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Ostholstein Von der Dorfschule zum Kulturhaus
Lokales Ostholstein Von der Dorfschule zum Kulturhaus
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12:00 26.09.2018
Die alte Dorfschule Petersdorf soll zum Kulturhaus werden. Quelle: Gerd-J. Schwennsen
Petersdorf a. F.

Sie haben einen langen Atem. Bürger vor allem aus dem Inselwesten kämpfen seit der Schließung der Grundschule Petersdorf im Sommer 2014 dafür, dass das 1879 erbaute Gebäude nicht verwaist. Jetzt ist die Chance da, es dauerhaft als Kulturhaus für ganz Fehmarn zu nutzen.

Zuvor gab es langwierige Verhandlungen zwischen dem Verein „KULTURtreff Fehmarn“ mit der Stadt. Der 2015 gegründete Verein hat bereits früh Räume in der ehemaligen Schule angemietet und mit Leben erfüllt. Gleichzeitig wurden sie „voller Tatendrang“ verschönert: „Jetzt ist das altehrwürdige Gebäude mit Geschichte bereit für neue Geschichten“, betont der 2. Vorsitzende Kolja Winkler.

Stadt bietet Vertrag an

Die große Frage für den kleinen aktiven Kreis im Verein ist nur: Wer macht alles mit? Denn die Chance ist jetzt größer denn je. Die Stadt Fehmarn hatte ursprünglich einen Verkauf erwogen – das war für den Verein ohne eine ausreichende Kapitaldecke aber ein viel zu großes Wagnis. Im Dezember 2017 beschloss die Stadtvertretung schließlich, einen Erbbaurechtsvertrag über die Dauer von 40 Jahren anzubieten.

Diesem stimmte die Mitgliederversammlung im April zu. „Damit steht jetzt das vertragliche Gerüst“, so Winkler. Er und Claudia Czellnik von „FehmarnKultur“, das viele Kunstschaffende auf Fehmarn vereint, rufen zur Teilnahme an einer Auftaktveranstaltung für das neue Kulturhaus Fehmarn auf: Sie findet am Sonnabend, 29. September, ab 15 Uhr in der ehemaligen Dorfschule statt.

Deutsch-dänische Kunstausstellung

Kulturhaus“ – das Projekt bietet vielerlei Möglichkeiten. So können hier Lesungen und Theateraufführungen, ebenso Musik-Workshops oder sogar größere Kunstausstellungen stattfinden. Deutsche und dänische Künstler haben das bereits mit Erfolg ausprobiert. Zuletzt fand im Februar eine „BӕltKunst“-Ausstellung statt, an der sich auch zahlreiche Künstler von der dänischen Nachbarinsel Lolland beteiligten.

Der große Pluspunkt: Verteilt auf mehrere ehemalige Klassenzimmer, können ganz unterschiedliche Akzente gesetzt werden. Konkret: In ein oder zwei Räumen hängen Bilder aus, in einem dritten wird kreativ getöpfert oder Wolle verarbeitet. Und die Besucher können dabei zuschauen, ohne dass sie sich gegenseitig stören. Augenfälliger Blickfang: Die große Wandmalerei in einem der Räume stammt von der Petersdorfer Künstlerin Miriam Lange.

Sie organisierten im Februar die „BӕltKunst“-Ausstellung: Susan Daniels (Lolland), Claudia Czellnik und Beate Burow (beide Fehmarn, v.l.). Quelle: Gerd-J. Schwennsen

Auch für Literaturfreunde hat der Kulturtreff bereits einige Bewährungsproben bestanden. Die Zuhörer lauschten Lyrik- und Krimi-Lesungen, plattdeutsche Döntjes wurden ebenfalls vorgetragen. Gleichzeitig lädt das Café nebenan zum zwanglosen Klönen ein. Eine gute Gelegenheit, mit den Autoren über ihre neuen Bücher zu sprechen.

Aber auch das kulturelle Dorfleben profitiert bereits spürbar von dieser wachsenden Begegnungsstätte. Es muss nicht immer die ganz große Kultur sein, die dem Haus Leben einhaucht. Ob plattdeutsche DRK-Theatergruppe oder Schach und Skat, Plattdüütsch schnacken oder VHS-Kurse, die örtlichen Vereine oder private Feiern: Die Vielfalt ist insbesondere für Familien, Kinder oder Senioren groß und ausbaufähig. Winkler freut sich: „Bei Kinderfesten wurde sogar der alte Schulhof wieder belebt.“

Wichtig ist aber: Der Verein stellt den Interessenten und Veranstaltern die Räume zur Verfügung, für die Inhalte sind sie selbst verantwortlich. Doch das alles ist noch ein sehr zartes Pflänzchen. Dass das Kulturhaus-Projekt gelingt, setzt voraus, dass genug Mitstreiter mitmachen – und zwar möglichst dauerhaft. Es gibt bereits erste konkrete Entwürfe für eine umfassende Sanierung, die durch die geplante Vermietung der zwei Wohnungen im Obergeschoss refinanziert werden soll. „Jetzt fällt die Entscheidung“, betont Winkler am Ende eines langen Weges von der Dorfschule zum Kulturhaus – und blickt mit großer Spannung auf das kommende Wochenende.

Gerd-J. Schwennsen

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