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Ostholstein Polizei löst Mordfall nach 34 Jahren
Lokales Ostholstein Polizei löst Mordfall nach 34 Jahren
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20:12 21.07.2016
Archivaufnahme des Opfers. Nach seiner Festnahme gab der damals 17-Jährige jetzt zu, die 73 Jahre alte Frau im Juni 1982 in ihrer Wohnung in Schleswig beraubt und erstickt zu haben. Quelle: PD Flensburg
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Flensburg

Ermittlungserfolg für die Polizei: Mehr als drei Jahrzehnte nach dem gewaltsamen Tod einer Frau aus Schleswig (Kreis Schleswig-Flensburg) haben die Ermittler einen 51 Jahre alten Mann unter Mordverdacht verhaftet. Dabei soll es sich um einen berufstätigen Familienvater handeln, der im Kreis Ostholstein lebt. Genauere Angaben zum Wohnort machte die Polizei in Flensburg nicht. Mit der DNA vom Tatort konnte der mutmaßliche Täter überführt werden.

„Vergangenen Donnerstag hat er in seinem Umfeld eine Nachricht verschickt, aus der hervorging, dass er möglicherweise für das Delikt verantwortlich ist“, berichtete gestern Kriminalhauptkommissarin Susanne Jager, die den Fall bei der Mordkommission bearbeitet. Der Mann gestand die Tat.

Polizisten stellten den Mann schließlich am späten Abend in Saarbrücken. Wenige Tage zuvor hatte die Flensburger Polizei ihn per Telefon zu einem freiwilligen DNA-Test aufgefordert, dem er aber nicht nachkam. Die Polizei vermutet, der Mann habe womöglich Richtung Frankreich fliehen wollen. In der Handy-Nachricht schrieb er auch, er wolle sich das Leben nehmen.

Nach seiner Festnahme gab der Mann zu, die 73-jährige Erna Ganz im Juni 1982 – damals war er 17 Jahre alt – in ihrer Wohnung beraubt und erstickt zu haben. Obwohl er mit einer Sperma-Spur überführt werden konnte, stritt er ein Sexualdelikt ab. Die Seniorin war damals in ihrer Wohnung in Schleswig beraubt, sexuell misshandelt und erstickt worden.

Seit 2012 hatten die Ermittler wieder intensiv an dem Fall gearbeitet. Damals gelang es ihnen, die am Tatort sichergestellte DNA zu entschlüsseln. Die Kripo lud daraufhin zum Massen-Gentest. Insgesamt sammelte die Polizei 1217 DNA-Profile. „Wir waren uns sicher, dass wir mit der DNA den Fall irgendwann aufklären können“, sagt Ulf Petersen, Leiter der Mordkommission Flensburg.

Spur 1218 Es kamen aktuellere Fälle, die Spurensuche war aufwendig.<NO>führte zum Ziel: Durch weitere Zeugenaussagen geriet der nun Gefasste ins Visier. „Der aktuelle Wohnort war nicht einfach zu ermitteln“, so Polizistin Jager. Dabei habe der damals drogenabhängige Jugendliche bis 1980 sogar im gleichen Haus gewohnt wie sein Opfer. Meldedaten von damals seien oft noch nicht digitalisiert. Bei seiner Vernehmung durch die Polizei sagte der 51-Jährige nun aus, er habe bei Erna Ganz geklingelt; sie habe ihn reingelassen – und ihn anschließend erwischt, wie er ihre Schränke durchwühlte. Daraufhin habe er die Rentnerin getötet.

„Es ist ein äußerst ungewöhnlicher Fall“, sagt Ulrike Stahlmann- Liebelt von der Staatsanwaltschaft Flensburg. Sie beantragte Haftbefehl wegen Mordes. Motive der Tat seien Habgier und Verdecken einer Straftat. Dass nach so langer Zeit ein mutmaßlicher Täter gefasst werden konnte, habe sie noch nicht erlebt.„Für solche Momente sind wir Polizisten geworden“, sagte Mathias Engelmann, Leiter der Bezirkskriminalinspektion Flensburg. „Verfahrensökonomie spielt bei Tötungsdelikten keine Rolle.“

Obwohl der Verdächtige bereits älter als 50 ist, will die Staatsanwaltschaft vor dem Jugendgericht Anklage erheben. Da er zum Tatzeitpunkt noch minderjährig war, drohen ihm bei Verurteilung wegen Mordes höchstens zehn Jahre Gefängnis.

jup

DNA-Analyse

Mit der DNA-Analyse können Ermittler immer wieder spektakuläre Erfolge erzielen – so etwa im Mordfall des Modeschöpfers Rudolph Moshammer. Auch der Mord an Gabriele Stender aus Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) wurde aufgeklärt – 27 Jahre nach der Tat.
Straftaten verjähren normalerweise nach spätestens 30 Jahren – mit einer Ausnahme: Mord. Selbst der versuchte Mord unterliegt laut Strafgesetzbuch nicht der Verjährung.

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