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Ostholstein Porzellan-Puppe „Anna“ — eine Freundin fürs Leben
Lokales Ostholstein Porzellan-Puppe „Anna“ — eine Freundin fürs Leben
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21:23 14.12.2015
Rita Flohr (v. l.), Gudrun Kruse, Hannelore Traube, Waltraud Krause, Magdalene Bendrich mit Puppe „Anna“ und Sylva Meier erzählten sich von den Weihnachtsfesten ihrer Kinderzeit. Quelle: Benthien

„Erzähl doch mal von früher“, fordert Gudrun Kruse, ehemalige Bürgervorsteherin und Zeitspenderin im DRK-Pflegeheim in der Waldstraße, alljährlich ihre Schützlinge auf. In einer gemütlichen Frühstücksrunde bei Kerzenschein kommen die Seniorinnen dem nach, anfangs ein wenig zurückhaltend, aber zunehmend temperamentvoller berichten sie, wie in ihrer Kinder- und Jugendzeit Weihnachten gefeiert wurde. Das Fazit von Hannelore Traube (78), Sylva Meier (91), Rita Flohr (71), Magdalene Bendrich (83) und Waltraud Krause (83): „So gut, wie die Kinder es heute haben, hatten wir es nicht.“

Insbesondere Waltraud Krause, geboren auf Rügen, erinnert sich an harte Jahre: „Mein Vater war Zimmermann, und wir lebten in einem Dorf mit lauter Bauern. Sie waren sehr gehässig zu meiner Familie und gaben uns nichts ab, obwohl sie reichlich zu essen hatten. In der Schule wurden wir auch vom Lehrer häufig verdächtigt, geklaut zu haben.“ Nach einem Schlachtfest bei einem Bauern habe eine Magd ihr einmal ein Stück Fleisch zugesteckt — „das war was, als ich damit nach Hause kam“.

Magdalene Bendrichs Eltern führten eine Gastwirtschaft in Kreuzfeld bei Malente. „Wir besaßen auch Kühe, und uns ist es eigentlich gut gegangen. Wir hatten nicht viel, aber Weihnachten war immer schön“, sagt sie mit Nachdruck. Vor dem Fest seien Plätzchen gebacken worden, „witte, brune, swaarte“. Ihr schönstes Geschenk sei zu einem Weihnachtsfest mitten im Krieg eine Puppe gewesen.

„Anna“ mit einem feinen Porzellankopf ist bis heute ihre Begleiterin und wird sorgsam gehütet. Waltraud Krause strahlt noch heute, wenn sie von „dem wunderbarsten Weihnachtsgeschenk“ ihrer Jungmädchenzeit erzählt. „Das war eine Garnitur rosafarbener Unterwäsche, die habe ich über Jahre gehabt.“

Hannelore Traube, die vor drei Jahren von Kassel nach Eutin zog, denkt gern an Vanillekipferl und den Gänsebraten mit Rotkraut und Klößen am Heiligabend zurück. Sylva Meier berichtet von der kaum auszuhaltenden Neugier am 24. Dezember: „Ich konnte es nie erwarten, bis die Stube aufgeschlossen wurde und wir den Baum sehen durften.“ Auch sie stammt vom Bauernhof, auf dem traditionell zum Fest ein Schwein geschlachtet und Wurst gemacht wurde. „Am Heiligabend haben wir dann Kartoffelsalat und Würstchen gegessen.“

Das schönste Weihnachtsfest ihrer Kindheit habe unheilvoll begonnen, berichtet Rita Flohr. „Mein Vater kam ziemlich dun von der Arbeit nach Hause und schlief im Hühnerstall seinen Rausch aus. Meine Mutter war so wütend auf ihn, dass sie auch ins Bett ging. Als mein Vater wieder nüchtern und wach war, sagte er zu ihr: Komm, nun lass‘ uns feiern. Und das haben wir dann auch gemacht.“

ben

„So gut, wie die Kinder
es heute haben, hatten
wir es nicht.“
Einigkeit in der Frühstücksrunde

LN

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