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Ostholstein Polizei warnt vor Leichtsinn am Gleis
Lokales Ostholstein Polizei warnt vor Leichtsinn am Gleis
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22:31 10.08.2018
Die genaue Ursache für den tödlichen Unfall am Bahnübergang Bergmühle ist noch unklar. Quelle: Jappe
Neukirchen

Die genaue Ursache für das Unglück am unbeschrankten Bahnübergang Bergmühle ist nach wie vor unklar. Ein 77-jähriger Radfahrer war dort am Donnerstag von einem Zug erfasst worden (die LN berichteten). Fest steht laut Polizei: Das Warnblinklicht funktionierte. Wieso der Hamburger dennoch auf die Schienen fuhr, darüber lässt sich bisher nur spekulieren. Die Staatsanwaltschaft Lübeck hat die Obduktion des Verunglückten angeordnet und einen Sachverständigen hinzugezogen, um Unfallhergang und -ursache zu klären.

Die genaue Ursache für den tödlichen Unfall am Bahnübergang Bergmühle ist noch unklar. *FOTO: JAPPE

„Warnzeichen müssen beachtet werden.Gerhard Stelke

Bundespolizei

Nach Angaben der Deutschen Bahn ist die Zahl der Unfälle an unbeschrankten Bahnübergängen in den vergangenen Jahren bundesweit deutlich zurückgegangen. 2010 waren es 92, 2015 noch 60. Mehr als 90 Prozent der Kollisionen seien auf Unaufmerksamkeit, Leichtsinn oder Unkenntnis über die Bedeutung des Andreaskreuzes zurückzuführen, heißt es vom Unternehmen.

Ähnliches berichtet Bundespolizei-Sprecher Gerhard Stelke auch für Schleswig-Holstein. Die Ursache für fast alle Unglücke an Bahnübergängen in den letzten Jahren sei die Missachtung von Verboten und Signalanlagen gewesen. „Wir beobachten immer wieder, dass sogar Autofahrer versuchen, geschlossene Halbschranken zu umfahren“, sagt Stelke. Er appelliert an Passanten, Warnanlagen auf jeden Fall zu beachten – auch, wenn vielleicht gerade noch kein Zug zu sehen sei. Auch dürften Bahnschienen nur an ausgewiesenen Übergängen gekreuzt werden.

In Schleswig-Holstein gibt es 903 dieser Querungen. 383 davon sind laut Bahn nicht technisch gesichert. Deutliche Unterschiede ließen sich zwischen den Unfallzahlen für beschrankte und unbeschrankte Übergänge derweil nicht ausmachen, so Polizeisprecher Stelke. Er halte die Sicherung mit Andreaskreuz und rotem Warnblinklicht grundsätzlich für ausreichend: Unbeschrankte Bahnübergänge fänden sich ohnehin nur noch an kleineren Wegen, nicht an Hauptverkehrsstraßen. In den vergangenen Jahren wurden bereits viele Querungen nachgerüstet.

Eine 100-prozentige Sicherheit könne es jedoch nicht geben, solange Fußgänger unter geschlossenen Schranken hindurchschlüpften, weil ihnen die Wartezeit zu lang sei. „So etwas darf nicht sein“, betont Stelke. Er mahnt zu einem verantwortlichen Verhalten. Anderenfalls drohen eine Anzeige wegen des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr und eine Geldstrafe. Vor allem aber riskieren die Betreffenden ihr Leben und setzen gleichzeitig die Gesundheit anderer aufs Spiel. „Einen tödlichen Unfall mitzuerleben, ist schlimm“, so Stelke. „Das müssen der Zugführer und die Zeugen erstmal verarbeiten.“

Jennifer Binder

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