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Ostholstein Pansdorfer Übung mit Schwachstelle
Lokales Ostholstein Pansdorfer Übung mit Schwachstelle
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09:59 17.11.2016
Die „Verletzungen“ der „Opfer“ einer Feuerwehr-Großübung in Pansdorf sahen echt aus. FOTOS: CHRISTINA DÜVELL-VEEN

Soweit der vom Ortswehrführer Ulrich Piper ausgearbeitete Übungsplan. Was er nicht ahnte: Von den Mitarbeitern der Integrierten Rettungsleitstelle Süd in Bad Oldesloe wurde die Pansdorfer Wehr zunächst nicht alarmiert. Sie traf erst später als fast alle anderen am vermeintlichen Unglücksort ein. Piper spricht von 15 Minuten. Dazu Carsten Horn, Leiter der Rettungsleitstelle: „Unsere Protokolle zeigen eindeutig, dass um 18.11 Uhr sechs Feuerwehren in der Gemeinde Ratekau alarmiert wurden. Fünf Minuten später, um 18.16 Uhr, wurde bei den Pansdorfern und um 18.18 Uhr für Luschendorf Alarm ausgelöst.“ Bei einem Großeinsatz wie diesem sei das ganz normal.

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Leitstelle löste Alarm für die federführende Ortswehr zu spät aus – Differenz von fünf bis 15 Minuten.

Am Ort des Übungsgeschehens trafen Pipers Angaben zufolge die Techauer und Ratekauer zuerst ein. Die Fahrzeuge bogen von der Eutiner Straße ein, hörten den zwölfjährigen Johannes Piper rufen und ließen sich von ihm kurz berichten, was geschehen war. „Explosion, meine Eltern, Bauarbeiten“ waren seine Stichwörter.

„So langsam müssen wir wohl Kränze bestellen“, merkte Cornelia Piper nach gut 30 Minuten an, als noch immer nichts von Menschenrettung zu sehen war. Gemeinsam mit zwei anderen DRK’lern hatte sie die 14 „Verletzten“ realitätsnah geschminkt. Das schauspielerische Talent der jungen DRK-Mitglieder tat ein Übriges – sie schrien, zitterten am ganzen Körper und riefen um Hilfe. In diesem Fall musste eine lebensgroße Puppe geborgen werden. Durch die heftige Explosion getötet wurde ein Mann, der unter einen Radlader geriet, so stand es im Drehbuch. Dann gab es noch einen Schwerstverletzten mit einer Eisenstange im Körper, jemanden mit Herzinfarkt, Menschen mit schwersten Verbrennungen und geschockte Personen. Und dann war da noch eine Hochschwangere, bei der plötzlich die Wehen einsetzten.

Cornelia Piper: „Wir haben ihr eine Flasche Wasser mitgegeben, damit es so aussieht, als wäre die Fruchtblase geplatzt.“

In Einsatzfahrzeugen nach Pansdorf kamen etwa 100 Feuerwehrmänner und -frauen. Unter ihnen ein ganz besonderes Geburtstagskind: Techaus Ortswehrführer Ralf Volgmann feierte an dem Tag seinen 60.

Geburtstag. „Wir wollten uns zu Hause gerade gemütlich zum Essen hinsetzen, als der Alarm ausgelöst wurde. Aber das geht in Ordnung“, sagte er.

Piper ist recht zufrieden mit dem Verlauf der Übung, bei der sein Stellvertreter Knut Hansen die Einsatzleitung hatte. Gefallen hat ihm besonders das Zusammenspiel der Ortswehren, aber auch die Zusammenarbeit mit dem DRK und dem Malteser Hilfsdienst habe sehr gut funktioniert.

Trotz alledem dürften aber Fehler wie die späte Alarmierung im Ernstfall nicht passieren. Dabei zeige sich einmal mehr, wie wichtig der Erhalt gerade von kleinen Wehren ist. Die Techauer hätten sich zwar nach Kräften bemüht, hätten aber nicht über die erforderlichen Ortskenntnisse verfügt. Piper: „Die Kameraden waren hinten im Scheunenbereich beschäftigt, während die Menschen vorne lagen.“

Koordination der Rettungseinsätze in drei Kreisen

Die Rettungsleitstelle in Bad Oldesloe ist für die drei Kreise Ostholstein, Stormarn und Kreis Herzogtum Lauenburg zuständig. In ihrem Einzugsgebiet wohnen 625000 Menschen. Die Leitstelle koordiniert Feuerwehren, Rettungsdienst und Krankentransporte. Pro Jahr sind mehr als 120000 Einsätze, die über die Notrufnummer 112 und als Krankentransporte hereinkommen, abzuarbeiten.

Bevor 2013 der Kreis Ostholstein in die Kooperation der bis dahin zwei Kreise eintrat, wurde die Rettungsleitstelle erweitert. Knapp eine Million Euro wurden investiert, um die Technik auf den neuesten Stand zu bringen, Karten, Luftbilder, Orts- und Straßendaten aus Ostholstein einzupflegen.

 Christina Düvell-Veen

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