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Ostholstein Pastor Mundhenk: „Die Mauer in den Köpfen wegkriegen“
Lokales Ostholstein Pastor Mundhenk: „Die Mauer in den Köpfen wegkriegen“
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20:29 15.12.2015
Pastor Dr. Ronald Mundhenk am Altar des Kirchenraumes in der Klinik. Quelle: Peter Mantik

Ein Patient habe einmal zu ihm gesagt: „Der liebe Gott und der Teufel spielen Schach und Gott lässt den Teufel auch gern mal gewinnen.“ Im Büro von Pastor Dr. Ronald Mundhenk stehen gleich zwei Schachbretter. Das Königsspiel ist neben der Musik eines der großen Hobbys des Seelsorgers.

Schach und Religion, das gehe gut zusammen, meint Mundhenk und spricht die große Symbolik an. „Weiß und Schwarz sind wie Licht und Finsternis.“ Diese Symbolik lässt sich in der Wahrnehmung der Gesellschaft womöglich auch auf die Gemeinde Mundhenks übertragen. Denn der 62-Jährige betreut seit 25 Jahren die 800 Menschen in der Ameos Klinik.

Die Menschen in der Stadt würden die Patienten distanziert wahrnehmen. „Was sie nicht kennen, fürchten sie“, sagt Mundhenk, der dann auch erläutert: „Dabei sind es Menschen mit den gleichen Anlagen und Bedürfnissen wie jeder andere auch.“ Eines — und da gibt sich Mundhenk selbstkritisch — habe er in den 25 Jahren nicht vermocht: „Die Mauern in den Köpfen der Menschen jenseits des Klinikums wegzukriegen.“ Allerdings, und auch das merkt er an: „Manchmal wünschte man sich auch mehr Aufmerksamkeit von außen.“ Seiner Meinung nach könnte es ein Gewinn sein, eine Bereicherung, die Menschen in der Klinik kennen zu lernen. „Ich jedenfalls habe immer auch viel zurückbekommen, bin deshalb auch nie in meinem Tun ausgebrannt.“ Mundhenk verstehe sich als Berater und Begleiter der Menschen. Nicht aber, und da legt er Wert drauf, als Therapeut. „Viele kenne ich seit 25 Jahren, da entstehen enge Bindungen“, erzählt Mundhenk. Seine Erfahrungen mit den Patienten und deren vielschichtigen Krankheiten haben im Laufe der Jahre viele Fragen aufgeworfen, Fragen, auf die Mundhenk auch Antworten fand. Zusammengefasst und beschrieben hat er all dies in mehreren Büchern, die er geschrieben hat. Eines hat den Titel „Lebt Gott in der Psychiatrie?“

Die Antwort überrascht wenig, wenn der Pastor sagt: „Gott lebt auch in der Psychiatrie, vielleicht mehr als anderswo.“ Und wenn es um die Unterschiede zwischen den Menschen diesseits und jenseits der Klinik geht, dann wäre Folgendes zu nennen. „Ich habe Patienten kennen gelernt, die ernsthaft glaubten, sie seien Jesus, Gott oder sogar ein Übergott“, erläutert Mundhenk. Mit Blick auch auf die öffentliche Wahrnehmung fügt er an: „Ich gehe immer offen auf die Menschen zu, fürchte mich nicht.“ In all den Jahren habe ihn ein einziges Mal eine Patientin gekratzt, „weil sie mein Gitarrenspiel so furchtbar fand. Die Frau lebt immer noch hier, wir kennen uns gut.“

„Gott lebt auch in der Psychiatrie, vielleicht mehr als anderswo.“
Pastor Ronald Mundhenk

Peter Mantik

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