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Ostholstein Premiere: Halbe Hähnchen für kernige Heavy-Metal-Fans
Lokales Ostholstein Premiere: Halbe Hähnchen für kernige Heavy-Metal-Fans
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20:10 29.06.2013
Von Ulrike Benthien
Eutin

Noch 32 Tage — die Fans zählen längst runter. Noch 32 Tage bis zum Fest, bis endlich das Wacken Open Air (W. O. A.), das nach Angaben der Veranstalter größte Heavy-Metal-Festival der Welt, beginnt. Einer, der mitzählt, ist Sven Bössow. Der Sprecher der Eutiner Markthändler und Inhaber der in Lübeck ansässigen Firma „Sven Bössow Geflügelspezialitäten“ wird sich in diesem Jahr erstmals nach Wacken aufmachen, allerdings nicht wegen der Musik. Er wird die hungrigen Heavy-Metal-Fans verköstigen: mit Hähnchen vom Grill.

„Ich bin jetzt schon aufgeregt und freue mich riesig“, sagt er. Zwischendurch hat er aber auch immer wieder leichte Anflüge von Panik: „Dann denk‘ ich: Was machst du da bloß!“ Denn die Logistik für sein „Unternehmen Wacken“ ist nicht ohne. Er muss seinen Grill fast rund um die Uhr geöffnet haben. „Das Publikum ist da ja auch Tag und Nacht in Gange und hat dementsprechend immer Hunger.“ Vier Mitarbeiter und vier Freunde werden ihn begleiten. „Unglaublich“, sagt Bössow, „die Leute betteln geradezu darum, mitkommen und da arbeiten zu dürfen.“ Die bekannt tolle Stimmung in Wacken wirkt offensichtlich wie ein Magnet.

Von den Auftritten der einzelnen Bands werden Bössow und sein Team vermutlich kaum etwas mitbekommen: Sie müssen den Grill bestücken, Hähnchen verkaufen, saubermachen, aufräumen, abends Nachschub bestellen, ihn in den frühen Morgenstunden, wenn Wacken einigermaßen zur Ruhe gekommen ist, in Empfang nehmen. „Wir verkaufen keine Tiefkühl-Hühner, nur frische. Meine Lieferanten schlachten täglich“, betont der Chef. Wichtig ist ihm auch, dass ordentliche Portionen auf die Pappe oder in die Tüte kommen: „Das sind keine Piepmätze, sondern schwere Hühnchen für Metal-Fans, die Hunger haben und satt werden wollen.“

Er sieht es als Testballon, in Wacken Hähnchen vom Grill anzubieten. „Das gibt es dort noch nicht, und wer will schon ständig Bratwurst oder Pizza essen?“ Außerdem findet Bössow, dass seine Hähnchen geradezu prädestiniert sind für diese Großveranstaltung der besonderen Art: „Da kann man schön rumsapschen.“

Dafür, dass er auf dem Festival-Gelände einen guten Platz bekommt, sorgt Ulfert Georgs. In Eutin betreibt der Neustädter seit zwei Jahren die Eisbahn, in Wacken ist er seit fünf Jahren gemeinsam mit einem Partner für die Gastronomie — „alles außer Getränke“ — verantwortlich. „Ich hab‘ ihn im Winter einfach mal angehauen“, erzählt Sven Bössow.

Seine Mannschaft rückt am Montag, drei Tage vor dem offiziellen Festival-Start, auf dem Gelände an. „Später ist kein Durchkommen mehr. Die Camper reisen auch zeitig an — und wollen essen.“ Er bietet einen kleinen Fuhrpark auf: zwei angemietete Wohnwagen, in denen umschichtig geschlafen wird, zwei Grillwagen, Spülwagen, Kühllaster. „Ein kleiner Zirkus Roncalli“, witzelt er. Einen Grillwagen wird er erst zwei Tage vor dem Aufbruch nach Wacken bekommen: Er soll im Metal-Style hergerichtet werden, mit züngelnden Flammen, Metallplatten und Nieten rundum. Auf der Rückseite wird ein Huhn prangen:

„Heavy Chicken, powered by Geflügel-Bössow“. Das Motiv hat Sven Bössow auch auf 50 schwarze T-Shirts drucken lassen — Arbeitskleidung für seine Verkäufer.

Für alle Fälle wird in Wacken auch ein Techniker von Bössows Verkaufsfahrzeug-Hersteller Seico vor Ort sein: „Er hilft uns mit dem Equipment und ist sofort zur Stelle, wenn etwas kaputt gehen sollte.“ Das fürchtet der Wacken-Neuling am allermeisten, und so geht er die Planungen rund um sein Hähnchenkarussell immer wieder durch.

Mit 1200 Stück Geflügel wird der Kühllaster am 29. Juli nach Wacken rollen: die Erstverpflegung. Wie viele halbe Gockel von Montag bis Sonntag über seinen Tresen gehen werden, wagt Sven Bössow nicht vorherzusagen. „Das bringt Unglück. Aber wir können jeden Abend nachsteuern.“ Sicher ist er sich nur in zwei Dingen: „Das wird eine Woche mit ganz, ganz wenig Schlaf. Und danach mache ich Urlaub!“

Ulrike Benthien

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