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Ostholstein Patientenquittung soll Betrug verhindern
Lokales Ostholstein Patientenquittung soll Betrug verhindern
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20:10 24.06.2017
Ostholstein

Den Kampf gegen Abrechnungsbetrug führen nicht nur die Kassenärztlichen Vereinigungen. Auch Patienten wie Marlies- Barbara Bauer, die gerade aus dem Ruhrgebiet an die Ostseeküste gezogen ist. Sie hat sich nach einer Reihe von Behandlungen von ihrer Krankenkasse eine Patientenquittung schicken lassen. Aus dem Formular ihrer Techniker Krankenkasse (TK) geht hervor, welche Leistungen ihre Ärzte in NRW in den vergangenen 18 Monaten abgerechnet haben. „Würde stimmen, was darin steht, wäre ich ja todkrank. Dem ist aber gar nicht so“, sagt sie und ist empört.

Marlies-Barbara Bauer erzählt von Behandlungen, die nie stattgefunden hätten. „Das waren alles Ärzte meines Vertrauens, als wir noch in NRW gelebt haben“, sagt Bauer und ergänzt, dass die Quittungen ihres Mannes ähnlich fehlerhaft seien. Nun kämpft sie gegen die falschen Abrechnungen und hofft, auf die Thematik aufmerksam zu machen.

Patientenquittung. Das Wort klingt nach deutscher Bürokratie in Reinform. Erst seit 2013 können sich Versicherte dieses Formular ausstellen lassen. Zuvor mussten sie Ärzte und Krankenhäuser einzeln kontaktieren (ist immer noch möglich). Für Aufregung sorgte im vergangenen Herbst ein Interview in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Darin sprach Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse, davon, dass Ärzte Patienten auf dem Papier kränker machen würden. Die Kassen „bitten dabei um ,Optimierung’ der Codierung. Manche Kassen besuchen die Ärzte dazu persönlich, manche rufen an“, wird Baas zitiert. So werde aus einem leichten Bluthochdruck schnell ein schwerer, aus einer depressiven Stimmung eine echte Depression. Die Folge: Die Einnahmen von Ärzten und Kassen steigen. Damit werden die Vermutungen von Marlies- Barbara und Hans-Willi Bauer bestätigt. „Es gibt schwarze Schafe, die Geld für nicht erbrachte Leistungen kassieren“, sagt sie.

Jana Walther, TK-Sprecherin in Kiel, weist solche Spekulationen zurück. Zur Frage, ob es überhaupt möglich sei, dass Ärzte von Kassen zu viel Geld erhalten würden, sagt sie: „Das kann man so nicht sagen. Denn schließlich sind es nicht die Krankenkassen, die das Honorar an die Ärzte bezahlen. Diese rechnen ihre Leistungen vielmehr mit der Kassenärztlichen Vereinigung ab“.

Jedoch sind es am Ende immer die Versicherten, die mit ihren Beiträgen die Ärzten finanzieren. Marco Dethlefsen, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), wiederum betont gegenüber den LN, dass es keine nennenswerte Zahl von Betrugsfällen gebe.

Joanna Batista von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein hat hierfür eine mögliche Erklärung. „Viele Patienten verlangen keine Quittung. Wer es doch macht, ist entweder sehr neugierig, oder hat die Vermutung, dass etwas falsch abgerechnet werde.“ Die Verbraucherzentrale selbst habe im ersten Halbjahr 2017 vielleicht einen Fall gehabt, bei dem es um die Thematik gegangen sei.

Marlies-Barbara Bauer will nicht lockerlassen. Sie betont, dass jeder Versicherte die Unterlagen anfordern und kritisch hinterfragen könne. Sie selbst hat ihrer Kasse einen Brief geschickt, listet penibel auf, welche Dinge nicht stimmen. Jedoch dürften die Erfolgsaussichten eher gering sein. Laut TK-Sprecherin Jana Walther müssten mögliche Diagnosefehler mit dem jeweiligen Arzt besprochen werden: „Dieser würde dann gegebenenfalls (wenn tatsächlich eine falsche Diagnose gestellt wurde) dies an die Kassenärztliche Vereinigung melden. Die wiederum leitet dann die Korrektur an die Krankenkasse weiter – und die Abrechnungsdaten werden dementsprechend korrigiert.“ Von solchen Fällen gebe es bei der TK bisher nur wenige im unteren zweistelligen Bereich.

Sebastian Rosenkötter

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