Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Peinliche Info-Broschüre: „Am besten einstampfen“
Lokales Ostholstein Peinliche Info-Broschüre: „Am besten einstampfen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:55 12.10.2017
Quelle: hfr
Eutin

Für die Stadt ist der Vorgang peinlich. Im Hauptausschuss und in der Sitzung der Stadtvertretung am Mittwochabend hagelte es harsche Kritik. Das Heft enthalte Fehler und Fauxpas en masse: Vereine, die längst aufgelöst sind (Stenografenverein, Gemeinschaft der Fotoamateure Eutin, Hausfrauenbund, Tennis Club 2000). Ansprechpartner, die verstorben sind (so der langjährige Stadtvertreter Peter Pflug, ehemals für die Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen ehrenamtlich tätig).

Etliche Telefonnummern, die nicht stimmen (beispielsweise die des Eutiner Polizeireviers, richtig ist 8010).

Kontakt

Wer weitere Fehler im Eutin-Heft entdeckt, wird gebeten, sich per E-Mail beim Stadtmanagement zu melden: k.stein-schmidt@eutin.de

Und auch die Kreisleitstelle gibt es nicht mehr, seit die gemeinsame Leitstelle Süd in Stormarn aufgebaut wurde. Wie konnte das passieren?

Stadtsprecherin Kerstin Stein-Schmidt und Bürgermeister Carsten Behnk (parteilos) war es nicht möglich, dies in der Häufung zu erklären, obwohl es Abgleichungen und Korrekturlesungen gegeben habe.

„Die Broschüre ist kein Meisterstück, eher ein Schuss in den Ofen“, gab Behnk vor der Stadtvertretung unumwunden zu, „ich übernehme dafür auch die Verantwortung.“ Die Stadt habe sich einen Partner gesucht, der glaubhaft gemacht habe, dass er kompetent sei. „Aber wir haben es versäumt, alles minutiös nachzuprüfen“, gestand der Verwaltungschef ein und sicherte zu: „Die nächste Bürgerbroschüre wird garantiert besser.“ Zum Glück habe die Stadt nichts dafür bezahlt – das Heft wurde von einem Verlag in Kiel durch eingeworbene Anzeigen finanziert.

Dazu, wie die Verantwortung, die der Bürgermeister übernehme, denn aussehen soll, machte Kerstin Stein-Schmidt am Tag nach der Sitzung keine näheren Angaben. „Wir verteilen die Broschüre nicht aktiv.“ Im Moment werde an einer korrigierten Fassung gearbeitet, die zumindest im Internet veröffentlicht werden soll. Unklar blieb im Gespräch mit der Stadtmanagerin, wer die fehlerhaften Datensätze an den Verlag übermittelte. „Einige Daten waren schon vorhanden“, sagte Stein- Schmidt. Denn in Kiel entstand auch die bereits 2013 veröffentlichte Broschüre, die wohl ebenfalls fehlerhaft war. Alle seien über das aktuelle Produkt sehr unglücklich.

Das gilt auch für Elisabeth Pflug. Die Witwe des verstorbenen Eutiner Kommunalpolitikers hat einen Brief an Bürgermeister Carsten Behnk geschrieben. „Ich hoffe auf eine Antwort und eine Entschuldigung.“ So etwas dürfe nicht passieren. „Das muss doch einer Korrektur gelesen haben.“ Elisabeth Pflug ist im Zusammenhang mit der Broschüre – „die Idee, so etwas zu machen, ist eigentlich gut“ – schon mehrfach auf ihren verstorbenen Mann angesprochen worden. Die dadurch geweckten Erinnerungen seien eine „schmerzliche Wunde“, die immer wieder aufgerissen würde. „Eigentlich darf das Heft nicht mehr verteilt werden.“ Das Beste sei, „das Ding ganz einzustampfen“.

ben/jhw

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!