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Ostholstein Pianist und Entertainer begeistert auch im Regen
Lokales Ostholstein Pianist und Entertainer begeistert auch im Regen
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22:15 01.09.2014
„Da hinten scheint die Sonne, das können Sie bloß noch nicht sehen“, erklärte Joja Wendt den Konzertbesuchern — und sorgte mit seiner Musik dafür, dass diese den Regen einfach vergaßen. Quelle: Fotos: Olaf Malzahn
Eutin

 Zuschauer, respektive Zuhörer, verziehen dem Pianisten die musikalische Anspielung auf das schlechte Wetter ohne Weiteres, wie sie ihm auch muntere Sprüche wie „Im Norden unterscheiden wir 120 verschiedene Regensorten“ oder „Wir erzeugen jetzt gemeinsam eine herrlich depressive Stimmung“ verziehen.

Denn der 50-jährige Hamburger bot ein erstklassiges Konzert, virtuos und rasant, beschwingt und fröhlich, konzentriert und professionell, das wesentlich mehr Besucher verdient hatte als die 800, die gekommen waren.

„Ihr seid die Crème de la Crème, die Essenz dessen, was man sich als Künstler wünschen kann“, wurden all jene, die dem Wasser von oben trotzten, von Joja Wendt gelobt. Und belohnt: Mit Jazz-Stücken wie „Stompin‘ At The Savoy“ („Da gibt es eine sehr schwierige Stelle“) oder „Take Five“, mit Klassik wie Vivaldis Sommer-Presto, den Carmen-Variationen und mit dem „Baby Elephant Walk“ zum Mitmachen.

Wie sich Joja Wendts Finger mit teilweise unfassbarer Schnelligkeit auf den Tasten bewegten und sich seine Hände auch mal überkreuzten, war derweil auf einer Leinwand zu sehen.

Zwischendurch schnappte sich der charmante Entertainer immer wieder das Mikrofon und unterhielt mit Anekdoten von seiner Familie, aus New York oder von einer Reise, die er als junger Mann in einem VW Bulli und mit einem kleinen Klavier nach Italien unternahm. Letzteres intoniert mit einem Boogie-Woogie und versinnbildlicht durch Kunstnebel und einen Flügel, der sich in die Kurven legte und am Ende offenbar vom Künstler angeschoben werden musste.

Dafür gab es viel Beifall, der in der ersten Hälfte wohl nur deshalb gelegentlich verhalten wirkte, weil es sich unter Regencapes eben nicht so gut klatschen lässt. Aber im zweiten Teil bewahrheitete sich die Ankündigung, „da hinten“ werde es schon heller, zumindest insofern, als dass sich die Wolken verzogen und die Sterne am klaren Nachthimmel blinkten. Joja Wendt lief mit Stücken wie „Got My Mojo Working“ oder dem „Hummelflug“ zu Hochform auf und präsentierte auch „Happy Birthday“ à la Beethoven, Mozart oder Tschaikowsky.

Unterstützt wurde er auf der Bühne von der jungen Pianistin Katharina Königsfeld, mit der er bewies, dass man zu zweit Brahms spielen und gleichzeitig Rotwein ausschenken kann. Noch lebhafter wurde es, als Joja Wendt und Joe Löhrmann, der mit seinem „Traveling Piano“ durch die Welt zieht, gemeinsam den erfolgreichen Pop-Song „Happy“ erklingen ließen. Einen ersten Abschluss versuchte Joja Wendt dann mit „In Hamburg sagt man Tschüss“, aber entlassen wurde er erst nach zwei Zugaben mit Standing Ovations und tosendem Applaus.

„Im Norden unterscheiden wir 120 verschiedene Regensorten.“
Joja Wendt, Pianist und Entertainer

Sabine Latzel

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