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Ostholstein Plan für neuen Supermarkt in Niendorf ist geplatzt
Lokales Ostholstein Plan für neuen Supermarkt in Niendorf ist geplatzt
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22:09 10.06.2016
Die Stellflächen an der B 76 sind so gut wie fertig, ebenso die neue Abbiegespur. Dieser Parkplatz soll Mitte Juni freigegeben werden.

 Damit ist der Bauantrag, den die Firma Jens Markt GmbH eingereicht hat, hinfällig.

Bauausschuss nimmt eigenen Beschluss zurück und will jetzt eine Tiefgarage.

Sabine Latzel über die

Beschlüsse zum geplanten Supermarkt in Niendorf.

„Im nächsten Jahr wird kein Markt eröffnen.“ Reimer Jens,

Jens Markt GmbH

Investor Reimer Jens, der einen Baubeginn in diesem Herbst und die Eröffnung zu Ostern 2017 angepeilt hatte, rechnet deshalb mit einer Verzögerung von mindestens einem Jahr. Er will das Vorhaben nun „grundsätzlich durchrechnen“.

Jens, sein Vater Reimer Jens senior und die Mitarbeiter des jetzigen Marktes verfolgten ebenso wie diverse andere Zuschauer eine konfuse Debatte, die streckenweise von der Unkenntnis einiger Ausschuss-Mitglieder geprägt wurde, denen verschiedene Sachverhalte mehrfach erklärt werden mussten. Reimer Jens senior hatte zuvor erläutert, wie er 2006 den 300 Quadratmeter kleinen Markt an der Strandstraße übernommen hatte – seinen Angaben zufolge von Anfang an mit dem Ziel, einen größeren Markt in Niendorf zu eröffnen.

Die Planungen zogen sich jedoch in die Länge. Im September 2015 schließlich stimmten die Mitglieder des Bauausschusses für Änderungen im B-Plan 20 für das Gebiet westlich der Sydowstraße. Demnach sollte die Jens GmbH auf dem Grundstück, das sie gekauft hat, einen Markt mit 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche und Parkdeck bauen, wobei die Flächen auf dem Parkdeck für Mitarbeiter und Parkplatz-Mieter gedacht waren. Die Gemeinde wollte eine Erschließungsstraße von der B 76 zum künftigen Supermarkt, 160 Parkplätze an der B 76 sowie 80 weitere Parkplätze vor dem Markt bauen – ein guter Teil dieser Arbeiten ist mittlerweile auch abgeschlossen.

Dann aber sind im Ausschuss offenbar Überlegungen zum Stellplatz-Nachweis angestellt worden. Jens müsste in Niendorf für den neuen Markt 87 Stellplätze nachweisen – auf dem eigenen Grundstück, also auf dem Parkdeck. Dort könnten statt vermieteter Plätze auch kostenlose Dauerparkplätze für Tagesgäste entstehen, bot Jens deshalb an. Das aber reichte den Ausschuss-Mitgliedern nicht, wobei es schwierig wurde, im Potpourri aus Argumenten die Übersicht zu behalten. Die Anwohner würden durch das Parkdeck mit Lärmemissionen belastet, hieß es, deshalb sei eine Tiefgarage besser. Die Jens GmbH könne eine Ablöse für die Parkplätze zahlen. Außerdem gebe es keinen Fahrstuhl zum Parkdeck, somit sei keine Barrierefreiheit gegeben.

Nach einer Sitzungsunterbrechung scheiterten die ersten Versuche, einen oder mehrere Beschlüsse zu formulieren. Nach über einer Stunde erfolgte dann ein Votum: Mit den Stimmen von CDU, WUB und Grünen wurde „die Festsetzung einer Tiefgarage“ beschlossen, die SPD-Vertreter enthielten sich. Damit verschiebe sich der Bau des Marktes um mindestens ein Jahr, erklärte Reimer Jens. Der Bauantrag, der einen fünfstelligen Betrag gekostet habe, sei hinfällig. Jens und sein Vater mühten sich um Fassung. „Wir bedauern das“, sagte Reimer Jens senior. „Aber wir wollen keine Anti-Haltung gegen die Gemeinde einnehmen.“

latz

Wankelmut und Wortbruch statt klarer Kante

Zwischenruf: „Wie geht es jetzt weiter?“ – Antwort des Bauausschuss-Vorsitzenden: „Ich weiß es nicht.“ Dieser Wortwechsel brachte die Ratlosigkeit während der Sitzung des Timmendorfer Bauausschusses auf den Punkt. Statt sich um Struktur und Sachlichkeit zu bemühen, schienen diverse Ausschuss-Mitglieder einfach das in den Raum zu werfen, was ihnen gerade durch den Kopf ging. Deutlich wurde dabei, dass einige Kommunalpolitiker erschreckend wenig Kenntnis von der Materie hatten. Nun mag das Baurecht ein weites und kompliziertes Feld von geringem Unterhaltungswert sein. Doch wer über ein wichtiges Projekt abstimmen soll, muss sich eben entweder das entsprechende Wissen aneignen oder seinen Platz einem fähigeren Nachfolger überlassen.

Davon abgesehen dürfen Mitglieder des Bauausschusses selbstverständlich gegen ein Parkdeck in einem Wohngebiet sein. Aber dann sollten sie von Anfang an klare Kante zeigen – und nicht erst einem Investor grünes Licht geben und es sich dann anders überlegen. Denn das nennt sich Wortbruch.

LN

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