-Holstein-Tourismus (OHT). „Viele Orte hatten sich dem Thema geöffnet. Nun sind die Vorhaben aber wieder abgeebbt. Denn wenn sich Urlaubsanbieter Mühe geben bei der Veränderung von Quartieren, ist dies natürlich auch mit Kosten verbunden.“

Manfred Wohnrade, Tourismusleiter in Heiligenhafen, erklärte, die Stadt sei im Bereich der öffentlichen Infrastruktur durchaus gut aufgestellt. Als Beispiel nannte er die Seebrücke, die samt des Sonnendecks für Rollstuhlfahrer erreichbar sei. „Aber es hapert am Angebot für die Gäste“, räumte er ein. So habe sich kein Betrieb an der Klassifizierung der Unterkünfte beteiligen wollen. Und daher gebe es für Menschen mit Handicap auch keine Bewertungsmöglichkeiten bei der Quartiersuche. Dennoch habe Heiligenhafen durchaus Gäste mit Handicap. In kleinen Schritten müsse das Angebot für diese Menschen verbessert werden.

Matthias Drespling vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Schleswig-Holstein wies darauf hin, dass es viele alte Hotels und Gaststätten im Lande gebe. Diese seien oftmals nicht umzubauen. Bei Neubauten könnte man hingegen auf die Barrierefreiheit von Anfang an achten.

Auf die Bereiche Sport und Kultur wurde während des Forums gesondert eingegangen. Klaus Rienecker von der Sportjugend betonte, man müsse zunächst „die Haltung in den Köpfen“ ändern. Die betreffenden Menschen seien zu fragen, was sie denn an Veränderungen wünschten. Pauschallösungen gebe es ohnehin nicht.

Auch Magdalena Häußler vom Sozialverband bat darum, „die eigene Sichtweise zu überprüfen“. „Barrieren sorgen für Ausgrenzung von Menschen“, erklärte sie. „Aber viele Barrieren wurden einfach durch Gedankenlosigkeit geschaffen.“

Frank Nestler vom Kulturschlüssel Hamburg berichtete über ein beispielhaftes Projekt, bei dem Nichtbehinderte andere Menschen mit Handicap zu kulturellen Veranstaltungen begleiten.

Mit einem „Markt der Möglichkeiten“ wurde die Veranstaltung abgerundet. Vereine und Verbände konnten sich mit Infomaterial darstellen. Das Forum in Heiligenhafen war das fünfte seiner Art. Ein weiteres Forum soll es am 10. März in Lensahn geben. bg

„Wir stehen immer noch am Anfang.“
Katja Lauritzen, OHT

LN

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