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Ostholstein Polizeiarbeit wie im richtigen Leben
Lokales Ostholstein Polizeiarbeit wie im richtigen Leben
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00:26 25.01.2017
Eindrucksvoll mimt Matthias Faber als gerade festgenommener „Täter“ einen Krampfanfall. Im Hintergrund schauen die Ausbilder zu. Quelle: Fotos: Peyronnet

Zu sehen ist nichts. Es ist zu dunkel. Nur hinter den Scheiben eines kleinen, roten Backsteinhäuschens blitzt ab und zu ein Lichtschein auf. Das ist die Szenerie, die sich Polizeischülern der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung (PD AFB) am Dienstagabend am Sportplatz auf der Eutiner Hubertushöhe bietet. Die Auszubildenden, die in Kürze für ein halbjähriges Praktikum auf die Reviere im Land verteilt werden, absolvieren ein Nacht-Einsatztraining.

Nachtübung auf der Hubertushöhe – Auszubildende im letzten Test vor der Praxis.

„Sie sollen lernen, mit ihren Einsatzmitteln auch bei Dunkelheit klarzukommen“, erläutert der Fachbereichsleiter Einsatzmanagement, der Erste Polizeihauptkommissar Thorsten Ziehm. Dabei muss auch noch irgendwie die Taschenlampe gehalten werden, sonst ist alles hilfloses Stochern im Dunkeln. So ist es auch bei dem kleinen, roten Backsteinhäuschen. Es ist das Umkleidegebäude auf dem Polizeisportplatz, und drinnen machen sich gerade die als Einbrecher verkleideten Ausbilder Stefan Hinze und Matthias Faber daran, die Geldkassette des vermeintlichen Vereinsheims zu knacken.

Ein Zeuge hat etwas Klirren gehört und die Polizei gerufen. Während Polizeischüler das Haus umstellen, Hinze drinnen immer wieder durch die Fenster mit seiner Taschenlampen leuchtet, stürzt Faber nach draußen, um das Weite zu suchen. Der Versuch von zwei Polizeischülern, ihn zu stoppen, scheitert zunächst. Faber reißt sich los, rennt weiter, wird erneut gestellt und endlich zu Boden gebracht.

Auf dem Weg zum Streifenwagen, nach der Durchsuchung, fällt er zu Boden, beginnt zu krampfen. Ein Trick, um sich noch einmal zu befreien? Oder ein echter Zusammenbruch? Was tun?

Die Polizeischüler lösen ihre Aufgabe und stellen sich dabei recht geschickt an. „Ich habe viele gute Sachen gesehen“, sagt Ausbilder Timo Münster bei der Manöverkritik. Er hat drinnen im Umkleideraum gesessen und beobachtet, wie weitere Polizeischüler den zweiten „Täter“ in den Griff bekommen. Er wehrt sich mit Händen und Füßen, muss sich aber geschlagen geben. Weil die Tür abgeschlossen ist, die „Einbrecher“ durch das Fenster hineingekommen sind, muss der schließlich gefesselte „Täter“ durchs Fenster nach draußen gebracht werden. Das will gelernt sein.

Aber es gibt auch Kritik. Ausbilder und Bewerter Lars Lange: „Wenn ich am Tatort ankomme, müssen die Hufe fliegen. Das hätte alles etwas schneller gehen können.“ Die Verfolger des flüchtigen „Täters“

hätten zwar „gut zugepackt“, „Einbrecher“ Faber habe aber wieder aufstehen und weiterlaufen können. Kein anderer Polizist habe geholfen, aber die beiden am Mann hätten auch nicht nach Unterstützung gerufen. Weitgehend richtig regiert hätten die Polizeischüler beim Krampfanfall.

Der Einbruch ins Umkleidehäuschen ist nicht der einzige Einsatz an diesem Abend. Zuvor muss auf dem Campingplatz Prinzenholz ein Autoaufbruch „abgearbeitet“ werden, wie es bei der Polizei heißt.

Danach gibt es noch eine Kneipenschlägerei in der Polizeikantine. „Wir spielen das Leben“, erläutert Einsatzmanager Ziehm die ausgewählten Szenarien, die alle im echten Funkverkehr mit der Einsatzleitstelle in Lübeck abgewickelt werden. Wenn die angehenden Polizisten ab Anfang Februar mit erfahrenen Beamten Streife fahren, werden die Polizeischüler immer wieder mit Situationen wie bei der Übung konfrontiert sein.

Für alle Beteiligten ist es ein langer und kalter Abend. Beeindruckend ist nicht nur die schauspielerische Leistung der „Täter“ – vor allem Matthias Faber hängt sich voll ’rein –, sondern auch das Können der Polizeischüler, die seit eineinhalb Jahren ausgebildet werden. Um 23 Uhr ist die Übung zu Ende, alle haben Überstunden geschoben. Das macht nichts. „Der Übungs- und Trainingseffekt rechtfertigt diesen Aufwand“, sagt Polizeioberrätin Juliane Bohrer, die die Übung beobachtet.

 Susanne Peyronnet

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