Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Polizei hat „richtig Bock“ aufs neue Trainingszentrum
Lokales Ostholstein Polizei hat „richtig Bock“ aufs neue Trainingszentrum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:52 12.01.2018
Jörg Wensien (l.) und Sven Hintz in der Halle vor der künftigen Polizeiwache. Zuschauer auf der Galerie sind beim Einsatz vor Farbmunition geschützt.
Eutin

Der erste Spatenstich erfolgte im Juli 2016, Richtfest wurde Ende März 2017 gefeiert. „Auch wenn es lange gedauert hat: Wir sind dankbar, dass hier keine Kosten gescheut wurden“, sagt Einsatztrainer Jörg Wensien (54), der das Zentrum gemeinsam mit Sven Hintz (56) leiten wird. Beide kennen einander schon seit 20 Jahren über verschiedene berufliche Stationen. Wensien, seine Kollegen Thorsten Ziehm und Burkhard Buchholz haben die Planung von Anfang an mitbegleitet, „das waren Hunderte von Stunden“, berichtet Wensien. Sie haben sich dazu im In- und Ausland umgesehen und Erfahrungen dortiger Einrichtungen aufgegriffen. Eine wichtige Erkenntnis: nicht zu viel Technik. „Sie ist nur störungsanfällig, und man benötigt Personal. Hier ist alles einfach gehalten. Licht und Ton werden per Tablet bedient“, schildert Sven Hintz die Steuerung im sogenannten Szenariobereich.

Damit macht die Polizei einen Quantensprung in ihren Ausbildungsmöglichkeiten: Das Einsatztrainingszentrum (ETZ) auf der Hubertushöhe, vier Jahre geplant, geht seiner Vollendung entgegen. Im April soll es zur Verfügung stehen. 8,3 Millionen Euro bringt das Land dafür auf.

Das gemeinsam von Polizei und GMSH (Gebäudemanagement Schleswig-Holstein) entworfene Einsatztrainingszentrum ist in zwei Bereiche gegliedert: den Funktionsbereich mit Unterrichtsräumen (zwei à 100 Quadratmeter, zusammenlegbar zu einem großen Versammlungsraum), mit Büros, Umkleiden, Besprechungs- und Lagerräumen und den Szenariobereich. „Darin können wir alles abbilden, was man sich nur vorstellen kann. Wir können hier wirklich realistisch trainieren“, sagt das künftige Leitungs-Duo. „Ein Traum für große Jungs“, fügt Wensien schmunzelnd an.

Handwerker sind gerade dabei, hier Kabel zu ziehen und Geländer einzupassen, es muss noch gefliest, Bodenbelag verlegt werden und vieles mehr. Jedoch sind die einzelnen Räume wie in einem Haus-Rohbau gut zu erkennen. Es wird beispielsweise eine komplett eingerichtete Zweizimmerwohnung mit Küche, Bad und Balkon geben. Das Bad erhält sogar Dusche und Wanne, „denn es passiert tatsächlich, dass wir Leute beim Duschen oder Baden festnehmen“, berichten die Ausbilder. Eine Arztpraxis mit Empfangstresen und Warteraum, ein Hotelzimmer, ein Büro/Klassenzimmer mit Fenstern und Türen, die beim Training nicht nur zerstört werden dürfen, sondern sogar zerstört werden sollen, eine Bank mit Schiebetür und Terminals, die sich wahlweise zum Kiosk oder Postschalter umgestalten lässt – die Möglichkeiten für die Ausbilder, Einsatzlagen zu entwerfen, sind überaus vielseitig. Dazu tragen auch diverse eingebaute Türen und Fenster bei, die weitere Variationsmöglichkeiten eröffnen.

Einen Spaß machen sich Jörg Wensien und Sven Hintz mit der im Erdgeschoss liegenden Gaststätte (hat auch einen Biergarten und kann in eine kleine Bar/Discothek umgewandelt werden): „Die nennen wir, weil wir alte Neustädter sind, nach der Kneipe ,Oller Kotten’.“ Zur Kneipe gehören Damen-, Herren- und Behinderten-WCs: für Polizeibeamte auf Schicht immer wieder Einsatzorte, an denen sie Personen festnehmen müssen. Auf Wunsch der Planer hat das ETZ ein schmales und ein breites Treppenhaus bekommen, es gibt einen gepolsterten „Darkroom“, eine Polizeiwache mit Gewahrsamszelle, Garagen mit Streifenwagen (Bus und Pkw) und eine Halle, in die Busse und Lastwagen hineinfahren können. Aus den Unterrichtsräumen können diejenigen, die nicht in den Einsatz eingebunden sind, das Geschehen über Monitore verfolgen. Im Labyrinth (zum Üben taktischen Vorgehens in unbekannten Räumen) und in der großen Halle mit der Wache können sie von der Galerie aus zusehen.

„Dieses Einsatzzentrum bringt die Polizeiausbildung weit nach vorn“, ist sich Jörg Wensien sicher. Und er spricht für Sven Hintz mit, wenn er sagt: „Wir haben richtig Bock drauf, hier zu arbeiten.“

Betrieb wird im Frühsommer aufgenommen

Im April will die GMSH das fertige Gebäude an die Polizei übergeben. Dann muss noch spezielle Technik für die polizeiliche Arbeit eingebaut, Mobiliar angeliefert und Trainingsmaterial eingelagert werden.

Vier bis sechs Wochen nach Übergabe soll der Übungsbetrieb aufgenommen werden. Zur Verfügung stehen vier Trainingseinheiten à 300 Quadratmeter, teilweise zweigeschossig.

Rund 250 Einsatztrainer gibt es im Land, die im ETZ einmal pro Jahr für vier bis fünf Tage geschult werden. Üben werden dort natürlich auch alle Auszubildenden und Beamte der Landespolizei.

 Ulrike Benthien

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!