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Ostholstein Pastor Ortwin Göldner geht nach 34 Jahren in den Ruhestand
Lokales Ostholstein Pastor Ortwin Göldner geht nach 34 Jahren in den Ruhestand
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20:25 26.10.2013
Pastor Ortwin Göldner (hier mit seinem Hund) geht in den Ruhestand. Nachfolger ist Dr. Martin Grahl aus Petersdorf (links), der die Kirchengemeinde Bannesdorf vom 1. November an zusätzlich übernimmt. Quelle: gjs

Sein Dienstantritt wäre um Haaresbreite schief gegangen. „Ich hätte fast bei Neumünster einen Unfall gebaut“, erinnert sich Ortwin Göldner noch gut. Das war vor beinahe 20 Jahren. Seither ist er Pastor in der kleinen 600-Seelen-Gemeinde Bannesdorf auf Fehmarn. Zum Monatsende geht der 63-Jährige in den Ruhestand.

Er traf damals trotzdem pünktlich um 9 Uhr im Bannesdorfer Pastorat ein. Noch gaben dort die Handwerker den Ton an. Deshalb fuhr Göldner erst frühmorgens von Burg nach Bannesdorf. Und dann über Neumünster? Des Rätsels Lösung: Göldner kam direkt von Burg in Dithmarschen, seiner vorherigen Station als Pastor, auf die Insel.

Zuvor war der gebürtige Kieler nach dem Vikariat in seiner Heimatstadt Pastor in Neuenbrook bei Itzehoe und Bargfeld-Stegen im Hamburger Umland. Was viele nicht wissen: Göldner studierte in Kiel und Hamburg nicht nur sechs Jahre Theologie, sondern beschäftigte sich mit babylonischer Keilschriftkunde. Und als wissenschaftlicher Mitarbeiter war er an Forschungsarbeiten über Johann Hinrich Wichern, den Begründer der Inneren Mission, beteiligt.

Das alles liegt lange zurück — aber manche Begabung und Schwerpunkte wirkten in der fast 20-jährigen Bannesdorfer Zeit nach. So war Göldner schon in Dithmarschen Krankenhausseelsorger. Bis 1999 hatte er für die Krankenhausseelsorge in Oldenburg einen Dienstauftrag des Kirchenkreises.

Zudem prägte die Begeisterung für eine Sprache, die selbst in Norddeutschland nicht jedermann beherrscht, seine Tätigkeit als Pastor. Gemeint ist Göldners Faible für die plattdeutsche Sprache. Er war bis zuletzt der einzige Pastor auf Fehmarn, der an jedem zweiten Feiertag der hohen kirchlichen Feste zum plattdeutschen Gottesdienst einlud. Eine Besonderheit, die nicht nur „seine“ Gemeinde zu schätzen wusste. Göldners Predigt „op Platt“ lockte auch Kirchgänger aus anderen Kirchengemeinden in den Inselosten.

34 Dienstjahre als Pastor, davon fast 20 im Norderkirchspiel auf Fehmarn. Dass er das — obwohl selber gesundheitlich angeschlagen — bis zuletzt gerne gemacht hat, hat einen plausiblen Grund. Ganz ehrlich bekennt Göldner: „Ich habe den schönsten Beruf. Denn ich darf alle lieben und allen verzeihen.“

Das sagt ein Pastor, der auf seinen ersten Stationen auch schon mal Widerstand gespürt hat. „De will wat vun uns“, bekam er in der Kremper Marsch zu hören. Das war nicht nur freundlich gemeint. Und im „Hamburger Speckgürtel“ hätten ihn manche als „zu fröhlich und zu weltlich“ empfunden. Doch Göldner setzte Zeichen, er bewegte etwas — und wurde akzeptiert. In dieser Zeit lernte er auch seine spätere Ehefrau Ingrid kennen.

Das Ehepaar Göldner hat nicht nur in der Kirchengemeinde Bannesdorf Spuren hinterlassen. Ortwin Göldner als Pastor, an die Propst Matthias Wiechmann im Festgottesdienst nochmals ausführlich erinnern wird — und seine im Sommer nach jahrelanger sehr schwerer Krankheit verstorbene Ehefrau als Journalistin. Unter ihrem Mädchennamen „Ingrid Lutz“ schrieb sie jahrelang für die Lübecker Nachrichten.

Ihre oft unkonventionellen Artikel wurden im ganzen Nordkreis geschätzt, ihre Spitzen unter dem Kürzel „ILU“ ebenso. Dadurch blieb das Pastorat in Bannesdorf aber auch stets offen für Geschehnisse weit außerhalb der eigentlichen Kirchengemeinde-Arbeit.

Zum 1. November übernimmt Dr. Martin Grahl (55), Pastor in Petersdorf, zusätzlich die Arbeit als Pastor in Bannesdorf. Beide Kirchengemeinden bewahren jedoch ihre Eigenständigkeit. In Petersdorf betreut er bislang rund 1100 Gemeindemitglieder.

Der Fahrplan: So vollzieht sich der Wechsel in der Kirchengemeinde Bannesdorf
Letzter normaler Gottesdienst: Heute, 27. Oktober, hält Pastor Ortwin Göldner noch einmal einen Gottesdienst vor seiner Kirchengemeinde. Er beginnt um 10 Uhr in der St.Johannis-Kirche Bannesdorf.


Abschiedsgottesdienst: Göldners Amtszeit endet am Donnerstag, 31. Oktober, dem Reformationstag. Der Festgottesdienst beginnt um 17 Uhr.

Der Festverlauf: Die Kirchengemeinde Bannesdorf möchte die Verabschiedung ihres Pastors feierlich würdigen. Göldner wird durch Propst Matthias Wiechmann verabschiedet. Der Festgottesdienst in der St.Johannis-Kirche wird durch den Bannesdorfer Kirchenchor und den Bläserchor Fehmarn begleitet. Im Anschluss findet für alle Gäste und die Gemeinde ein kleiner Imbiss im „Gasthof Meetz“ statt.

Die Nachfolge: Pastor Dr. Martin Grahl (Petersdorf) übernimmt am 1. November zusätzlich auch die Kirchengemeinde Bannesdorf. An normalen Sonntagen sind die Gottesdienste wie folgt geregelt: 9.30 Uhr in Bannesdorf und 11 Uhr in Petersdorf.


Die Einführung: Dr. Martin Grahl wird am Sonntag, 10. November, in Bannesdorf offiziell eingeführt.

Gerd-J. Schwennsen

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