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Paukenschlag: Starke Worte in der Stadtkirche

Heiligenhafen Paukenschlag: Starke Worte in der Stadtkirche

Bürgermeister Müller und Rathaus-Crew ziehen sich 2017 aus der „Kult(o)urnacht“ zurück – Pastor Sauerberg zum Fall Ina Seidel.

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Heiligenhafen. Eine laue Sommernacht – und mit 65 Programmpunkten an 16 Stationen eine gelungene Premiere für die neue Stadtmanagerin Sandra Hamer. Eigentlich gute Vorzeichen für die 14. „Kult(o)urnacht“ in Heiligenhafen. Und doch gab es zum traditionellen Auftakt in der Stadtkirche nicht nur starke Töne vom Posaunenchor. Sondern auch starke Worte zur politischen Kultur in der Warderstadt, die sicher weiter für Gesprächsstoff sorgen werden.

LN-Bild

Bürgermeister Müller und Rathaus-Crew ziehen sich 2017 aus der „Kult(o)urnacht“ zurück – Pastor Sauerberg zum Fall Ina Seidel.

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Konkret: Pastor Carsten Sauerberg – schon öfter für kritische Worte in der „Kult(o)urnacht“ gut – griff beherzt in die Debatte um NS-belastete Straßennamen ein. Und Bürgermeister Heiko Müller (parteilos) kündigte frustriert den Rückzug der „Rathaus-Crew“ an. Wörtlich erklärte er: „2017 werden wir es denen überlassen, die in den vergangenen Monaten gezeigt haben, wo ihr Kulturverständnis liegt. Mir tut es leid, aber wir werden 2017 in der ,Kult(o)urnacht’ auf die Genießerseite wechseln.“

Das war eine sehr deutliche Reaktion auf das zuletzt in der Stadtvertretung gescheiterte 2,6-Millionen-Projekt eines Bildungs- und Kulturzentrums. Eine klare Mehrheit hatte die von Müller favorisierte Variante im Juni gekippt. Er wertete deren Begründung – zu teuer und ohne stimmiges Nutzungskonzept – jetzt in der Kirche als „fadenscheinig“.

Zweiter Kritikpunkt: Dass der Erlös aus dem Verkauf der „Kult(o)urnacht“-Buttons und der Spenden in die Neugestaltung des Stadtparks fließen soll, sei ein „kleiner Fingerzeig“ in Richtung Politik.

Elf Jahre lang habe es vergebliche Versuche gegeben, die Innenstadt zu beleuchten. Jetzt fange die Stadt woanders an: mit einer Springwasserfontäne mit nächtlicher Illumination im Schwanenteich.

Müllers dritte Anmerkung klang dagegen versöhnlich: „Der Spruch ,Wir schaffen das!’ ist in Heiligenhafen Realität geworden.“ Dabei habe die Flüchtlingswelle „uns schlichtweg überrollt“. Ausdrücklich dankte er daher allen, die die Verwaltung bislang unterstützt hätten. Mit Blick auf die „Kult(o)urnacht“ betonte Müller: „Kultur und Leben in einer anderen Welt zu verstehen, ist manchmal nicht einfach. Unter uns leben jetzt Menschen, die zum Teil gekommen sind, um ihr nacktes Leben zu sichern.“

Ein ganz anderes Thema in der politischen Streitkultur der Stadt griff Pastor Sauerberg auf. Ganz unaufgeregt und ohne eine fertige Antwort: „Lassen Sie mich ein bisschen über Straßennamen reden. Und über Dichter und Dichterinnen, die – wenn man ehrlich ist – sich nicht alle eindeutig vom Nationalsozialismus distanziert haben.“

Gelesen habe er Ina Seidels „Liebesgedichte an den Führer, bisschen schwülstig geschrieben von einer Frau, die sich hingerissen fühlt zu einem Mann, der offenbar Macht und Stärke ausstrahlt“. In Ratzeburg hingegen habe der Künstler A. Paul Weber 1932 ein Bild gezeichnet, „das eine Gruft, vielleicht sogar einen Schützengraben mit dem Insignien der NSDAP zeigt, und in diesem Sarg geht eine Menschenmenge wie Ameisen mit Pauken und Trompeten unter“. Sauerberg: „Wo hätte ich mich damals hingestellt – neben Weber oder zu den Ameisen? Wäre ich mitgelaufen?“ Er plädiere dafür, das alles mit dem heutigen Wissen „etwas gelassener zu sehen“, auch die Frage, „ob man Ina Seidel wirklich mit einem Straßennamen ehren muss“.

Gerd-J. Schwennsen

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