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Ostholstein „Praxis ohne Grenzen“ zieht nach Neustadt
Lokales Ostholstein „Praxis ohne Grenzen“ zieht nach Neustadt
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22:08 31.12.2015
Diese vier Frauen gehören zum Team der „Praxis ohne Grenzen“ in Neustadt: Erika Loeck, Karin Cordsen, Susanne Link sowie die erste Vorsitzende des Vereins Christine Friedrich (v. l.). Quelle: Sebastian Rosenkötter
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Neustadt

 Seit dem 2. April 2014 behandeln Ärzte und Krankenschwestern Patienten in der „Praxis ohne Grenzen“ im Neustädter Ortsteil Rettin kostenfrei. Mittlerweile ist klar, dass das Angebot angenommen wird, für viele aber nur schwer erreichbar ist. Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist schwierig, Busse fahren selten und oft nur als sogenannter Anrufliniendienst. Die Folge: Die Praxis zieht nun ins Neustädter Stadtzentrum.

Christine Friedrich, seit Juli erste Vorsitzende des Vereins „Praxis ohne Grenzen — Region Neustadt i. H.“, weiß um die Problematik. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden nach einem neuen Standort zu suchen. Die Verkehrssituation war dafür ausschlaggebend und dank unseres Netzwerkes wurden wir schnell fündig“, erläutert sie. Der Allgemeinmediziner Dr. Jons-Uwe Giszas habe ihnen einen Raum in seiner Praxis in der Brückstraße 23 angeboten. Dieser ist deutlich einfacher zu erreichen, da der Bahnhof nur wenige Minuten entfernt ist. „Viele Patienten kommen von weiter weg. Wir hatten schon Personen von Fehmarn“, so Friedrich.

Generell sei der Zuspruch jedoch unter den Erwartungen geblieben. „Wir haben etwa zwei bis drei Patienten pro Sprechstunde. Einige kommen regelmäßig. Der Bedarf ist da“, betont die Vorsitzende. Laut Schätzungen leben etwa 800 000 Menschen in Deutschland ohne Krankenversicherung. Viele von ihnen sind Selbstständige, die sich die hohen Beträge für die private Versicherung nicht mehr leisten können.

„Das langfristige Ziel der Praxis ist es, diesen Personen zu helfen wieder in die gesetzliche Versicherung zurückzukehren“, sagt Christine Friedrich. Aus diesem Grund arbeite man auch mit einem Obmann zusammen, der dabei helfen kann, den Weg zu erleichtern. Darüber hinaus werden Hilfesuchende auch an Schuldnerberatungen weitervermittelt.

Um die Arbeit der „Praxis ohne Grenzen“ auch in Zukunft zu sichern, benötigt der Verein weitere Ärzte und Krankenschwestern die bereit sind, einige Stunden mitzuarbeiten. Insbesondere aus dem Pflegebereich sowie dem medizinischen Fachbereich würden Personen gesucht. Aktuell gehören sechs Ärzte, vier Krankenschwestern und eine Hebamme zur Mannschaft.

Neben Personal werden jedoch auch Spenden benötigt, da der Verein nicht nur sämtliche Behandlungskosten, sondern auch Medikamente finanziert.

Offene Sprechstunde
Die „Praxis ohne Grenzen“ ist ab dem 6. Januar den ersten und dritten Mittwoch eines jeden Monats von 15 bis 17 Uhr geöffnet.


Die Notfallnummer soll in den kommenden Wochen freigeschaltet werden: 0152/23664325 .

Sebastian Rosenkötter

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