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Ostholstein Polizisten im Wettbewerb: Leben retten und Blasrohrschießen
Lokales Ostholstein Polizisten im Wettbewerb: Leben retten und Blasrohrschießen
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21:18 29.08.2013
Ran ans brennende Auto — zwei 80 Kilogramm schwere Erwachsenenpuppen und eine Kinderpuppe sollen fachmännisch gerettet werden: Das Team Nordfriesland-Flensburg meistert die Aufgabe schnell. Quelle: Fotos: Peyronnet

Laufen, klettern, aufmerksam gucken, wiederbeleben, Reifen wechseln: Ein Schutzmann braucht in seiner täglichen Arbeit viele Fähigkeiten. Die lernt er außer in seiner Ausbildung in regelmäßigen Einsatztrainings, die von nebenamtlichen Einsatztrainern der Landespolizei geleitet werden (die sonst als Streifenbeamte für Sicherheit sorgen). Als Bonbon für diese Trainer und um zu zeigen, was in Einsätzen so alles passieren kann, richtete die Hubertushöhe gestern den ET-Cup, den Einsatztraining-Cup, aus.

Elf Stationen rund um den Kellersee mussten die sechs Teams aus ganz Schleswig-Holstein absolvieren. Je ein Mannschaftsführer und fünf Beamte arbeiteten mit Spaß und Schweiß — es gab durchaus anstrengende Aufgaben — den Parcours ab. Ausgearbeitet hatte ihn der Sachbereich Einsatzmanagement der Polizeidirektion Aus- und Fortbildung (PD AFB) auf der Eutiner Hubertushöhe mit seinem Leiter Axel Kendzia und dem Leiter des Einsatztrainings, Thorsten Ziehm. Der charakterisiert den Wettbewerb als „Taktiktraining mit körperlichen Ansprüchen“, das „einen strammen polizeilichen Hintergrund“

hat. Denn unterwegs trafen die Teams auf Situationen, mit denen jeder Streifenpolizist in seinem Alltag konfrontiert werden kann.

Im Inneren eines BMW wabert dichter Qualm. Ein Polizei-Bulli rast heran, aus ihm springen sechs Beamte heraus. Fünf rennen auf das Auto zu, einer zückt sein Handy, um den Rettungsdienst zu alarmieren. Dieses Szenario spielte sich gestern sechs Mal auf dem Hof der Feuerwehrzentrale Malente ab. Dort war eine der elf Stationen eingerichtet. Die Teams mussten unter den gestrengen Augen der Prüfer zeigen, dass sie erstens richtig reagieren, zweitens die Griffe beherrschen, mit denen sich Verletzte aus einem Auto ziehen lassen, und drittens, dass sie Leben retten können. Unter erschwerten Bedingungen: zehn Minuten Wiederbelebung mit Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung — mit Maske, um „die Ekelbarriere herabzusetzen“, wie es Prüfer Jens Rönpage vom polizeiärztlichen Dienst formulierte. Da dehnten sich Minuten zu Stunden. Die Beamten — unter ihnen zwei Frauen — mussten ganz schön schwitzen beim regelmäßigen Druck auf den Brustkorb des Gummi-Patienten. „Das kann schon mal so lange dauern, sogar bis zu 20 Minuten und länger, wenn man ein taktisches Umfeld hat“, sagte Rönpage. Heißt konkret: Wenn um den Verletzten herum eine Demo tobt und der Rettungswagen nicht durchkommt. Die Teams schätzten die Aufgabe dennoch. „Habt Ihr gut gemacht, das war ‘ne klasse Übung“, rief Holger Zucker vom Team Kiel den Männern um Rönpage zu. Das Team Kiel hatte dem Verletzten 84 Prozent Überlebenschance eingehaucht, gemessen mit einem speziellen Computerprogramm.

Die anderen Aufgaben waren genauso kniffelig. Blasrohrschießen, einen Film sehen und hinterher Fragen zu Details beantworten, sich unter Atemschutz durch einen stockdunklen Übungskäfig hindurchtasten, auf dem Surfbrett paddeln und im Dieksee schwimmen. „Ein Schutzmann muss schwimmen können“, sagt Kendzia. Den Sieg holte sich das Team der Polizeidirektion Itzehoe, es bekam den von Polizeidirektor Burkhard Hamm gestifteten Wanderpokal. Der Titelverteidiger, die Mannschaft der PD AFB, konnte nicht teilnehmen, ebenso wie andere Teams, die in der Nacht zuvor noch im Einsatz waren. Das geht natürlich vor.

Regelmäßige Übungen

4 Tage im Jahr muss jeder Polizeivollzugsbeamte ins Einsatztraining.

2 Tage vergehen mit Schießen und dem Umgang mit der Waffe, dem Schlagstock und dem Pfefferspray.

2 Tage sind dem Bewältigen kritischer Situationen gewidmet: häusliche Gewalt, das Anhalten von Fahrzeugen und Bedrohungslagen.

Dringend sucht die Polizei neue Trainingsstätten wie leer stehende Fabriken, Kliniken oder Hotels. Wer etwas anbieten kann: Tel. 045 21/81-504.

„Der Wettbewerb hat einen ernsten polizeilichen Hintergrund.“
Thorsten Ziehm,

Leiter Zentrales Einsatztraining

Susanne Peyronnet

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