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Ostholstein Plügger Wiesen werden nasser: Projekt für den Vogelschutz
Lokales Ostholstein Plügger Wiesen werden nasser: Projekt für den Vogelschutz
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20:52 06.10.2017
Joachim Siebrecht, Dieter Knoll und Gerrit Werhahn (v. l.) am neu angelegten, naturnahen Gewässer im Bereich der Plügger Seewiesen. Quelle: Foto: Binder
Plügge

Wiesenvögel wie der Kiebitz seien aus dem Gebiet weitgehend verschwunden, berichtet Gerrit Werhahn von der Stiftung Naturschutz. Bei einigen Arten – wie etwa den Braun- und Schwarzkehlchen – gebe es noch „Restbestände“, doch auch hier seien es weitaus weniger Tiere als mit Blick auf Naturschutz und Artenvielfalt wünschenswert.

Mehr Wasser für den Vogelschutz: Die Plügger Wiesen sollen nasser werden, um einen Lebensraum für Wiesenvögel zu schaffen. Dafür engagieren sich die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, der Kreis und der Wasser- und Bodenverband in einem gemeinsamen Projekt.

Kreis finanziert die Bauarbeiten

Die Kosten für die Bauarbeiten im Bereich der Plügger Seewiesen liegen bei rund 60000 Euro. Der Kreis hat die Maßnahme aus Ausgleichsmitteln finanziert. Weitere 20000 Euro hat die Stiftung Naturschutz in die Planung investiert. Letztere sei vergleichsweise aufwendig gewesen, so Projektmanager Gerrit Werhahn.

Durch die Vernässung des 57 Hektar großen Areals hoffen die Initiatoren, die Vogelpopulation wieder zu vergrößern – und vielleicht sogar Arten wieder anzusiedeln, die ganz verschwunden sind. „Es gibt keine Garantie dafür, dass das klappt“, räumt Joachim Siebrecht ein, Fachbereichsleiter Naturschutz beim Kreis. Er sei aber zuversichtlich, dass mindestens die Vogelarten von der Maßnahme profitieren würden, die noch in kleiner Anzahl vorhanden seien.

Seit Anfang September wurden auf der Fläche ein 300 Meter langer neuer Graben geschaffen und einige vorhandene Entwässerungsgräben verbreitert. Durch diese Maßnahme werde ein Großteil der alten Entwässerungsgräben nun nicht mehr benötigt, erklärt Werhahn. In ihnen könne die Stiftung nun Wasser anstauen, ohne dass benachbarte Landwirtschaftsflächen davon beeinträchtigt würden.

Davon profitiere auch der Wasser- und Bodenverband, wie dessen Vorsteher Dieter Knoll erläutert. Rund 4000 Meter Graben müssten jetzt nicht mehr durch den Verband unterhalten werden, wodurch innerhalb von 20 Jahren voraussichtlich bis zu 70000 Euro an Kosten gespart würden. „Das Vorhaben hat also sogar auch wirtschaftliche Vorteile für uns“, so Knoll. Davon abgesehen unterstütze der Verband aber auch grundsätzlich gerne Naturschutzprojekte, solange seine Mitglieder davon keine Nachteile hätten, betont der Verbandsvorsteher.

Ein weiterer Aspekt der Maßnahme sei der Klimaschutz, erklärt Gerrit Werhahn. Weil die Wiesen bisher zu stark entwässert worden seien, habe sich der Moorboden zersetzt. Bei diesem Prozess werde der „Klimakiller“ Kohlendioxid freigesetzt. Mit der Rückkehr zur typischen Vegetation von Feuchtwiesen sei damit Schluss.

Werhahn geht davon aus, dass die Bauarbeiten auf dem Gelände innerhalb der nächsten Wochen abgeschlossen werden können, sofern das Wetter mitspiele. In Zukunft werde es dann Bereiche geben, in denen das Wasser im Winter 30 Zentimeter hoch stehe. Andere Bereiche seien aufgrund der Höhenunterschiede auf dem Areal weniger offensichtlich von der zusätzlichen Nässe betroffen. Insgesamt werde der Wasserspiegel vielleicht um einen halben Meter angehoben, schätzt der Fachmann.

Eine landwirtschaftliche Nutzung soll auf den Wiesen dennoch weiterhin möglich sein, betont Joachim Siebrecht. Der Kreis – der die Maßnahme mitfinanziert – hat auch eigene Flächen für das Projekt zur Verfügung gestellt. Das Naturschutzgebiet werde als Weide oder Mähfläche genutzt. Alle betroffenen Pächter seien im Vorfeld in das Vorhaben mit einbezogen worden, sagt Gerrit Werhahn.

Wie die weiteren Beteiligten freut er sich über „das vertrauensvolle Miteinander“ bei dem Projekt. Auch Joachim Siebrecht und Dieter Knoll betonen, dass bei der Maßnahme alle an einem Strang gezogen hätten – und auch alle Beteiligten vom Ergebnis profitieren würden. Sogar mit Blick auf den Tourismus könne sich das Ganze positiv auswirken, ist Siebrecht überzeugt: Landschaftlich sei das Gebiet sehr attraktiv und somit auch für Besucher interessant.

Jennifer Binder

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