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Ostholstein Plötzlich Eltern – vier Tage und drei Nächte
Lokales Ostholstein Plötzlich Eltern – vier Tage und drei Nächte
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20:49 06.10.2016
Gruppengespräch mit Austausch über die gesammelten Erfahrungen beim Eltern-Kompetenz-Training. Quelle: Fotos: Schwennsen

Vier Teenie-Paare hocken vergnügt, wenn auch sichtlich übernächtigt im Raum. Sie hören in ihrer Freizeit gerne Musik, treiben Sport oder pflegen andere Hobbys.

Jugendliche auf Fehmarn lernten mithilfe spezieller Babypuppen, was es bedeutet, ein Kind zu haben.

„Hebammen berichten über immer mehr minderjährige Mütter.“Birte Kaphengst

Eigentlich. Denn plötzlich sind die 13- bis 15-Jährigen Eltern geworden. Zumindest für vier Tage und drei Nächte.

Sieben Mädchen, ein Junge: Ihre Teilnahme am „Eltern-Kompetenz-Training“ ist freiwillig. Doch seither sind sie fest in der Pflicht. Nachts wenn „ihr Baby“ plötzlich schreit, weil es Hunger hat oder die Windeln dringend gewechselt werden müssen. Ebenso tagsüber, wenn sie mit dem Schulbus fahren – und es plötzlich quengelt.

An der Inselschule Fehmarn wird dieses Training erstmals zusammen mit dem Familienzentrum Nord des Kinderschutzbundes angeboten. Mit Anleitung durch Wiebke Aldenhoff, die speziell hierfür ausgebildet ist. „Wie eine richtige Hebamme bin ich 24 Stunden telefonisch erreichbar“, versichert sie den „jungen Eltern“.

Denn wenn das Baby nachts schreit, ist es nicht einfach damit getan, ihm schnell die Flasche zu geben – und sich dann wieder unter die Bettdecke zu verkriechen. Diese Baby-Puppen können alle nur denkbar realen Situationen simulieren – vom langsamen oder hastigen Trinken bis zum endlich erleichternden Aufstoßen. Und wie in der Realität aller Eltern kann das durchaus einmal eine bis anderthalb Stunden dauern. Wohlgemerkt: mehrmals in der Nacht.

Die Schüler haben auch in ihrem Alltag unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Scheele Blicke von Passanten, die sich unsicher sind, ob sich die Mädchen einfach einen Spaß erlauben oder wirklich Teenie-Mütter sind. Gar nicht so einfach ist es, diese Verpflichtung mit den Hobbys zu vereinen.

Wenigstens vom normalen Schulunterricht sind sie vier Tage freigestellt, müssen den Unterrichtsstoff aber nachholen. Genauso wie es einer echten Teenie-Mutter ergeht, die weiterhin die Schule besucht.

Wiebke Aldenhoff weiß ebenso wie Birte Kaphengst vom Kinderschutzbund, dass das Leben als Teenie-Mutter kein Traum ist. „Hebammen berichten über immer mehr minderjährige Mütter“, so Kaphengst.

Bei den täglichen Treffen geht Aldenhoff daher auch auf viele Konfliktfelder bei frühen Schwangerschaften ein – aber auch auf die schönen Seiten. „Denn ich persönlich möchte niemandem das Kinderkriegen vermiesen“, so die dreifache Mutter. In der achtköpfigen Runde wissen die Kids jetzt, worauf sie sich einlassen würden, wenn sei nicht aufpassen – und ungewollt während der Schulzeit Eltern werden würden. Dabei gibt es natürlich auch positive Fälle, wo es gut geht und eine Teenie-Schwangerschaft von der Familie wie vom sonstigen sozialen Umfeld gut aufgefangen wird.

Thematisiert werden – ohne den erhobenen Zeigefinger – in dieser vertraulichen Runde zahlreiche Fragen, die manchmal in der eigenen Familie verschwiegen werden. Verhütung bei Minderjährigen, die Aids-Gefahr, Babyklappe oder anonyme Geburten, aber auch Alkohol oder Drogenkonsum während der Schwangerschaft: Eine Babypuppe simuliert das Entzugsschreien, wenn die Mutter drogenabhängig ist. Diese Stimme werden die jungen Teilnehmer vermutlich nie vergessen.

Gerd.-J. Schwennsen

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