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Ostholstein Pöbeleien, Schläge, Hitlergruß
Lokales Ostholstein Pöbeleien, Schläge, Hitlergruß
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22:15 31.10.2016

Er sei etwas „abgedreht“, meinte der Angeklagte. Andere Menschen würden vielleicht von „völlig durchgedreht“ sprechen angesichts dessen, was sich der Ostholsteiner Heiko H. (Name geändert) in Malente geleistet hat und was gestern noch einmal vor dem Eutiner Amtsgericht beleuchtet wurde. Körperverletzung, Beleidigung und Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen lautete die Anklage gegen den arbeitslosen 29-Jährigen.

„Solch ein Verhalten kann man nicht tolerieren.“Richter Otto Witt

Demnach traf Heiko H. an einem Mittwochabend im Mai in Malente auf den aus Afghanistan stammenden, 21 Jahre alten Karim B. (Name geändert), der auf dem Nachhauseweg von der Arbeit war. Heiko H., offenbar bereits angetrunken, beschimpfte Karim B. als „Scheiß-Ausländer“ und „Arschloch“ und zeigte ihm den sogenannten Hitlergruß.

Anschließend schlug er Karim B. brutal ins Gesicht, so dass dieser eine stark blutende Platzwunde am Auge erlitt. B. versuchte seinerseits, seinem Kontrahenten zwischen die Beine zu treten, und rannte davon.

Ja, er habe „einen im Tee“ gehabt, räumte Heiko H. ein, aber ihm sei Karim B. in einer Gruppe von zehn Personen begegnet, und einer habe versucht, ihm etwas aus der Jackentasche zu stehlen. „Da habe ich eben meine fünf Minuten gekriegt“, insgesamt werde er jedoch zu Unrecht beschuldigt. H.s Engagement in Sachen Rechtfertigung verpuffte jedoch rasch, im Anschluss verfolgte er das Verfahren größtenteils schweigend.

Offenbar verfolgte H. sein Opfer bis in die Nähe von Karim B.s Wohnung. Dort seien die Männer immer wieder um ein Auto herum gelaufen, berichtete eine Zeugin, wobei H. gebrüllt und geschimpft habe, während B. das Blut übers Gesicht lief und er per Handy die Polizei alarmierte. Inzwischen war ein Kumpel von H. auf den Plan getreten, habe sich aber nur bemüht, beschwichtigende Worte zu finden. Anscheinend vergebens, denn auch als einige von dem Tumult aufgeschreckte Nachbarn auf die Straße traten, darunter Bewohner eines Flüchtlingsheims, vermochte H. sich nicht zu beruhigen. Im Gegenteil: Er bespuckte einen jungen Syrer, den er ebenfalls ausländerfeindlich beleidigte, und während Karim B. im Rettungswagen behandelt wurde, titulierte H. einen Polizisten als „Scheiß-Bullen“.

Das Ganze habe sich wohl hochgeschaukelt, meinte genannter Kumpel gestern zögerlich. Die Frage nach einer Tätowierung H.s, die auf dessen rechtsextremistische Gesinnung hinweise, konnte er nicht beantworten – er wisse nur, dass H. „wohl denkt, dass Ausländer hier nichts zu suchen haben“. Der wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorbestrafte Angeklagte selbst bestritt eine solche politische Einstellung. „Solch ein Verhalten geht gar nicht, das kann man nicht tolerieren“, beschied ihm Richter Otto Witt knapp. Die Quittung für H.: eine Geldstrafe über 800 Euro, zudem muss er Karim B. 500 Euro Schmerzensgeld zahlen. Immerhin wurde eine weitere Anklage gegen H. fallen gelassen: Er soll bei einer Schlägerei im Malenter Bahnhof seinen Hund von der Leine gelassen haben, der zwei Leute biss.

latz

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