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Ostholstein Pädophiler: Staatsanwaltschaft will Sicherheitsverwahrung
Lokales Ostholstein Pädophiler: Staatsanwaltschaft will Sicherheitsverwahrung
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10:00 12.06.2018
Verbirgt sein Gesicht: Dem einschlägig vorbestraften Daniel V. wird die Planung einer perfiden Tat vorgeworfen. Quelle: Foto: Volker Knopf
Karlsruhe

Gestern begann der Prozess gegen Daniel V. aus Wulfsdorf, der sich von seinem Heimatort mit dem Zug am 3. Oktober 2017 auf den Weg nach Baden machte, um die unfassbare Tat zu begehen – im Gepäck Knebel, Handschellen, Sturmhaube, Kamera und Panzerband. Doch ehe es so weit kam, klickten am Hauptbahnhof Karlsruhe die Handschellen. Der 44-jährige Ostholsteiner hatte es mit einem verdeckten Ermittler zu tun, der im Darknet bei einem Pädophilen-Chat Kontakt mit dem vorbestraften Kinderschänder aufgenommen hatte.

Der hagere Mann mit Halbglatze und weißem T-Shirt sitzt am Montag im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Karlsruhe. Was die Staatsanwaltschaft dem Wulfsdorfer vorwirft, klingt monströs. Sein Plan: einen achtjährigen Jungen zu vergewaltigen und anschließend zu töten.

„„Der Knebel sollte möglichst qualvoll angebracht werden, ein Ersticken des Jungen wurde dabei in Kauf genommen. Wera Lingemann Staatsanwältin

Wulfsdorfer einer von mehreren „Kunden“

Der Prozess in Karlsruhe steht im Kontext des Missbrauchsskandals in der Nähe von Freiburg, der deutschlandweit erschüttert hatte. Mehrere „Kunden“ von Christian L., der sich „Geiler Daddy“ nannte und seinen Stiefsohn an Freier zur Vergewaltigung weiterreichte, sitzen bereits hinter Gittern. Dies droht nun auch Daniel V. Da er bereits einschlägig vorbestraft ist, wies Staatsanwältin Wera Lingemann bereits beim Prozessauftakt darauf hin, dass sie Sicherheitsverwahrung beantragen werde.

Gleich zu Beginn des Verfahrens wurde die Öffentlichkeit teilweise ausgeschlossen. Die persönlichen Angaben zur Person und das psychiatrische Gutachten sollten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Daniel V. wolle aussagen, so seine Verteidigerin Andrea Combé, aber Angaben zu seiner Intimsphäre, speziell zu seiner sexuellen Entwicklung, gehörten nicht in die Öffentlichkeit.

Der Vorsitzende Richter Peter Stier gab dem teilweise statt. Aber schon die Vorlesung der Anklageschrift der Staatsanwältin klang wie eine Liste des Schreckens. So habe der pädophil und sadistisch veranlagte Elektriker aus dem kleinen Dorf in der Gemeinde Scharbeutz einen Jungen zwischen fünf und zehn Jahren für eine „besonders grausame Tötung“ gesucht.

In einschlägigen Foren sei er mit dem Paar aus der Nähe von Freiburg in Kontakt gekommen. Zwar stimmte das Paar der Vergewaltigung zu, nicht aber der Tötung. Alternativ habe der Angeklagte vorgeschlagen, im Raum Frankfurt ein Kind zu entführen, zu vergewaltigen und in einem Feld zu verscharren. Von diesem Plan kamen sie jedoch wieder ab und diskutierten im Chat die Vorgehensweise der Vergewaltigung des Jungen aus Staufen bei Freiburg.

„Der Knebel sollte möglichst qualvoll angebracht werden, ein Ersticken des Jungen wurde dabei in Kauf genommen“, sagte die Staatsanwältin. Die Tat wollte der Beschuldigte filmen und in einschlägigen Plattformen im Darknet anbieten. Als Bezahlung standen 300 Euro im Raum, eventuell auch die Überlassung der Kamera an den Stiefvater. Während der Ausführungen der Staatsanwältin saß der Angeklagte aus Ostholstein völlig regungslos da, blickte starr vor sich hin.

Ermittler: Daniel V. wollte Stammkunde werden

Seit dem 3. Oktober vergangenen Jahres sitzt der gebürtige Reinbeker in U-Haft. In einem Fastfood- Restaurant in der Nähe des Karlsruher Hauptbahnhofs war die Falle zugeschnappt. Zunächst sagte ihm der verdeckte Ermittler, dass der Achtjährige bereits in einem Schrebergarten in der Nähe auf ihn warte, ehe es zum Zugriff kam. Beim Prozessauftakt berichtete der zuständige Polizeibeamte, wie sie dem Mann aus Wulfsdorf auf die Spur kamen und wie sich der Chat entwickelte. „Er versprach, Stammkunde zu werden und schickte die Online-Bestätigung des ICE-Tickets mit, um zu beweisen, dass er auch wirklich kommt“, sagte der Polizist.

Der Prozess vor dem Landgericht in Karlsruhe wurde vom Hauptprozess in Freiburg abgekoppelt. Dort müssen sich die Mutter (48) des Jungen und ihr Lebensgefährte, er gilt als Drahtzieher, verantworten.

Insgesamt sind in Karlsruhe drei Verhandlungstage anberaumt. Bei der Zeugenvernehmung soll auch der in Haft sitzende 39-Jährige gehört werden. Ein Urteil wird für den 29. Juni erwartet.

Volker Knopf

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