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Ostholstein Prämie für die Ausbildung von Flüchtlingen gefordert
Lokales Ostholstein Prämie für die Ausbildung von Flüchtlingen gefordert
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22:53 17.05.2018
„Die Menschen, die zu uns kommen, sind willig. Aber es scheitert oft an der Sprache.“Werner Süß Vorstandsvorsitzender
Eutin

Ansprechpartner ist dabei vor allem die Politik, aber auch die Gesellschaft. Gestern formulierten der Vorstandsvorsitzende Werner Süß und seine Vorstandskollegen Thilo Gollan und Karsten Kahlcke in Eutin die Positionen des Verbands. Die Betriebe des UV Ostholstein-Plön haben im vergangenen Jahr 280 Flüchtlinge in Arbeit und Ausbildung gebracht, berichtete Süß. Dabei gelte es, viele Hindernisse zu überwinden: mangelnder Spracherwerb, besonders bei Fachbegriffen, und das Verständnis, dass eine Ausbildung langfristig mehr bringt als ein kurzfristiger Job mit mehr Geld als ein Lehrlingslohn.

Migration, Digitalisierung, Breitband, Diesel und Ausbildung. Es sind viele Themen, die den Unternehmensverband (UV) Ostholstein-Plön beschäftigen. Er vertritt 350 Betriebe mit insgesamt 15000 Beschäftigten. Für sie versucht der Verband, die Rahmenbedingungen zu verbessern.

Prämie für Ausbilder

Süß hat sich Gedanken darüber gemacht, wie sich diese Probleme leichter lösen ließen. Sein Vorschlag: Eine Prämienzahlung für Betriebe, wenn diese einen Migranten mit erkennbaren Defiziten ausbilden. Die Prämie sollte nach bestandener Ausbildung als Anerkennung gezahlt werden. Süß nannte als mögliche Summe 5000 Euro. Außerdem müssten die Kosten der Integration vom Bund getragen und dürften nicht auf die Kreise und Gemeinden abgewälzt werden.

Für Thilo Gollan, dessen Betrieb in Beusloe steht, ist schnelles Internet ein wichtiges, ein sehr wichtiges Thema. Es sei ein entscheidender Standortfaktor für Unternehmen wie für private Haushalte.

Fehlende Breitbandverbindungen schwächten die Wettbewerbsfähigkeit. Außerdem kommt von Gollan ein Plädoyer für den Diesel – Alternativen seien mit hohen Investitionskosten verbunden – und Kritik an den Möglichkeiten für Ausbildungsbetriebe, handwerklichen Nachwuchs zu finden.

Für das neue Lehrjahr ab diesen Sommer sind bei Gollan noch sechs von 16 Lehrstellen in den Berufen Hochbauer, Tiefbauer und Kfz-Mechaniker unbesetzt. Das Problem unter anderem: Es gibt keinen Wohnraum für Lehrlinge, sie brauchen ein Auto. „Wir denken über Werkwohnungen nach“, sagt der Firmenchef. „Meines Wissens gibt es keine steuerliche Förderung dafür.“ Seine Forderung an die Politik lautet, das in Deutschland sehr aufwendige Planungsverfahren zu verschlanken. „Dabei würden wir gerne konstruktiv mitarbeiten.“

Herausforderung

annehmen

Dem Thema Digitalisierung widmet sich der stellvertretende UV-Vorstandsvorsitzende Karsten Kahlcke. Damit müsse sich die Wirtschaft beschäftigen, sonst werde sie abgehängt. „Wir haben schon jetzt einen enormen Nachholbedarf, obwohl wir eine der führenden Wirtschaftsnationen sind“, sagt Kahlcke. Er übt auch Selbstkritik: „Mancher hat die Herausforderungen der Digitalisierung noch nicht erkannt.“ Dabei habe die Digitalisierung nicht nur eine rein technische Dimension, sondern bedeute auch einen Kulturwandel in Wirtschaft und Gesellschaft.

Alle seien gefordert, die enormen Chancen der Digitalisierung zu nutzen, aber auch die Risiken einzugrenzen. Damit verbunden ist wieder eine Forderung an die Politik. „Wir brauchen eine digitale Bildungsinitiative“, sagt Kahlcke. Ein besonderes Augenmerk will er auch auf die Cybersicherheit gelegt wissen. „Die Gefahr wird nicht erkannt.“

Es sind viele Bereiche, die der Unternehmensverband beackert. Geschäftsführer Hannes Wendroth fasst zusammen: „Wirtschaftlicher Erfolg der Betriebe, das Wohlergehen der Beschäftigten und die Belange der Region bilden die großen Überschriften der zahlreichen Themenfelder.“

 Von Susanne Peyronnet

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