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Ostholstein Pönitzer Betrieb erhält als erster im Land Inklusionszertifikat
Lokales Ostholstein Pönitzer Betrieb erhält als erster im Land Inklusionszertifikat
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22:37 22.11.2016
Karuh Bremicker (v. l.), Karsten Marzian, Inka Kielhorn, Markus Dusch und Christoph Kremerskothen bei der Übergabe des Inklusionszertifikates. FOTO: DÜVELL-VEEN
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Eutin/Pönitz

Wer in diesen Tagen das Büro der Gebrüder Kremerskothen Garten- und Landschaftsbau GbR in Pönitz betritt, wird sie gleich sehen – die Urkunde, die dem Betrieb ein außergewöhnliches soziales Engagement bescheinigt.

Kremerskothen Garten- und Landschaftsbau wurde für sein Engagement geehrt.

Christoph Kremerskothen und Karuh Bremicker nahmen gestern ein Inklusionszertifikat entgegen. Es ist das erste seiner Art in ganz Schleswig-Holstein und wurde überreicht von Markus Dusch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Lübeck. Mit dabei waren Karsten Marzian, Geschäftsführer des Jobcenters Ostholstein, und Ilka Kielhorn, Leiterin des Bugenhagen Berufsbildungswerkes (BBW) in Timmendorfer Strand. Es bietet Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Lernschwierigkeiten und -behinderungen, körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen die Möglichkeit, die Grundlagen für ein erfolgreiches Arbeitsleben zu schaffen.

Ilka Kielhorn kam aus dem Schwärmen über den Ausbildungsbetrieb Kremerskothen gar nicht heraus. Seit 1995 arbeitet das BBW mit ihm zusammen. „In den über 20 Jahren der Kooperation haben die Mitarbeiter ein gutes Gespür für unsere Auszubildenden entwickelt. Die Firma bietet jedem ein Praktikum und findet immer pragmatische Lösungen“, berichtete sie. Christoph Kremerskothen, der den Betrieb mit seinen inzwischen 18 Mitarbeitern seit 31 Jahren gemeinsam mit seinem Bruder Andreas führt, komme sogar ins BBW, „spiele“ dort in Bewerbungstrainings den Arbeitgeber und bietet einigen Schulabsolventen auch einen Arbeitsplatz. Gegenwärtig sind drei Mitarbeiter aus dem BBW dort beschäftigt. „Das ist eine coole Firma“, höre sie von Praktikanten, die hochmotiviert aus Pönitz zurückkämen, immer wieder. „Ihr Betrieb ist einfach großartig“, wandte sich Inka Kielhorn an Christoph Kremerskothen, machte aber doch noch ein Makel aus. „Sie kommen nie zu unserem Frühjahrsempfang“, klagte sie.

„Wer will und passt, der bekommt bei uns auch eine Chance, egal wo er herkommt“, beschreibt Christoph Kremerskothen den Hintergrund des Engagements. Schon bei Praktikanten sei ersichtlich, wer welche Stärken hat: „Die einen können gut pflastern, die anderen arbeiten lieber mit Blumen und Pflanzen.“ Kremerskothen zollte auch seinen Mitarbeitern, die täglich mit den besonderen Mitarbeitern zu tun haben, großes Lob. „Unsere Angestellten haben vielleicht noch die besseren Händchen als wir“, sagte er.

Aber auch die Chefs selber profitieren von den BBW-Angehörigen: „Menschlich gesehen lernen wir von ihnen ganz viel. Durch den Umgang mit ihnen werden wir ein bisschen sensibler und offener.“

Erste Glückwünsche zur Auszeichnung nahmen Christoph Kremerskothen und Karuh Bremicker gestern während einer sogenannten Unternehmer-Mittagspause bei der Agentur für Arbeit in Eutin entgegen. Die Runde mit Arbeitgebern aus dem Kreis beschäftigte sich dabei intensiv mit dem Thema Inklusion.

Angesichts des Fachkräftemangels sei es wichtig, auch Menschen mit Handicaps in den Arbeitsprozess mit einzubeziehen, bekräftigte Dusch. Bis zum Jahr 2028 werden in Schleswig-Holstein 120 000 Jugendliche fehlen. Schon jetzt dauere es drei Monate, ehe eine vakante Stelle wiederbesetzt werde. Dies gelte besonders in den Bereichen Pflege, Hotellerie sowie Garten- und Landschaftsbau. „Am richtigen Arbeitsplatz eingesetzt, sind Mitarbeiter mit Behinderungen ein Gewinn für das Unternehmen“, ergänzte Karsten Marzian.

 Christina Düvell-Veen

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