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Ostholstein Poller stoppen blutüberströmten Autofahrer auf Strandpromenade
Lokales Ostholstein Poller stoppen blutüberströmten Autofahrer auf Strandpromenade
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14:59 06.07.2018
Nach Zeugenaussagen soll der Opel des 29 Jahre alten Hamburgers beim Aufprall gegen die Poller hoch in die Luft geflogen sein, um dann wieder auf den Reifen zu landen.  Quelle: Martina Janke-Hansen
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Scharbeutz

Ein Auto rast am Donnerstag mit hohem Tempo über die Promenade, Menschen springen zur Seite. Die irre Fahrt des blutüberströmten Mannes am Steuer wird auf Höhe des Bayside-Hotels von drei Pollern gestoppt. Scharbeutz ist am Vormittag nur knapp einer Katastrophe entgangen.

War es eine Amokfahrt? Die Polizei spricht davon, dass sich ein 29-Jähriger, der mit seinem Opel Vectra über die Scharbeutzer Promenade in Richtung Haffkrug raste, „in einem psychischen Ausnahmezustand“ befand. Nun beginnt die Suche nach dem Motiv. Am Freitagnachmittag teilte die Lübecker Staatsanwaltschaft mit, dass sie die Ermittlungen aufgenommen habe.  Ermittelt werde wegen Verdachts der Gefährdung des Straßenverkehrs, Unfallflucht, Widerstand gegen einen Vollstreckungsbeamten und versuchter gefährlicher Körperverletzung, teilte eine Behördensprecherin mit. 

Es ist etwa 9.50 Uhr, als die Polizei am Donnerstag zu einem Einsatz an der Strandpromenade in Scharbeutz gerufen wird. Im Bereich des Seebrückenvorplatzes hält sich ein aggressiver Mann auf, der mehrere Menschen anpöbelt. Die Beamten entdecken den Hamburger dann in Höhe des Fischerstiegs. Er blutet nach Auskunft von Passanten aus mehreren Wunden an Hals und Armen.

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Beim Anblick der Polizei steigt er in seinen dort abgestellten Opel und fährt laut Polizeisprecher Ulli Fritz Gerlach „mit stark überhöhter Geschwindigkeit die Strandallee entlang in Richtung Haffkrug“. Wie schnell der Mann genau gefahren ist, konnte die Polizei am Donnerstag noch nicht sagen.

Passanten durch Sprung in die Hecke ausgewichen

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Vor dem rasenden Auto können sich einige Passanten und Radfahrer nur durch einen Sprung in Beete und Hecken retten. Urlauber und Anwohner beobachten, wie der Opel gegen die Poller prallt. „Der Wagen flog hoch in die Luft“, sagt Strandkorbvermieterin Claudia Lass. Dann sei er wieder auf den Reifen gelandet. Es sei ganz still gewesen. Bei dem Crash wird eine Lampe umgefahren, Ampelanlage und Stromverteiler sind zerstört und auch ein Baum bekommt etwas ab.

Der Hamburger steigt aus seinem nicht mehr fahrtüchtigen Wagen. Mit freiem Oberkörper und blutverschmiert läuft er nach LN-Informationen auf geschockte Passanten zu und ruft: „Ihr wolltet das so haben.“ Claudia Lass steht wie angewurzelt draußen vor der Tür ihres Strandkorbvermieterhäuschens. „Ich dachte immer, wenn man von so etwas hört, würde ich weglaufen. Aber meine Füße waren wie Blei.“

Restaurantbesitzer überwältigt Fahrer

Der Rasende läuft weiter. Vor dem Restaurant „Capolino“ fallen dicke Bluttropfen auf den Boden. Der 29-Jährige versucht, in die Küche des Restaurants zu gelangen. Das kann Inhaber Lino Cimmino, der nur dank eines glücklichen Zufalls zu dieser Zeit schon dort ist, verhindern. „Ich war früher Carabinieri in Italien“, sagt er. 

 

Lino Cimmino konnte den Mann überwältigen.

Der gut trainierte Ex-Polizist ist sich sicher, dass der Mann in der Küche nach einem Messer greifen wollte. Er habe bei dem allgemeinen Gerangel auch immer wieder versucht, an die Wanne mit dem Altglas zu kommen und eine Flasche zu zerschlagen. Inzwischen sind auch mehrere Polizisten eingetroffen.

Alle gemeinsam können den Tobenden kaum bändigen. „Dabei wurde ein Beamter verletzt und war zunächst nicht mehr dienstfähig“, sagt Polizeisprecher Ulli Fritz Gerlach. Nach LN-Informationen soll der Polizist von dem Mann in den Arm gebissen worden sein. Lino Cimmino ist erleichtert, dass er seine Mitarbeiter vor Schlimmerem bewahren konnte. „Nicht auszudenken, wenn er wirklich ein Messer erwischt hätte.“

Autofahrer in Fachklinik eingewiesen

Auch Bürgermeister Volker Owerien (parteilos) steht am Nachmittag unter dem Eindruck des Geschehens. Er ist froh, dass der Himmel am Donnerstagvormittag bedeckt war und damit nicht so viele Menschen auf der Promenade unterwegs waren. „An einem sonnigen Tag wäre das ganz anders gewesen.“ Die Sorge vor möglichen Anschlägen oder Amokfahrten sei mit ein Grund gewesen, bei der neuen Promenade Poller zu installieren. „Sie haben sich bewährt.“

Laut Polizei kam der Täter nach einer Erstversorgung im Krankenhaus „auf Anordnung eines Amtsarztes“ in eine Fachklinik. Zu den möglichen Motiven konnte Gerlach noch nichts sagen. „Sie sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen.“

Zeugen, die den Tathergang beobachteten oder selbst geschädigt wurden, werden gebeten, sich unter Telefon 045 03/357 20 zu melden.

Martina Janke-Hansen

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