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Ostholstein Pieske: Segeln wie vor 3000 Jahren
Lokales Ostholstein Pieske: Segeln wie vor 3000 Jahren
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23:16 07.09.2015
Burghard Pieske bereitet seine „Ana Varu“ vor Heiligenhafen auf ein ganz besonderes Experiment vor. Quelle: Fotos: Peter Mantik
Heiligenhafen

„Wir fangen jetzt wieder da an, wo vor 3000 Jahren aufgehört wurde.“ Weltumsegler Burghard Pieske bereitet sich dieser Tage auf sein letztes großes Abenteuer vor. Der 71-Jährige aus Lübeck hat sich dafür Verstärkung an Bord geholt: Nash Camacho aus Guam wird ihn auf dem ersten Teil seiner auf drei bis vier Jahre angelegten Expedition — er nennt es ein Experiment, weil es so einzigartig ist — begleiten.

Sein Abenteuer besitzt historische Bedeutung. Er bringt mit seiner „Ana Varu“ Völkern wie Guam, Tonga, Fidschi und anderen ihre Segel-Kultur zurück. Das elf Meter lange Auslegerboot gilt als Urform des polynesischen Schiffbaus und wurde bereits vor mehr als 3000 Jahren gebaut. Pieske begibt sich mit der „Ana Varu“ auf die Völkerwanderungsroute seiner Segel- Vorfahren. „Ich möchte mich mit dieser technisch hochmodernen Funktionsreplik vor der Tradition dieser Menschen verbeugen“, sagt Pieske. Die Idee dahinter soll sein, dass dem Volk von Nash Camacho und anderen mit dieser Expedition ein Teil des Respekts entgegen gebracht wird, den es bereits seit 3000 Jahren verdient hat. Pieske: „Dieser Bootstyp — Proa genannt — war vom Tempo und seiner Technik den Schiffen der Kolonialisten weit überlegen.“

Die Suche nach dem wissenschaftlichen Hintergrund führte Pieske nach Guam zu Doktor Larry Cunningham (Pieske: „Er ist unser geistiger Obervater“) und damit zufällig direkt in die Arme von Nash Camacho, einem Ureinwohner der Marianen. „Ich bin dort ins Wespennest der Seefahrtsgeschichte gestoßen. Durch diese beiden wurden mir die Augen für die Bedeutung dieser alten Seefahrtstradition geöffnet. Ich ahnte vorher nur die Bedeutung, jetzt kenne ich sie. Und ich weiß, dass historisch begründet Taiwan der Ausgangspunkt des Experiments sein muss“, sagt Pieske, der auf der Ostsee vor Heiligenhafen gemeinsam mit Camacho die „Ana Varu“ technisch vorbereitet.

Gestern segelten die beiden bei optimalen Bedingungen, übten einige Manöver. Pieske: „Noch sind wir nicht so weit. Aber wir kriegen das alles noch hin.“ Wenn die „Ana Varu“ nicht in Aktion ist, dann tüfteln Pieske und Camacho am Liegeplatz bei der Segelschule Bennewitz. Denn mit Beginn des Experiments sind keine Fehler mehr erlaubt. „Ich werde sicher mein ganzes seglerisches Können aufbieten müssen“, ist sich Pieske sicher. Respekt vor den Ozeanen spielt ebenso eine Rolle. „Derzeit toben dort wieder zwei Wirbelstürme. Deshalb segle ich nur in den ruhigeren sechs Monaten des Jahres, wenn man das überhaupt sagen kann. Im Sommer bin ich zurück in Lübeck oder Heiligenhafen.“ Die Warderstadt sei ihm eine lieb gewordene zweite Seglerheimat geworden. Im Yachthafen liegt seine Barrakuda, ein gigantischer Katamaran und Hingucker für alle Yachthafenbesucher. Momentan ist das Schiff aber nur das schwimmende Zuhause der beiden Seemänner. In Gedanken sind sie bereits weit weg.

Pieske gerät dabei in Plauderlaune. „Das Besondere an der ,Ana Varu‘ ist, dass sie so konzipiert ist, dass sie auch hoch am Wind kreuzen kann.“ Im Februar 2016 geht es in Taiwan los. Ein Höhepunkt wird im Mai der Besuch des „Festival of Pacific Art“ in Guam sein. „Dort bin ich eingeladen, die ,Ana Varu‘ zu präsentieren“, erzählt Pieske. 27 Staaten beteiligen sich daran. Guam ist dann für kurze Zeit das Epizentrum der Schifffahrt. Der Zeitpunkt für Pieske und Camacho, vorerst Abschied zu nehmen.

Für Pieske aber geht es weiter. Der Lübecker plant Zwischenstationen auf den Atollen Mikronesiens und Polynesiens. „Ich werde dort viele Häfen anfahren, möchte einheimische Mitsegler finden, die noch die traditionelle Navigation beherrschen. Ich bin mir sicher, ich werde dadurch vieles erleben, was Weißen sonst verwehrt bleibt“, sagt er. Am Bug des Bootes ist während der Expedition eine kleine Moai befestigt, eine der berühmten Steinfiguren, die auf der Osterinsel stehen. „Ich sehe es als meinen Auftrag, die Figur nach Hause zu bringen.“

Peter Mantik

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