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Ostholstein Poersch & Behnk: Letzte Runde als Duo
Lokales Ostholstein Poersch & Behnk: Letzte Runde als Duo
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14:29 11.02.2016
Voller Saal im Gasthaus Wittenburg in Eutin-Fissau beim gemeinsamen Wahlkampf-Auftritt von Regina Poersch und Carsten Behnk. Moderiert wurde der Abend erneut von Martina Janke-Hansen (LN) und Achim Krauskopf (Ostholsteiner Anzeiger).

Sechs Mal haben Regina Poersch und Carsten Behnk im Eutiner Bürgermeister-Wahlkampf öffentliche Veranstaltungen gemeinsam bestritten. Das ist vorbei, bis zur Wahl am 28. Februar wirbt nun jeder für sich. Dabei waren die SPD-Landtagsabgeordnete und der parteilose, von der CDU unterstützte Fachdienstleiter beim Kreis zusammen ein zugkräftiges Paar. Auch im Gasthaus Wittenburg in Eutin-Fissau füllten sie als Duo am Dienstagabend wieder den letzten Stuhl im Saal. Beide haben inzwischen Routine darin, ihre Botschaften an die Wähler zu bringen. Poersch setzt dabei auf ihre Verwurzelung in Eutin („hier bin ich groß geworden, hier wollte ich nie weg“), Behnk auf seine Erfahrung („ich führe 120 Mitarbeiter, Entscheidungen sind mein täglich Brot“).

Poersch: „Ich mache Werbung für mich und meine Inhalte“

Regina Poersch (SPD).

„Es ist toll, dass sich die Menschen Gedanken machen, was vor ihrer Haustür passiert“, fasst Regina Poersch ihre Eindrücke aus den gemeinsamen Veranstaltungen mit Carsten Behnk zusammen. Die Eutiner wollten gehört und ernst genommen werden. Mit ihren eigenen Auftritten ist die Sozialdemokratin zufrieden. „Ich gebe mir Mühe, Dinge auf den Punkt zu bringen. Die positiven Rückmeldungen bestätigen: Es gelingt mir.“ Dass kaum Unterschiede auszumachen seien, lässt Poersch nicht gelten. Beispiel Finanzen: Anders als Behnk setzte sie stärker auf Einnahmeverbesserungen durch Arbeitsplätze und Zuzug als auf Einsparungen, mit denen kaum noch etwas zu holen sei. Poersch sagt auch: „Ich bin keine, die gegen jemanden schießt. Ich mache Werbung für mich und meine Inhalte.“ pet

In Fissau kamen nicht zuletzt örtliche Themen zur Sprache, etwa die Sorge vor einer Erweiterung des Schießplatzes Sibbersdorf und dem damit verbundenen Lärm. Beide Kandidaten versicherten, sich einer Schießplatz-Expansion zu widersetzen. Ein Patentrezept für die Beruhigung der vielbefahrenen Dorfstraße hatten beide nicht, sie setzen auf Beteiligung der Betroffenen und mehr Rücksichtnahme.

Bei einem Ausbau der Straße zwischen Fissau und Sibbersdorf können sich Poersch wie Behnk durchaus vorstellen, nicht nur die Anwohner, sondern den Steuerzahler zur Kasse zu bitten. Über die Neuregelung des Radverkehrs in der Riemannstraße schütteln beide den Kopf. „Ganz grausig“ findet Behnk die Situation, Poersch nennt sie „unbefriedigend“ und empfiehlt eine Überprüfung des Riemannstraßen-Umbaus. Dass es kaum noch Einkaufsmöglichkeiten in Fissau gibt, bedauern beide. Die Entwicklung im Einzelhandel werde man aber nicht mehr zurückdrehen können. Poersch will das geltende Einzelhandelskonzept strikt einhalten und „weiteres Ausfransen an den Stadträndern verhindern“. Behnk machte sich für ein Parkleitsystem stark, damit Einkaufen im Stadtzentrum attraktiv bleibe. Was sie denn für die jüngere Generation tun wollen, damit diese Eutin nicht verloren geht, wurden die Kandidaten gefragt. Behnk nutzte dies für ein Bekenntnis zur festen Fehmarnbeltquerung.

Behnk: „Ich habe einen klaren Blick für das Wesentliche“

Carsten Behnk (parteilos).

Carsten Behnk hofft nach den Wahlkampfrunden zu zweit auf eine hohe Wahlbeteiligung. „Die Menschen sind sehr interessiert an der Stadt“, hält er fest. Nach eigener Wahrnehmung ist er „durchweg gut angekommen“, er sieht sich als Gewinner der Auftritte. Der freundliche Umgangston, den beide pflegen, „gehört sich so“, betont der parteilose Kandidat der CDU. „Ich kenne es nicht anders, als in der Sache zu diskutieren.“ Die fehlenden Kontroversen erklärt er so: „Wie soll man Kante zeigen, wenn man sich immer mehr annähert?“ Regina Poersch habe seine Auffassungen übernommen, wenn er einen Punkt gesetzt habe. Unterschiede gebe es gleichwohl. Behnk: „Ich habe Leitungs- und Führungskompetenz und einen klaren Blick für das Wesentliche und Durchsetzbare.“ pet

Das Zusammenwachsen der Metropolregionen Hamburg und Kopenhagen bedeute auch „ein Stück Zukunft für die Jugend“. Poersch will preiswerten Wohnraum für Berufseinsteiger schaffen.

Fissau ist nicht gerade eine SPD-Hochburg. Und so hatte beim Publikum offenbar Carsten Behnk die Nase vorn. Das zeigte eine — in keinem Fall repräsentative — Befragung mehrerer Teilnehmer. „Ich kenne beide gut, aber kompetenter ist Carsten Behnk“, befand Gudrun Kruse. „Beide haben sich gut vorgestellt und gut vorbereitet“, hielt Bernd Reese fest. Aber überzeugt habe ihn Behnk. „Er ist redegewandter, hat das notwendige Charisma und auch mal einen Spaß auf den Lippen“. „Ehrlich, aufrichtig, seine Argumente kann man voll akzeptieren“, kommentierten Rudolf und Karin Gröne Behnks Auftritt. „Er bringt die notwendige Erfahrung mit, die Frau Poersch nicht nachweisen kann“, verwies Jörg Heitmann auf die berufliche Laufbahn. „Kein oberflächlicher Schönredner. Ich glaube, er ist den Bürgern näher“, meinte Hannah von Bredow. Philipp Kardell bescheinigte Behnk: „Redegewandt, schlagfertig und an vielen Stellen mit den besseren Antworten.“

Kai Schluck wollte sich nicht festlegen. „Grundsätzlich sind beide geeignet, beide haben etwas für sich.“ Sophia Paul bemerkte kritisch: „Behnk hat so viel geredet, dass man irgendwann den Faden verlor.“ Poersch stehe „mit Leib und Seele für die Stadt“. Noch unentschieden ist Monika Dose. Behnk sei rhetorisch gut, aber Poersch habe „sehr viel Herzblut“. Elfi Meyer befand kurz und knapp: „Im Marketing war Behnk besser, in der Aussagekraft Poersch.“

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