Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein So plant Neustadt die Hafenwestseite
Lokales Ostholstein So plant Neustadt die Hafenwestseite
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:42 05.12.2018
Die Hafenwestseite in Neustadt soll fast komplett umgestaltet werden. Quelle: Sebastian Rosenkötter
Neustadt

 „Neustadt beschließt Mega-Projekt“ – diese Schlagzeile stand am 27. Februar 2016 in den Lübecker Nachrichten. Im Jahr darauf folgte ein städtebaulicher Wettbewerb. Der Siegerentwurf sieht gleich zwei neue Brücken über den Hafen sowie Hostel, Hotel, Wohnungen, Flächen zum Verweilen und zwei Parkhäuser vor. Geschehen ist seitdem nichts. Die Hafenwestseite wirkt immer noch wie vor bald drei Jahren. Bauamtsleiterin Antje Weise bestätigt dies zwar, sagt aber: „Man sieht nichts, aber es passiert sehr viel an den Schreibtischen.“

In knapp 40 Minuten verdeutlichte sie jetzt in einem Gespräch mit Bürgermeister Mirko Spieckermann (parteilos) und den LN, was im Hintergrund abgelaufen ist. „Wir müssen einen Masterplan erstellen lassen“, sagt Weise. Aus diesem soll hervorgehen, welche Ergebnisse des Wettbewerbs umgesetzt werden dürfen – aus planungsrechtlicher Sicht. Details sollen am 24. Januar im Bauausschuss vorgestellt werden. Anschließend soll die Entwicklung mehrerer Bebauungspläne (B-Pläne) folgen und schließlich im Frühjahr 2020 Baurecht erteilt werden. Parallel zur B-Plan-Entwicklung könne die Freiraumplanung beauftragt werden. Es gelte zu klären, wo Bäume, Bänke und ähnliche Dinge hinkönnten. Damit dürfte sich die Hafenwestseite – wie schon so oft in den vergangenen 774 Jahren – grundlegend verändern.

Der Zob soll überdacht werden

Um die Hafenwestseite in Zukunft besser anzubinden und den Dauerstau auf der Eutiner Straße zu reduzieren, soll eine neue Straße entstehen. Diese werde parallel zu den Bahngleisen verlaufen und auf die Straße Am Holm treffen. „Die Bahn hat bereits in Aussicht gestellt, dass wir die Flächen erwerben dürfen“, sagt Weise. Der bereits vorhandene Radweg soll – Stand heute – in seiner jetzigen Form erhalten bleiben. Ebenfalls sicher scheint der Bau eines Parkhauses neben dem Bahnhofsgebäude. Ursprünglich sollte es 240 Stellplätze fassen. „Daraus wird nichts. Die Denkmalpflege erlaubt nur einen zweigeschossigen Bau. Der soll einen Kontrast zu dem denkmalgeschützten Bahnhof bilden“, führt Weise aus. 160 Autos würden Platz finden. Zudem könnten im Erdgeschoss kleinere Geschäfte wie ein Radverleih einziehen. Der angrenzende Zob indes soll umgestaltet und überdacht werden.

Falken leben im Turm

Ebenfalls schon begonnen hat die Erstellung eines Artenschutzgutachtens. Im HaGe-Speicher soll laut Spieckermann ein Turmfalkenpaar leben. Auch gehört ein Lärmschutzgutachten zum Planungsprozess. Es gilt zu klären, wie viel Lautstärke theoretisch vom angrenzenden Marine-Gelände auf die Hafenwestseite dringen könnte. Laut der Bauamtsleiterin hätte dies Auswirkungen auf die Nutzung, besonders darauf, ob Wohnraum entstehen dürfe.

Das Haus der Manufakturen wurden in vergangenen Jahren umgebaut. Quelle: Sebastian Rosenkötter

Geht es nach dem Willen der städtischen Verwaltung, könnten die roten LHG-Türme in ein preiswertes Hotel umgebaut werden. Zusätzlich ist der Einzug eines Welcome-Centers vorgesehen. Auf der anderen Straßenseite sollen der etwa 50 Meter hohe Turm sowie weite Teile des Getreidespeichers abgerissen werden. Lediglich der historische Backsteinbau sei erhaltenswert. In dessen Umfeld könnten Angelshop, Fischräucherei, Kaffeerösterei und ähnliche Geschäfte einziehen. „In dem Bereich wollen wir Gewerbe ansiedeln.“ Zwischen Haus der Manufakturen und dem ehemaligen, ziemlich sanierungsbedürftigen Wasserturm, sei ein Spielplatz möglich. Dort befindet sich ein artesischer Brunnen, sprich Grundwasser wird per Überdruck an die Oberfläche befördert. „Da werden sich unsere Architekten etwas Schönes ausdenken“, kündigt Antje Weise an.

Viele Gebäude werden abgerissen

Etwas weiter in Richtung Hafenbrücke soll ebenfalls der Abrissbagger tätig werden. Wo derzeit die Hafenmeisterei ist und bis vor wenigen Wochen ein Tätowierer arbeitete, könnten in Zukunft kleinteiliger Einzelhandel, Gastronomie und im obereren Bereich neuer Gebäude Wohnungen sein. Auch ist laut Bürgermeister vorgesehen, die Parkplätze an der Hafenkante aufzulösen. Lediglich einige Stellflächen am Kugelbrunnen für Spontanparker sollen erhalten werden.

Völlig offen ist derzeit, ob es eine zweite Brücke über den Hafen geben wird. „Im Masterplan müssen wir uns für eine Variante entscheiden, müssen sie aber nicht bauen. Eine Brücke wäre nicht förderfähig“, sagt Weise.

Wie weit die Verhandlungen mit möglichen Investoren sind und was die derzeitigen Grundstückseigentümer wollen, soll aktuell nicht öffentlich gesagt werden. Mirko Spieckermann spricht lediglich von interessierten Unternehmern.

Mehr lesen:

Multimedia-Reportage: Die Geschichte von Neustadts Hafenwestseite

Sebastian Rosenkötter

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Zwischen Hospitalkirche, Bahnhof, Marine und Ostsee liegt ein Gebiet, welches sich seit der Stadtgründung immer wieder wandelt. Die LN erzählen davon mit kurzen Texten, Bildern und Videos.

05.12.2018

Per Köster ist weg, Martin Klehs hat den Job übergangsweise übernommen. Die Stellenausschreibung soll jetzt starten – mit hohen Ansprüchen.

05.12.2018

Die Genossenschaft „Natürlich Wohnen“ will an der Bauschule ein ökologisches, sozialverträgliches und generationsübergreifendes Baugebiet verwirklichen. Kleingewerbe und Dienstleistungen sollen ebenfalls enthalten sein.

05.12.2018