Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Praxis ohne Grenzen muss schließen
Lokales Ostholstein Praxis ohne Grenzen muss schließen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:38 29.12.2017

Zigtausende Menschen in Deutschland haben keine Krankenversicherung. Neben Obdachlosen trifft es vor allem Mittelständler, die sich die Beiträge sparen, um ihre Selbstständigkeit nicht zu gefährden.

„Dann suchen sich die Menschen andere Anlaufpunkte. Dr. Uwe Denker aus Bad Segeberg

Hier gibt es Hilfe

Eine Praxis ohne Grenzen gibt es im Norden in acht Städten. Es sind Bad Segeberg, Stockelsdorf, Preetz, Pinneberg, Hamburg, Rendsburg, Flensburg und Husum.

Weitere Infos und Kontaktdaten finden sich auf der Internetseite www.praxisohnegrenzen.de.

Ihnen wollten die Vereinsvorsitzende Christine Friedrich und mehr als zehn weitere Ostholsteiner Ärzte helfen. Vorbild ist das Angebot von Dr. Uwe Denker aus Bad Segeberg. Die dortige Praxis läuft seit Jahren, die Nachfrage ist hoch. Denker bedauert die Schließung. Er vermutet, dass die Praxis zu wenig bekannt gewesen ist. „Dann suchen sich die Menschen andere Anlaufpunkte“, sagt der Arzt.

Kein Patient in der Sprechstunde

In Neustadt lief es von Beginn an anders. Anfangs fanden die 14-tägigen Sprechstunden im Oase-Heilhaus in Rettin statt. Im Januar 2016 folgte der Umzug in die Räumlichkeiten von Dr. Jons-Uwe Giszas in der Neustädter Brückstraße. Die Zahl der Patienten nahm trotz der zentraleren Lage und besseren Anbindung an den Nahverkehr nicht zu. „Die Nachfrage ist so gering, dass es sich nicht lohnt, die Praxis weiterhin zu öffnen. Wir sehen den Bedarf nicht“, erläutert Christine Friedrich. Oft sei kein Patient in die Sprechstunde gekommen. Die Vorsitzende begründet dies auch damit, dass es in der Region nicht so viele Freiberufler ohne Krankenversicherung gebe.

Dennoch ist Friedrich hin- und hergerissen. Sie spricht von einer guten Nachricht, da „die Sozialstruktur in dieser ländlichen Region relativ geordnet ist“. Jedoch gebe es auch ein Gefühl der Enttäuschung. Das Team sei mit viel Enthusiasmus gestartet und wurde nicht angenommen. „Unterm Strich fällt das Fazit aber positiv aus“, sagt Friedrich.

Erkrankte wurden

kostenfrei behandelt

Sie ist zufrieden, dass Menschen geholfen werden konnte. Neben Diabetikern und Bluthochdruckpatienten seien auch Ostholsteiner mit akuten Infekten untersucht und versorgt worden. „Ich bin

froh, dass wir keine ganz schwer chronisch Erkrankten hatten. Die Behandlung von Krebs hätte uns finanziell schnell überfordern können“, so Christine Friedrich. Was bleibe sei Dankbarkeit.

Zahlreiche Spender hätten die Praxis ohne Grenzen unterstützt und auch Allgemeinmediziner Giszas gebühre ein besonderer Dank, da er seine Praxisräume zur Verfügung gestellt hat.

Bereits am 21. Dezember fand die letzte Sprechstunde statt. Der Verein ist so gut wie aufgelöst. Wer dennoch eine kostenlose und anonyme Behandlung benötigt, muss nun zu anderen Standorten fahren. „Die Praxismitarbeiter werden zum Teil auch in anderen Praxen, wie der in Stockelsdorf, mitarbeiten“, erläutert Friedrich.

Sebastian Rosenkötter

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Auch das politische Jahr neigt sich dem Ende. Die Fraktionen des ostholsteinischen Kreistages ziehen ein Resümee und schauen auf die Kommunalwahl am 6. Mai 2018.

29.12.2017

Zischende Raketen, krachende Böller – was für viele Ostholsteiner ein großer Spaß ist, kann Tiere in Angst und Schrecken versetzen.

29.12.2017

Die Schönheitskur für die Seebrücke in Weissenhäuser Strand verzögert sich. Wangels’ Bürgermeister Eckhard Klodt (BGW) rechnet mit einem Baubeginn nicht vor Herbst 2018. Ursprünglich sollte das Projekt schon dieses Jahr in Angriff genommen werden.

29.12.2017
Anzeige